Alpwirtschaft muss sein

+
Älplerfamilie Brigitte (2. v.li) und Sebastian Wölfe (rechts) mit ihren Kindern freuten sich gemeinsam mit AVA Vorstand Franz Hage (links) über den Besuch von Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber (Mitte) und ihres Landtagskollegen Eric Beißwenger.

Bayerns Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber traf sich kürzlich mit Vertretern des Alpwirtschaftlichen Vereins Allgäu (AVA), der Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Bergbauern und des Amts für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Kempten zu einem Austausch über die Probleme der Älpler.

Im Fokus des Gesprächs standen nicht nur die Leistungen der rund 700 Allgäuer Alp­betriebe für den Naturschutz und den Tourismus im Alpenraum, sondern auch die aktuellen Sorgen der Bergbauern, etwa der „Umgang“ mit dem Wolf oder die neue Düngeverordnung.

Ein offenes Ohr hatte Landwirtschaftsministerin Michaela Kaniber beim Reizthema Wolf und sicherte hier die Unterstützung der Staatsregierung zu. Die Einigung zum „Bayerischen „Aktionsplan Wolf“ war eine der ersten Amtshandlungen des neuen Kabinetts, schließlich brauche es klare Vorgaben, wenn der Wolf Einzug hält. „Da wollen wir in Bayern nicht einfach zuschauen“, so Kaniber.

Das Anwachsen der Wolfspopulationen in Deutschland gehe rasend schnell von statten, und der Zustand der Rudel werde immer besser, berichtete Umweltminister Marcel Huber. Es werde eine Weideschutzkommission eingerichtet, paritätisch besetzt aus beiden Ressorts, kündigte Kaniber an. Ziel sei es außerdem, dass die Kommission gemeinsam mit den Weidehaltern und zuständigen Behörden die zu schützenden Gebiete großräumig definiert, „es kann nicht sein, dass bei gleichen Bedingungen eine Alpe dabei ist und die andere nicht“.

In diesen Räumen müsse die Entnahme , sprich ein Abschuss, möglich sein, sobald ein Wolf auffällig werde. Insgesamt gehe es darum, die Weidewirtschaft in Bayern zu erhalten, die Almen und Alpen im Alpenraum hätten dabei für Bayern einen besonderen Stellenwert. In der europäischen Gesamtschau sei der Artenschutz für den Wolf im Übrigen neu zu bewerten. Ein europaweites Monitoring müsse dies anerkennen.

Positive Signale gibt es auch beim Bergbauernprogramm: „Hier möchten wir zusätzlich Geld in die Hand nehmen“, so die Staatsministerin. „Für den nächsten Doppelhaushalt 2019/2020 haben wir zusätzlich eine Million Euro beantragt.“ Man sei sich absolut bewusst, dass hier die Unterstützung für die Alpwirtschaft gegeben sein muss. Eine Anhebung der Fördergrenzen ab 2021 werde angestrebt; auch würde dann versucht das Räumen von Murenschäden nach tatsächlichen Kosten zu fördern. Hier hätten andere Staatsministerien allerdings ein Mitspracherecht.

Sorgen und Nöte bereitet den Bergbauern die neue Düngeverordnung (DüV). Mit großem Verständnis reagierte die Landwirtschaftsministerin auf die ihr vorgetragene schlechte Stimmung unter den Landwirten. Gerade für das Berggebiet seien die bis zum Jahr 2025 umzusetzenden Technik-Auflagen zur Minderung der Ammoniakverluste sehr problematisch. Die Ministerin betonte die Notwendigkeit praxisgerechter Umsetzungen. Für Bayern konnten bereits einige Erleichterungen in der Umsetzung der DüngeVO erreicht werden, zum Beispiel bei der Aufzeichnungspflicht für Betriebe bis 30 Hektar Größe. „Dies dürfte für das südliche Oberallgäu schon eine erhebliche Erleichterung darstellen“, so die Minsiterin.

Die Ministerin musste sich auch die Anliegen der Älpler in Bezug auf den Radlerverkehr anhören. Die Vertreter der Alpwirtschaft forderten erneut wirksame Konzepte der Verkehrslenkung im Alpgebiet und eine Klärung der Haftungsfragen, sollte es zu einem Fahrradunfall komme.

Weitere Diskussionspunkte waren die Weiterentwicklung der Gemeinsamen EU-Agrarpolitik, der Alpwegebau und Fördermöglichkeiten für Marketingmaßnahmen rund um den Allgäuer Sennalpkäse.

Auch interessant

Meistgelesen

Bezirkstagswahl: Ergebnisse aus dem Stimmkreis Lindau-Sonthofen
Bezirkstagswahl: Ergebnisse aus dem Stimmkreis Lindau-Sonthofen
Oberallgäu wählt im Bayerntrend
Oberallgäu wählt im Bayerntrend
Wildunfälle vermeiden
Wildunfälle vermeiden
Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu

Kommentare