Landrat a. D. Anton Klotz zieht Bilanz: In sechs Jahren viel bewegt und gestaltet

Anton Klotz: Ein Abschied im Krisenmodus

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Der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz konnte seiner Nachfolgerin im Amt ein „wohlbestelltes Haus“ hinterlassen und auf zahlreiche Erfolge verweisen.

Oberallgäu – Ende April endete die sechsjährige Amtszeit des Oberallgäuer Landrates Anton Klotz. Aus Altersgründen – der staatlich verordneten Begrenzung auf 65 Jahre zu Beginn der Amtszeit von Landräten – gibt es für den leidenschaftlichen Kommunalpolitiker Klotz keine „zweite Runde“. Dennoch, so die Bilanz des 67-Jährigen, wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Erfolge eingefahren und wichtige Weichenstellungen erreicht, um den Landkreis weiter voran zu bringen und fit zu machen für die Zukunft. Eine Zeit, die noch lange geprägt sein werde von der aktuellen Corona-Pandemie, so Klotz.

Vorab: Wie wird Ihr „Leben nach dem Amt” aussehen?
Anton Klotz: Mein Leben nach dem Amt? Ich freue mich auf eine Zeit ohne Terminflut und ohne Termindruck. Fünf Enkelkinder werden mich in Schwung halten. Zudem wird das Interesse an der Kommunal- und Kreispolitik so schnell nicht nachlassen.

Hätten Sie, falls es vom Alter her gepasst hätte, eine weitere Amtsperiode drangehängt? 
Anton Klotz: Ja, wenn ich noch einige Jahre jünger gewesen wäre. Es ist aber so wie es ist, und das ist gut so!

Der Wechsel an der Landkreisspitze steht diesmal ganz im Zeichen der Corona-Pandemie. Können Sie nach fast sechs Wochen „harter Gangart” beim Umgang mit „Covid-19” eine erste Zwischenbilanz für den Landkreis Oberallgäu ziehen? 
Anton Klotz: Ich bin zufrieden und sogar etwas stolz darauf, dass wir im Oberallgäu dank frühzeitigem und konsequentem Handeln bis heute alles gut im Griff haben. Unter der Leitung von Regierungsdirektor Ralph Eichbauer haben zahlreiche fachkundige Akteure aus Landkreisverwaltung, Gesundheitsamt, Klinikum, Ärzteschaft, Pflege, Rettungsdienst, Katastrophenschutz, THW und Feuerwehr hervorragende Arbeit geleistet.

Bayerns Ministerpräsident Markus Söder ist kein Freund vorschneller Lockerungen bei den Beschränkungen. Tourismus-Fachleute warnen allerdings vor massiven und dauerhaften Folgen gerade für die Tourismusregion Allgäu. Oder kann man womöglich auf eine Aufholjagd nach der Pandemie hoffen mit „Urlaub in Deutschland”? 
Anton Klotz: In der Wirtschaftskraft des Oberallgäus spielt der Tourismus eine zentrale Rolle. Für Hotels, Ferienwohnungen und die gesamte Gastronomie führt daher die staatlich angeordnete Schließzeit zu einem unübersehbarer Schaden. Nicht wenige Existenzen sind gefährdet. „Urlaub in Deutschland“ wird aber in den kommenden Jahren vor allem auch im Allgäu zu steigenden Übernachtungszahlen führen.

Zurück zum Beginn Ihrer Amtszeit, die ja auch von einer Krise begleitet war – Stichwort Rinder-TBC. Diese – zugegebener Maßen kleinere „Seuche” – ist heute kein Grund mehr für Schlagzeilen, sondern gut gelöst worden? 
Anton Klotz: Ja, nach einem sehr mühsamen Prozess haben wir die Rinder-TBC in den Griff bekommen. Dennoch, wir müssen weiterhin wachsam bleiben und heute schon an eine weitere Untersuchungsreihe denken.

...und die Tierschutz-Skandale in der Region….? 
Anton Klotz: Tierschutz-Skandale sind sehr ärgerlich. Für mich bleibt es völlig unverständlich, dass es immer wieder einzelne Landwirte gibt, die absolut unverantwortlich mit ihrem Vieh umgehen. Eine Schande! Trotz konsequentem Einschreiten durch das Staatliche Veterinäramt am Landratsamt kann oft nur das Schlimmste verhindert werden.

Welche Themen lassen sich Ihrer Einschätzung nach unter der Rubrik „Erfolge” anführen? 
Anton Klotz: Erfolge? Ich denke, hier gibt es viele! In Stichworten: Bewältigung der Flüchtlingskrise, Bildungsregion, Ausbau der beruflichen Bildung, Wirtschaftsförderung, rund 100 Millionen Euro Investitionen in den Straßen- und Brückenbau, Ausbau der touristischen Infrastruktur, Projekte zur Förderung von Land- und Alpwirtschaft, Umweltmaßnahmen, Abbau der Verschuldung im Kreishaushalt von etwa 30 Millionen Euro fast 10 Millionen...

Stichwort ÖPNV. Nach Ihrer Steilvorlage mit dem 100-Euro-Ticket, die ja für einigen Wirbel sorgte: Wie kann, wie muss es weiter gehen? 
Anton Klotz: Meine Ideen für den ÖPNV und den Schienen-Personennahverkehr mit Regionalbahn, Wasserstoff-Technologie und 100-Euro-Ticket haben teilweise eine überragende Resonanz gefunden. Mit viel gutem Willen und der Bereitschaft, auch das notwendige Geld zur Verfügung zu stellen, wäre zusammen mit der Stadt Kempten bis zum Ende des Jahres 2020 die Einführung des 100-Euro-Tickets möglich gewesen. Die Corona-Krise wird aber leider die Finanzierung des Tickets auf unbestimmte Zeit verschieben...

Bringen Sie Ihr persönliches „Führungszeugnis” für die Jahre 2014 – 2020 mit wenigen Worten auf den Punkt. 
Anton Klotz: Ich will mir nicht anmaßen, ein persönliches Führungszeugnis auszustellen. Das überlasse ich den Bürgerinnen und Bürgern.

Welche Erfahrung, welches Erlebnis aus der Amtszeit als Landrat wollten Sie nicht missen? 
Anton Klotz: Die ungezählten Begegnungen und Gespräche mit Menschen unterschiedlicher Charaktere.

Und welche „Weisheit” geben Sie Ihrer Amtsnachfolgerin, der zukünftigen Landrätin, mit auf den Weg?
Anton Klotz: Nach der Corona-Krise wird nichts mehr so sein wie es einmal war. Trotz allem gilt auch in Zukunft: den Menschen zuhören, Aufgaben mit Respekt angehen und Entscheidungen mit Herz treffen. Ich wünsche meiner Nachfolgerin, dass ihr das alles gut gelingen mag. Herzlichen Dank – und alles Gute für Ihren Ruhestand!

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