Die Leiterin der Johannis-Kindertagesstätte, Hannelore Wersing, geht in den Ruhestand

45 Jahre ein Herz für Kinder

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Mitte Juli macht die Leiterin der Sonthofer Johannes Kindertagesstätte, Hannelore Wersig, die Türe an der Berghofer Straße hinter sich zu und geht in den Ruhestand.

Sonthofen – Am 13. Juli wird die Leiterin der Sonthofer JohannisKindertagesstätte, Hannelore Wersig, in den Ruhestand verabschiedet. Vor 45 Jahren hatte sie ihren Beruf und ihre Berufung als Erzieherin gefunden. „Ich habe einfach ein Herz für Kinder“, erzählt sie.

Ihre Laufbahn begann mit einem Berufspraktikum im Woringer Kindergarten. „Anders als heutzutage, war ich damals als Berufspraktikantin ganz allein für eine Gruppe verantwortlich. Eine Gruppe am Vormittag, eine andere am Nachmittag.“

Die Notker-Schule in Memmingen, eine heilpädagogische Einrichtung für Kinder mit geistiger Behinderung war ihre zweite Station. „Ich habe dort eine ganz neue Erziehungsarbeit kennen- und schätzen gelernt. Eine Erziehung mit viel kleineren Zielen, dafür aber mit viel mehr Freude.“

Ihre dritte und längste Station war die Kindertagesstätte in Herbishofen. Dort übernahm sie 1992 die Leitung der evangelischen Kindertagesstätte mit zunächst zwei Gruppen. 28 Jahre leitete sie diese Einrichtung.

Doch vor fünf Jahren, den Ruhestand schon vor Augen, „bizzelte“ es sie doch noch. „Ich wollte nochmal was Neues wagen“, erzählte sie und bewarb sich für die Leitung der Sonthofer Johannis-Kindertagesstätte. Es war eine große Herausforderung mit fünf Kindergartengruppen und zwei Kinderkrippen. Das bedeutete viele Kinder und viel Personal. Hinzu kam noch multikulturelle und inklusive Erziehungsarbeit. In ihrer Erziehungstätigkeit lag ihr stets am Herzen, dass sich Kinder und Eltern gleichermaßen bei ihr und ihrem Team wohlfühlen und ihnen vertrauen.

Im Rückblick auf ihr Berufsleben, sieht Hannelore Wersig viele Veränderungen: „Es gibt immer mehr Familien, in denen beide Elternteile berufstätig sind. Damit hat die Kinderbetreuung von der Krippe über Kindergarten bis hin zu Schulkindbetreuung zugenommen.“

Auch im Hinblick auf die frühkindliche Bildung hat sich der Schwerpunkt verlagert. „Stärker als früher steht die individuelle Förderung von Kindern im Fokus. Die Partizipation der Kinder im Kindergartenalltag ist ein wichtiger Baustein geworden. So orientiert sich die Auswahl von Themen stark an den Interessen und der Mitarbeit der Kinder. Die Mitgestaltung durch Kinder und eine gruppenübergreifende Zusammenarbeit ist pädagogisch äußerst wertvoll.“ Aus diesem Grund dürfen in der Johannis-Kindertagesstätte die Kinder auch andere Gruppen besuchen und dort mitmachen. Im Rahmen von Projekten haben sie freie Themen- und Raumwahl. „Sie können tun und lernen, was ihnen Spaß macht!“

Die Integration von Kindern mit Migrationshintergrund war für Hannelore Wersig eine große Herausforderung. Christina Gozebina ist Sprachfachkraft, der Sprachwissenschaftlerin (M.A.). Dank ihrem Fachwissen hätten sie diese Herausforderung sehr gut gemeistert. „Wir haben mit den Kindern mittels Bildern kommuniziert. So haben die Kinder zuerst unsere Sprache verstanden und erst danach gesprochen. Die Kinder wurden dadurch gut auf die Schule vorbereitet.“

Vor der Kita stand der Regenbogenbaum, an welchem die Kinder bemalte Steine niederlegen konnten.

Momentan stellt die Corona-Krise auch die Arbeit in der Kindertagesstätte vor neue Herausforderungen. Die Leiterin beschreibt die Krise als ein äußerst einschneidendes Erlebnis. „Plötzlich waren keine Kinder mehr da. Es gab nur noch eine Notgruppe mit fünf Kindern. Eine Kita ohne Kids! Das ist unglaublich!“, dachte sie. Um mit den Eltern und Kindern in Kontakt zu bleiben, musste Hannelore Wersig gemeinsam mit ihrem Team neue Wege finden: telefonisch, via Internet und per Brief. Die Kinder erhielten Beschäftigungsangebote. Den Vorschulkindern wurden Aufgaben für Homeschooling zugesandt. Vor dem Kita-Eingang errichteten sie einen Regenbogenbaum, an welchem Kinder und Eltern bemalte Steine mit ihren Wünschen, Sorgen und Hoffnungen niederlegen konnten. An Ostern war das Team als Osterhase unterwegs, um allen Kindern ein „Osternestle“ vor die Tür zu legen. Auch am Geburtstag brachten sie den Kindern kleine Geschenke. „Die Kinder haben sich sehr darüber gefreut und die Eltern noch mehr.“ Trotz der verordneten Corona-Distanz sei die Beziehung zu den Kindern und Eltern noch nie so eng und intensiv gewesen.

Hannelore Wersig bedankt sich bei ihren Mitarbeiterinnen „für ein offenes und wertschätzendes Miteinander als Team. Der evangelischen Kirchengemeinde als Träger der Johannis-Kita danke ich für die vertrauensvolle und erfolgreiche Zusammenarbeit und wünsche ihr eine gute Zukunft in hoffentlich bald neuen Räumen.“ Für ihren neuen Lebensabschnitt wünscht sie sich viel Zeit mit ihren Enkelkindern!

Von HANS EHRENFELD

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