Reine Weste – reines Wasser

Zahlen, Fakten und Daten zur Wasserqualität im Oberallgäu

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Reines Wasser aus dem Oberallgäu gab es bei der Vorstellung des neuen Flyers mit (von links) Andreas Hummel vom BBV, Landwirt Matthias Vögel, Zeichner Wolfgang Steinmeyer, Kreisbäuerin Monika Mayer, Markus Spetlak von der Fernwasserversorgung, dem Kemptener Stadtrat Richard Hiepp und Landrat Anton Klotz.

Trinkwasser, genauer gesagt: dessen Nitratbelastung, gerät immer wieder in die Schlagzeilen. Zuletzt im vergangenen Jahr, als gerade die Landwirtschaft in Verdacht geriet, durch einen hohen Viehbestand und in der Folge intensive Düngung zur Nitratbelastung des Grundwassers entscheidend beizutragen.

Beim Oberallgäuer Bauernverband BBV läuteten die Alarmglocken. Jetzt wurde eine Aufklärungskampagne gestartet. Unter dem Motto „Wir schenken reines Wasser ein“ informieren Landwirtschaft und die Fernwasserversorgung Oberes Allgäu FWOA über die hohe Qualität des regionalen Trinkwassers und was dafür getan wird, dass diese Qualität erhalten bleibt.

Angelehnt an die Redensart „reinen Wein einschenken“ wollen Bauernverband und die Fernwasserversorgung Oberes Allgäu mit dem neuen Info-Flyer „reines Wasser einschenken“. Die Oberallgäuer Kreisbäuerin Monika Mayer: „Wir haben nichts zu verbergen.“ Allzu häufig und schnell werde die Landwirtschaft als Angeklagter präsentiert, wenn von einer schlechten Trinkwasserqualität die Rede sei. Diese pauschale Verurteilung schmerze sie sehr. Dabei sei es gerade die bäuerliche Landwirtschaft im Allgäu, die Grünlandwirtschaft, die sich als hervorragender Schutz für die Grundwasserspeicher erweise durch die Filterfunktion des Bodens.

Geschäftsleiter Markus Spetlak vom Zweckverband Fernwasserversorgung Oberes Allgäu kann dies nur bestätigen: „Wir brauchen die Landwirtschaft für den aktiven Grundwasserschutz .“ Im Oberen Illertal habe man „besten Voraussetzungen“ Dank einer sehr guten Deckschicht und deren enormen Filterwirkung. Eine ganzjährige Bodenbedeckung sei mit der Schlüssel für optimalen Grundwasserschutz. In die Hände spiele der Wassergüte zudem, dass aus großer Tiefe gefördert werden könne.

Mit dem Wert von 2,6 Milligramm / Liter liegt Nitratbelastung der Fernwasserversorgung Oberes Allgäu 19-fach unter dem amtlichen Grenz­wert von 50 Milligramm pro Liter. Und die geringe Menge von 2,6 Milligramm sei ohnehin als natürliche „Belastung“ anzusehen, so Spetlak. „Wir können mit Fug und recht behaupten, dass wir eine Top-Trinkwasserqualität haben!“

„Die besten Flächen, die wir für eine hohe Schutzwirkung benötigen, sind eben auch sehr gute landwirtschaftliche Nutzflächen“, erläutert Markus Spetlak weiter und lenkt den Blick auf die wichtigen Partner beim Trinkwasserschutz: die Bauern.

Bei dieser Partnerschaft werde durchaus mal „hart verhandelt“, erinnert sich Landwirt Matthias Vögel aus Sonthofen-Beilenberg Ein Teil seiner besten Flächen liegt in der Wasserschutzzone 2, in der besondere Auflagen zur Bewirtschaftung gelten. Dafür zahlt der Zweckverband eine Ausgleichszahlung. „Wir haben lange verhandelt und das Beste für die Landwirtschaft herausgeholt.“ Letztendlich sei das Wasser so hervorragend, weil Generationen von Landwirten gewissenhaft und nachhaltig mit Grund und Boden umgegangen seien. „Das ist auch das große Glück für die Fernwasserversorgung. Und das wissen sie auch“, zeigt sich Vögel zufrieden mit der getroffenen Vereinbarung. Unterm Strich, so ergänzt Spetlak, belaufe sich die Ausgleichszahlung auf rund einen Cent pro Kubikmeter Trinkwasser.

Rund 600 Euro pro Hektar beträgt Landrat Anton Klotz zufolge die Entschädigung für die Landwirte, deren Flächen in der engeren Schutzzone 2 um eine Pumpstation liegen. Dafür seien Weidegang für Vieh und Düngereinsatz Tabu.

Die Fernwasserversorgung Oberes Allgäu ist das größte Wasserversorgungsunternehmen im Landkreis und Lieferant für rund 200 000 Einwohner in mehr als 20 Gemeinden in den Landkreisen Oberallgäu und Lindau sowie der Stadt Kempten. Die FWOA fördert ihr Trinkwasser aus einem ergiebigen Grundwasservorkommen im südlichen Landkreis mit Brunnen bei Altstädten und Ortwang. Der Bedarf steige spürbar, so Markus Spetlak. Derzeit liefert die Wasserversorgung rund 20 000 Kubikmeter Trinkwasser täglich an ihre Mitglieder. Oder 7 Millionen Kubikmeter pro Jahr.

Rund 1500 kleinere Wasserversorgungen gibt es im Landkreis; einige decken nur den Bedarf einzelner Weiler. Und einige Kommunen im nördlichen Landkreis sind „Selbstversorger“. Einen Anschlusszwang gebe es nicht, sagt Landrat Klotz. Nur wenn die kommunale Versorgung nicht ausreichend ist oder nicht weiter betrieben werden kann, biete die Fernwasserversorgung den Anschluss an. Mit humorvollen Illustrationen bereicherte der Zeichner Wolfgang Steinmeyer aus Waltenhofen den neuen Trinkwasser-Flyer, der jetzt über die Gemeindeverwaltungen und bei Aktionen des BBV verteilt wird.

Josef Gutsmiedl

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