Landrat drückt beim Hochwasserschutz weiter aufs Tempo

„Gas geben!“ lautet die Devise. Darin sind sich Burgbergs Bürgermeister Dieter Fischer (von links), Karl Schindele vom Wasserwirtschaftsamt Kempten, Landrat Gebhard Kaiser und Sonthofens Bürgermeister Hubert Buhl einig, als Franz Schöllhorn den Stand der Bauarbeiten an der Ostrach erläuterte. Fotos: Josef Gutsmiedl

Landrat Gebhard Kaiser drückt weiter aufs Tempo: Die Bauarbeiten für den Hochwasserschutz an der Ostrach sollen nicht erst im Jahr 2019 abgeschlossen sein, sondern schon 2016. Bei einer Baustellenbesichtigung informierten sich die Bürgermeister der Gemeinde Burgberg und der Stadt Sonthofen zusammen mit dem Landrat über den Stand der Baumaßnahmen.

„Gas geben!“ drängt Landrat Gebhard Kaiser und fordert den Chef des Wasserwirtschaftsamtes Kempten, Karl Schindele, auf, so frühzeitig wie möglich die nächsten Ausschreibungen für Bauarbeiten auf den Weg zu bringen: „Nicht, dass wir nicht bauen können, weil die Ausschreibung nicht sofort rausging.“ Schindele wiederum verweist auf den Ablauf: er könne Aufträge erst definitiv vergeben, wenn die erforderlichen Finanzmittel bereit stünden. Und da sei man auf die Freigabe durch den Haushaltsausschuss des Landtages angewiesen. „Wir liegen im Plan“, kontert Schindele den unterschwelligen Vorwurf des Landrats, man sei nicht am Ball. Ziel sei die frühestmögliche Fertigstellung, also „Variante 2“ mit Abschluss im Jahr 2016. Wenn Geld fließe, werde auch gebaut. Die aktuellen Arbeiten an der Ostrach laufen praktisch vor der Haustüre der Anwohner in der Burgbergstraße und „Am Ostrachdamm“ ab. Demnächst beginnt ein Spezialgerät mit dem Einrammen der Stahlspundwände in den ertüchtigten Deich. Dabei wird mittels eines Spiralbohrers der Untergrund bis in eine Tiefe von sechs bis acht Meter aufgebrochen, um anschließend die Spundwände einzurammen. Fingerspitzengefühl ist hier gefragt. Die Schwingungen, die im Erdreich auftreten, müssen so gesteuert werden, dass keine Schäden an den angrenzenden Gebäuden verursacht werden. Ein aufwändiges Beweissicherungsverfahren hat den Ist-Zustand der Häuser entlang des Dammes dokumentiert. „Damit wir sehen können, was war, was wird und ob wir eventuell Schäden verursacht haben“, erklärt Projektleiter Franz Schöllhorn vom Wasserwirtschaftsamt Kempten. Drei Proberammungen hätten gezeigt, dass die Spundwände „mit voller Kraft“ in den Boden gebracht werden können. „Es kommt modernstes Gerät zum Einsatz“, so Schöllhorn. „Wir arbeiten so schonend wie möglich, aber spüren wird man es in den benachbarten Häusern schon.“ Auf die Oberkante der Spundwand wird schließlich eine anderthalb Meter hohe Mauer gesetzt. Keine glatte, unfreundliche Betonmauer, wie Schöllhorn betont, sondern „eher eine strukturierte Gartenmauer“, alle 24 Meter unterbrochen von einem Pfahlelement. Heuer wurde bereits der Bauabschnitt von der Ostrachmündung bis zur B19-Brücke „bearbeitet“ und hochwasser-fit gemacht. „Wir arbeiten immer von unten flussaufwärts, um den Unterliegern keine Verschlechterungen zu schaffen“, erklärt Franz Schöllhorn. Die maroden Dämme wurden dabei auf den „technischen Stand der Zeit“ gebracht, die Einmündung in die Iller entschäft, damit Ostrachwasser gegebenenfalls schneller „eingeschleust“ wird und kein zusätzlicher Rückstaueffekt in einem der Flüsse eintritt. Im Zuge der Arbeiten wurde auch der Fußgängersteg über die Ostrach 300 Meter flussaufwärts versetzt und in diesem Sommer grundlegend saniert (der KREISBOTE berichtete). Mit dem Bauabschnitt im nächsten Jahr erreiche man an der Burgberger Brücke einen „dicken Brocken“, fährt Franz Schöllhorn fort. Hier müsse man nicht nur die Mündung der Starzlach neu anlegen, sondern 15 Gewerkequerungen ordnen, also diverse Leitungen, Kanäle und andere Ver- und Entsorgungseinrichtungen beachten. Im Jahr 2014 geht es auf Höhe der Grüntenkaserne weiter. Rund 1,5 Millionen Euro wurden heuer verbaut für den Hochwasserschutz an der Ostrach. Im kommenden Jahr sollen es mit fünf Millionen deutlich mehr sein, und im Jahr 2014 rechnet Karl Schindele mit rund sieben Millionen Euro. Mit im Boot bei der Finanzierung sind neben dem Freistaat Bayern auch die EU, der Landkreis Oberallgäu, die Stadt Sonthofen und Gemeinde Burgberg.

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