Landrat und Experten machen weiter Tempo beim Kampf gegen Rindertuberkulose

Das Allgäu soll schnell TBC-frei werden

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Veterinär Dr. Johann Mages (links) und Landrat Gebhard Kaiser erläuterten die aktuelle Lage bei der Bekämpfung der Rinder-TBC im Landkreis Oberallgäu.

Oberallgäu - Die Bekämpfung der Rinder-Tuberkulose wird im Landkreis Oberallgäu entschlossen fortgesetzt. Nach einem Expertengespräch in Sonthofen, an dem neben Fachleuten des Tierseuchenwesens auch Bayerns Gesundheitsminister, Dr. Marcel Huber, teilnahm, soll ein Vier-Säulen-Konzept den Feldzug gegen die Seuche unterstützen.

Bislang wurden im Landkreis und der Stadt Kempten 714 Rinderhaltende Betriebe untersucht. Positiv getestet wurden 354 Tiere in 146 Beständen. In den nächsten Wochen sollen vorrangig jene Betriebe untersucht werden, die Alpvieh auftreiben und jene, die im Sommer Rohmilchkäse herstellen. 

Der Oberallgäuer Landrat, Gebhard Kaiser, spricht von einem Etappenziel, das jetzt erreicht worden sei. Zum einen wurde bei dem Gespräch vereinbart, dass die Sperrzeit für positiv-getestete Betriebe auf acht Wochen verkürzt wird, falls keine neue Infektionen im Stall nachgewiesen werden. Zum anderen wird ein anderes Testverfahren eingesetzt, nachdem die bisherige Methode offenbar nicht die hinreichende Aussagekraft zeitigte. Eine parallele Untersuchungsreihe hatte auffällige Abweichungen ergeben und es kam der Verdacht auf, dass womöglich auch zahlreiche Rinder getötet wurden, die nicht zweifelsfrei mit der Rindertuberkulose infiziert waren. Der neue Test soll eine bessere Aussagekraft über eine erfolgte Infektion oder einen tatsächlichen Ausbruch der Krankheit bringen. 

Kaiser macht kein Hehl aus der Tragweite der im Oberallgäu auftretenden Rinderseuche: das Allgäu sei ein Milchland. Jetzt seien Vorsorgemaßnahmen geboten, damit nicht der Exportmarkt für Milch- und Molkereiprodukte der Region zusammenbreche. Ein massives Auftreten der Rinder-TBC könne sich die Region nicht leisten, betont Kaiser und wehrt die Bedenken ab, dass man wohl zuviel des Guten tue mit der Reihenuntersuchung. „Im Einzelfall mag es für einen Landwirt sehr hart sein, doch wir stehen in der Verantwortung und sind das der Sicherheit für die Verbraucher schuldig“, so Kaiser im Gespräch mit dem Kreisbote. Das Allgäu müsse schnellstmöglich TBC-frei werden. 

Nach dem Fachgespräch im Landratsamt wird ein Vier-Säulen-Konzept in Gang gesetzt, das bayernweit – ausgehend vom Vorgehen im Oberallgäu – die Rinderseuche eindämmen und bekämpfen soll. Neben der Säule 1 mit dem Untersuchungsprogramm im Landkreis, wird es eine bayernweite Untersuchung aller Rinder älter als 30 Monate geben. Zuvor soll mit der Säule 3 ein „Screening“ mit 1000 Rindern in ausgewählten Beständen durchgeführt werden mit Schwerpunkt in den Voralpen-Landkreisen in Südbayern. Dabei wird auch die Verbindung zum Rotwild beleuchtet. Mit Stufe 4 widmet sich das Konzept schließlich dem TBC-Monitoring entlang der Nordalpenkette. Am Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit wurde ein Expertenstab gebildet, der die TBC-Kampagne fachlich begleitet. 

Unabhängig von dem Konzept wird die Reihenuntersuchung im Oberallgäu fortgesetzt. Bislang sind fast 25000 Rinder in 714 Beständen untersucht worden (Stand: 4. März). Positiv getestet wurden 354 Tiere in 146 Betrieben. Mehr als 500 Höfe, also rund ein Viertel der rinderhaltenden Betriebe im Landkreis und der Stadt Kempten, sind anerkannt TBC-frei getestet. Landrat Kaiser verbucht dies als „großen Erfolg“. Es sei schon ein Unterschied, ob Stall für Stall 92000 Tiere untersucht würden, oder nur sporadisch kontrolliert werde. 

Eile geboten ist jedenfalls beim Alpvieh. Betriebe, die Tiere auf die Alpen schicken oder Milchkühe auf Sennalpen halten, die Rohmilch verarbeiten, sollen jetzt vorrangig in die Untersuchung einbezogen werden. Kaiser befürchtet einen massiven Eindruch bei den Beschlagszahlen der Oberallgäuer Alpen. 

Ab sofort wird auch die Praxis der Betriebssperre anders geregelt. Bislang war ein Betrieb zumindest 16 Wochen lang nach Entfernen der positiv-getesteten Tiere als Milchlieferant gesperrt, falls zwei weitere Untersuchungen im Abstand von je acht Wochen negativ verliefen. Nun gilt der Hof nach acht Wochen als anerkannt TBC-frei, wenn die erste Nachuntersuchung kein „Seuchengeschehen“ im Stall feststellt. Die während der Sperre gewonnene Milch wird separat erfasst und in einer schwäbischen Molkerei in der H-Milch-Produktion verarbeitet. Auf dem richtigen Weg sehen sich die Verantwortlichen im Landratsamt im Zusammenhang mit der Jagd und TBC-Erkrankungen von Rotwild. Mit einem Abschusssoll, das zu 100 Prozent und mehr erfüllt worden sei, zeigt sich der Landrat zufrieden, weist aber darauf hin, dass das neue Soll für das Jagdjahr 2013/14 wohl auf rund 2000 Stück festgesetzt werden wird. Im abgelaufenen Jagdjahr waren 1608 Hirsche erlegt worden. 

Ralph Eichbauer von der Unteren Jagdbehörde verweist auf einen offensichtlichen Zusammenhang mit dem vermehrten Auftreten der Rinder-TBC. Im benachbarten Lechtal in Tirol habe man mit einem Ausdünnen der Rotwildbestände einen Rückgang des Durchseuchungsgrades bei Hirschen nachgewiesen. Im Landkreis Oberallgäu seien 471 Rotwild-Proben untersucht worden, wovon 18 postitiv ausfielen (3,8 Prozent). In einigen „Problemgebieten bei Oberstdorf, so bemerkt Eichbauer, liege der Anteil der positiven Testergebnisse doppelt und dreifach so hoch.

Josef Gutsmiedl

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