Vom Leben auf dem Dorf

Mit der Sonderausstellung „Vom Leben auf dem Dorf“ eröffnet das Allgäuer Bergbauernmuseum in Immenstadt-Diepolz die neue Saison. Geschichten und Geschichte aus Diepolz, Freundpolz, Knottenried und Reute stehen im Mittelpunkt und skizzierten das Leben früherer Generationen auf dem Dorf und die Geschichte der Dörfer in der Bergstätte.

Die Sonderausstellung versteht sich nicht zuletzt aus Ergänzung der Veranstaltungen zum Jubiläum „650 Jahre Immenstadt“. „Wir gratulieren damit der Stadt“, sagt Christine Ritter, die Erste Vorsitzende des Museumsvereins. Sie erinnerte in der Ausstellungseröffnung daran, dass Diepolz, der Standort des Allgäuer Bergbauernmuseums, erst im Jahr 1972 im Zuge der Gebietsreform in Bayern zur Stadt kam - zusammen mit weiteren bislang eigenständigen Bergstätt-Gemeinden. „Das brauchte viel Überzeugungsarbeit.“ Die Ausstellung „Vom Leben auf dem Dorf“ steht beispielhaft für die Darstellung des dörflichen Lebens früherer Generationen. Und sie stammt quasi „aus erster Hand“: Mit Catrin Weh war es eine gebürtige „Reutlingerin“ - also aus dem kleinen Ort Reute in der Bergstätte - die die Idee hatte und maßgeblich Regie führte bei der Ausstellungsarbeit. Die Kulturwirtschafterin ist seit einem Jahr auch Mitarbeiterin im Bergbauernmuseum. „Die Idee stieß bei den Menschen hier auf großes Interesse“, berichtet Catrin Weh vom Beginn der Arbeit. Später sei sie „auf vielen Dachböden herumgeklettert“ auf der Suche nach Dokumenten und anderen Zeitzeugnissen. Tatsächlich stieß Catrin Weh auf „viele Schätze“, wie etwa einen alten Bass der Musikkapelle oder die Spritze der Feuerwehr und auf Schulbänke, die sie vor 30 Jahren selbst drückte... „Die Ausstellung wird Erinnerungen bei den Älteren wecken, und Erstaunen bei den Jüngeren“, meint Immenstadts Dritter Bürgermeister Werner Oppold. Das tägliche Leben funktionierte offenbar ohne die vielen technischen Hilfen wie wir sie heute kennen, erinnert sich Oppold an die eigene Kindheit auf einem Dorf. Die Geschichten, die die Ausstellungskuratoren Catrin Weh und Michael Klammsteiner zutage förderten berichten von Festen genauso wie von harter Arbeit, vom bescheidenen Spaß im Badeweiher oder wie von Kriegszeiten, die auch an den kleinen Ortschaften nie spurlos vorbeigingen. Heute fast amüsant der Kampf um den Pfarrer, der fast 150 Jahre die Dörfer Knottenried und Diepolz beschäftigte. Der Pfarrer „residierte“ nämlich in Knottenried und maß der Kirche in Diepolz offenbar nicht sonderlich viel Aufmerksamkeit bei. Die unzufriedenen Diepolzer allerdings kämpften lange Jahre um „ihren“ Pfarrer, bis 1807 schließlich Diepolz wieder eigenständige Pfarrstelle wurde und der Geistliche mit Böllerschüssen in das höher gelegene Diepolz geleitet wurde. Ein Streit, der noch lange wie ein „Graben“ zwischen den Ortschaften liegen sollte. Dorfleben war - nicht nur in der Bergstätte - ein Vereinsleben. Feuerwehr, Musikkapelle, Sportverein brachten die Menschen zusammen. Oder die Arbeit: Frondienste verpflichtete die Bauern zu Arbeiten wie Wegeunterhalt oder Schneeräumen. Die „öffentliche Hand“ war damals schlicht das Dorf als Gemeinschaft. Erlebbar wird Geschichte auch mit der „Hörstation“ an der Zeitzeugen zu Wort kommen. Kinder können ein Modelldorf bauen und feststellen, was man „alles auf dem Dorf so braucht“, damit es eine runde Sache ergibt. Die Ausstellung „Vom Leben auf dem Dorf“ im Bergbauernmuseum ist bis 31. Juli täglich zwischen 10 und 18 Uhr zugänglich; Telefon 08320 / 709670 und unter www.bergbauernmuseum.de.

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