Regionalbahn vorerst vom Tisch

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Die B19 südlich von Oberstdorf ist regelmäßig „dicht“.

Oberallgäu - Bei dem vor eineinhalb Jahren beschlossenen Verkehrskonzept Oberallgäu soll es voran gehen. Bei einer Auftaktveranstaltung in Ofterschwang wurden der Sachstand, die Organisationsstruktur und die weiteren Schritte vorgestellt.

Ziel ist nach Aussage von Landrat Anton Klotz „ein ganzheitliches und flächendeckendes Verkehrskonzept“ um die wirtschaftlichen Stärken des Landkreises und der Stadt Kempten langfristig zu sichern. Ein Thema, das den Landkreis noch Jahre beschäftigen werde. Dazu sollen drei Fachkreise – Straße, Öffentlicher Personennahverkehr und Schienenverkehr – gebildet werden.

Neuralgischer Punkt ist im Süden die B19 zwischen Sonthofen und Oberstdorf, besonders zu Spitzenzeiten des Tagesausflugverkehrs. Wenn alles dicht ist, weicht der Verkehr auf die Kreisstraßen aus und belastet die Dörfer im oberen Illertal. Aber auch im Norden von der Autobahnausfahrt Waltenhofen zur Innenstadt von Kempten stauen sich die Fahrzeuge. Nach der Ablehnung eines Tunnels bei Fischen per Bürgerentscheid nahm die Verkehrsdiskussion im südlichen Landkreis neue Fahrt auf. Neben der Verbesserung der Infrastruktur ist auch klar: Jeder Verkehrsteilnehmer, der auf Bahn, Bus oder Fahrrad umsteigt, trägt zur Entlastung der Situation bei.

„Verkehr und Mobilität haben für uns eine immens wichtige Bedeutung“, erklärte Landrat Klotz. Die Wirtschaft sei auf leistungsfähige Verkehrsverbindungen angewiesen. Arbeitsplätze und Wohlstand hingen davon ab. Die B19 neu habe zu einer Qualitätsverbesserung geführt. Die Schattenseite sei allerdings die zunehmende Verkehrbelastung vor allem durch den touristischen Verkehr. Der Ausbau habe die Verkehrsproblematik südlich von Sonthofen „deutlich verschärft“. Die Belastung stoße bei vielen Menschen an die Grenzen der Akzeptanz, sieht Klotz Handlungsbedarf. Dabei gelte es, die Bürger aktiv mit einbinden. „Wir brauchen eine Verkehrskonzept mit ganzheitlichem Ansatz“, so Klotz. Dazu gehörten auch Bahn und ÖPNV: „Die Idee Regionalbahn darf keine Vision bleiben.“

„Ab Sonthofen wird es eng“, so Verkehrsplaner Dipl. Ing. Reiner Neumann von Modus Consult in Ulm. Die Verkehrsbelastung hinter Sonthofen betrage am Ende der Schnellstraße an normalen Verkehrstagen 25.000 Fahrzeuge und 900 LKW. 53 Prozent des Verkehrs hat Oberstdorf als Ziel, 23 Prozent Fischen und 12 Prozent das Kleinwalsertal. 38 Prozent des Verkehraufkommens ist Freizeitverkehr. Ein Spitzenwert im Vergleich zu Untersuchungen in anderen Regionen. Die Leistungsfähigkeit der B19 durch Ausbau, Entschärfung der neuralgischen Punkte und Lösungen für die Ortsdurchfahrten Fischen und Langenwang reichten alleine nicht aus, so Neumann. Entlastungen und eine Vernetzung mit der Bahn und anderen öffentlichen Verkehrsmitteln seien notwendig. Es brauche „Mut für neue Visionen und Mut zum Handeln“. Aber auch Geduld um die unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen, so Phillpp Hechenberger von der Firma Challenge Learning in seinem Sachstandbericht.

Drei Fachgruppen sollen nun schnell ihre Arbeit aufnehmen und Ideen und Konzepte erarbeiten. Diese Erkenntnisse werden dann in einem „Regionalforum“ mit Vertretern aller Beteiligten zusammenfließen. Die Fachgruppe Straßenverkehr wird von Klaus Häger – Leiter des Tiefbauamtes in Sonthofen – geleitet. Die Gruppe ÖPNV von Klaus von Petersdorff, Geschäftsführer von Regionalverkehr Allgäu. Die Leitung der Gruppe Schiene, die sich vor allem um den Bahnverkehr zwischen Kempten und Oberstdorf kümmern soll, ist derzeit noch verwaist. Beim Thema Bahn bremste Andreas Schulz, stellvertretender Geschäftsführer der Bayrischen Eisenbahngesellschaft, die Zuversicht. Er machte klar, dass es im Allgäu keine Verbesserungen im Bahnverkehr gebe, wenn nicht mehr Geld vom Bund fließe. Neue Haltepunkte seien nur sinnvoll, wenn neben den jetzigen Expresszügen noch Regionalbahnen fahren würden. „Wenn die Bahn nicht mitmacht, hat das Ganze wenig Sinn“, warf Kreisrat Michael Finger ein. Sie sei immerhin ein wichtiger Bestandteil des Konzeptes. Eine bessere Einbindung der Stadt Kempten beim Thema Allgäu-Bahn forderte Jürgen Schmid vom Fahrgastverband Pro Bahn. Die Bahn müsse bis in die Innenstadt geführt werden. Roland Merkle vom Landratsamt und Landrat Klotz setzen erst einmal darauf, die Attraktivität der Bahnstrecke zu steigern, etwa durch Fahrzeitverkürzungen.

„Wir werden Wege finden und wir werden Wege machen“, zeigte sich Klotz – angelehnt an ein Zitat des Feldherrn Hannibal – in seinem Schlusswort optimistisch, die Verkehrssituation im Oberallgäu zu verbessern.

Heinrich Bonert

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