Einser-Hirsche zweite Wahl

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Auffällige Lücken zeigten sich an den Wänden bei der jüngsten Trophäenschau im Kurhaus Fiskina in Fischen.

Fischen - Als eine Herausforderung, die nur durch gemeinsame Anstrengungen bewältigt werden kann, betrachten Kreisjagdverband Oberallgäu und der Oberallgäuer Landrat die aktuelle TBC-Problematik. 

Dabei dürfe nicht allein die Frage diskutiert werden, welche Tierart die andere angestecken haben könne, unterstrich Landrat Gebhard Kaiser bei der Herbst-Hegeschau in Fischen. Allerdings vermisst der Landrat „Aktivität“ was die Erfüllung des Abschusssolls angeht: vor allem in den Gebieten wo die meisten TBC-Fälle bei Rotwild festgestellt wurden, hinke der Abschuss weit hinterher, moniert Kaiser. 

Die Jäger kritisieren den großen Jagddruck, der letztlich alle Bemühungen zunichte machen könnte. Die Wände im Kurhaus Fiskina waren bei der Herbst-Hegeschau des KJV Oberallgäu auffällig „licht“ bestückt mit Trophäen. Das „Erntedankfest der Jäger“ sei von der Problematik der Rinder-Tuberkulose (TBC) überschattet, wie es der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes Oberallgäu, Heinrich Schwarz, formulierte. Deshalb habe man das Ende der Jagdzeit für die „kapitalen Hirsche“ der Klasse 1, mithin die attraktiven Trophäenträger in den Revieren, auf 3. Oktober vorverlegt. 

„Damit soll erreicht werden, dass noch während der Brunftzeit vor allem intensiv auf Kahlwild gejagt werden kann.“ So könnten die Abschussvorgaben erfüllt werden, die im Frühjahr einvernehmlich festgesetzt wurden. Bislang wurden knapp 30 Einser-Hirsche erlegt. Insgesamt kommt die Hochwild-Hegegemeinschaft bis zur diesjährigen Herbst-Trophäenschau auf gut ein Drittel des Abschusssolls, genau 35,1 Prozent. 

Von den 1688 Stück Rotwild, die bis zum Ende der Jagdsaison im Januar erbracht werden sollen, sind mithin knapp 600 erlegt. Allerdings hinken die Oberstdorfer Reviere, die von Kaiser monierten Schwerpunkte des Seuchengeschehens, mit 21 Prozent deutlich hinterher. „Wir Jäger wollen gemeinsam die Tuberkulose bewältigen und in Griff bekommen“, versicherte der Vorsitzende des Kreisjagdverbandes, Heinrich Schwarz, bei der Eröffnung der Trophäenschau in Fischen. Zudem werde jedes erlegte Stück Rotwild auf TBC beprobt und Schwarz ist optimistisch: Die relativ geringe Zahl der positiven Fälle beim Wild zeige, dass die TBC in den Beständen nicht so verbreitet sei wie befürchtet. Zudem scheine der Schuss nach hinten los zu gehen, fürchtet man beim Kreisjagdverband. 

Der „außerordentlich hohe Jagddruck“, der verlangt werde, führe zu ständiger Beunruhigung und mache die Jagd an sich schwieriger. „Das muss wieder besser werden“, verlangt Heinrich Schwarz. Überhaupt sei die vorliegende Schalenwildstudie „wenig geeignet“, meint Schwarz weiter und verlangt ein neues Jagdkonzept. Als fatal habe es sich erwiesen, Fütterungen aufzulösen. „Wir müssen dem Rotwild den Raum geben, den es braucht und verdient“, fordert Schwarz und hofft auf die Unterstützung aus der Bevölkerung, die „sich dafür einsetzen“ solle. Der KJV stehe für Wald mit Wild, schließt Schwarz. „Wer Rotwild hinter dem Zaun sehen will, soll in den Zoo gehen!“ Überhaupt hege er den Verdacht, dass „die ganze TBC-Problematik“ aufgebauscht worden sei. 

Auf einem guten Weg sieht dagegen Landrat Gebhard Kaiser die Entwicklung im südlichen Landkreis, speziell im Gebiet der Hochwild-Hegegemeinschaft (HHG) Sonthofen. Gerade in den zurückliegenden Monaten habe er ein „gutes Miteinander“ feststellen können. Die Abschussplanung sei unter dem Zeichen „einer zwingend notwendigen Reduzierung der Rotwildbestände“ vor allem in Teilbereichen der HHG Sonthofen gemeinsam beschlossen worden. Diesem ersten Schritt müsse jetzt die Umsetzung folgen und er erwarte „besondere Aktivitäten“. Kaiser verweist dabei auf die „Hotspots“ bei Oberstdorf, bei denen im letzten Jagdjahr auffällig viele positive TBC-Befunde beobachtet wurden. Hier hinke der Abschuss „extrem weit hinterher“. 

Die umstrittenen „Vorgatter“ (wir berichteten) seien ebenfalls einvernehmlich errichtet worden. Kaiser sieht diese Möglichkeit einer effektiven Jagd „als letzte Vorsichtsmaßnahme wenn die Zahlen nicht erreicht worden sind“. Man müsse handeln können, wenn andere Maßnahmen nicht greifen. Auch hier habe „große Einigkeit“ bestanden. Generell verbittet sich der Landrat „Einmischung von außen“, sprich : den Bayerischen Landesjagdverband. Dessen Präsident hatte im Zusammenhang mit den beiden bei Oberstdorf eingerichteten Wildfanggattern von einer „Tötungsmaschinerie“ gesprochen und von einem Gemetzel bei dem „zehn Tier pro Minute“ erlegt würden. „Diese Polemik brauchen wir nicht. Wir haben vor Ort jagdliche Profis, die ihr Handwerk verstehen“, stellt Kaiser klar. Er lobt zudem das Engagement der Jägerschaft bei der Beprobung von Wild. 123 Jägerinnen und Jäger hatten sich an einer entsprechenden Schulung zur Probenahme beteiligt. Er hoffe, dass man Ende des Jahres sagen könne, dass TBC beim Wild vor geringer Bedeutung sei. Die Fortführung der Beprobung sei man der Land- und Alpwirtschaft im Allgäu schuldig. „Aussitzen können wir das nicht.“ 

Vor einer „Mammutaufgabe“ sieht der Vorsitzende der Hochwild-Hegegemeinschaft Sonthofen, Erich Erbgraf von Waldburg-Zeil, die Jägerschaft. „Wir haben kein schönes Jahr hinter und, sondern ein schwieriges Restjahr vor uns.“ Der aktuelle Jagddruck mach es nicht einfacher, aber „unser Wille ist da“, so der Erbgraf. Und die „Erfolge“ der Rotwildbeprobung müsse man vorsichtig einschätzen: wo sehr viel beprobt werde, komme unweigerlich auch eine entsprechen hohe Trefferquote zustande. Die TBC sei daher wohl kein reines Oberallgäuer Problem, argwöhnt Waldburg Zeil und forderte die Unterstützung der regionalen Abgeordneten. Zwar sei das Oberallgäu in dieser Hinsicht „ein Problemgebiet“ räumt er ein und betont: „Wir wollen alle raus aus dem Schlammassel!“ 

Auch die Schlüsse zum Thema Waldverjüngung, die Dr. Ulrich Sauter, Bereichsleiter Forsten am Landwirtschaftsamt Kempten, zuvor gezogen hatte, ließ Waldburg-Zeil so nicht stehen. Das Prinzip der Naturverjüngung und Nachhaltigkeit sei keine Erfindung der modernen Forstwirtschaft, sondern vielmehr eine „alte Weisheit“ und ein betriebswirtschaftlicher Grundsatz, die von der Jagd längst praktiziert würden. Sauter hatte die Jagd mit in der Verantwortung gesehen, „dafür zu sorgen, dass die Weißtanne als Ersatz für die Fichte aufkommt“. So schlecht könne es um den Wald im Allgäu gar nicht stehen, wenn rund 34 Prozent der Fläche bewaldet seien, schloss der Vorsitzende der HHG.

Josef Gutsmiedl

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