Nordische Ski-WM soll "ein sichtbares, grünes Erbe" hinterlassen

+
Auch der öffentliche Personennahverkehr ÖPNV im Allgäu soll von der Nordischen Ski-WM 2021 auf lange Sicht profitieren.

Groß geschrieben werden soll den Verantwortlichen zufolge alles, was bei der bevorstehenden Nordischen Ski-WM 2021 in Oberstdorf nach Nachhaltigkeit „riecht“. Inzwischen wurde ein eigener Ausschuss „Umwelt und Nachhaltigkeit“ gebildet.

Das Gremium aus Beteiligten und Experten hat bereits unter Führung von Prof. Dr. Ralf Roth von der Sporthochschule Köln sieben Leitlinien entwickelt. Roth stellte das Konzept jetzt dem Oberallgäuer Kreistag vor – und erntete Lob und Kritik.

„Das Konzept geht weit über die jetzt anstehenden Baumaßnahmen im Zusammenhang mit der WM 2021 hinaus“, schickte Prof. Dr. Ralf Roth seinen Erläuterungen voraus. Die sieben Leitlinien sollen Planungsprozesse und Baumaßnahmen begleiten und die Weichen für mögliche Folgenutzungen der Infrastruktur stellen. Effekte der WM, die seitens des Kreistages in der Vergangenheit mehrfach eingefordert worden waren.

Basis soll ein „fortlaufender, offener und dialogorientierter Prozess“ sein, der als Leitlinie 1 betitelt ist mit „Faktenklarheit, Partizipation und Transparenz“. Dabei gelte es Vertrauen und Akzeptanz zu stärken und alle Maßnahmen mit den Grundeigentümern, Landwirten und dem Naturschutz einvernehmlich abzustimmen. Nichts soll „über die Köpfe hinweg“ ablaufen, so der Grundsatz.

Dass es Baumaßnahmen und Anpassungen der bestehenden Anlagen geben werde, sei unbestritten, so Roth weiter. „Ziel dabei ist es, eine dauerhafte Sicherung und ganzjährige Nutzung anzusteuern“, beschreibt er die zweite Leitlinie. Positive Impulse aus der Infrastruktur sollen möglichst vielen Menschen der Region Zugang zu Sport und Bewegung ermöglichen. Eine langfristige Nutzung für Tourismus und Sport sei das Ziel, betont Roth. „Synergien auch für den Breitensport.“ Das bedeute andererseits, dass Anlagen, die nach der WM keine plausible Nutzung finden, zurückgebaut werden.

Leitlinie 3 widmet sich dem heißen Eisen „Umwelt-, Klima-Ressourcenschutz“ – „ein spannendes Thema“, meint Ralf Roth. An der Produktion von technischem Schnee werde auch angesichts der Forderungen der internationalen Verbände kein Weg vorbei führen. Das Konzept müsse jedoch eine möglichst umweltschonende Verwendung von Energie und Wasser vorsehen. Der aktuelle Anteil an regenerativen Energien „ist bis zur Durchführung der WM maßgablich zu steigern“, fordert die Leitlinie. Gesetzliche Auflagen des Natur- und Umweltschutzes seien „vorbildlich einzuhalten“. Roth postulierte die Steilvorlage: „Ziel ist es, ein sichtbares grünes Erbe zu hinterlassen!“

Nicht minder wirksam in puncto Nachhaltigkeit soll Leitlinie 4 greifen, bei der es um die „Weltmeisterschaft der kurzen, barrierearmen Wege“ geht. Möglichst viel Verkehr soll auf Schiene, den ÖPNV in der Region, verlagert werden. Nicht zuletzt durch „Verbesserung der Anreizsysteme“ will man möglichst viele Menschen dazu bewegen, auf das Auto zu verzichten – auch über die WM hinaus. Roth weiß: „Das muss regional und langfristig bedacht werden.“

Punkt 5 der Strategie will die Qualitäten Oberstdorfs als Top-Adresse für den Breiten- und Gesundheitssport stärken. Von der „Bühne der WM“ sollen Ort und Region weltweit profitieren, erhofft sich Roth und der Ausschuss auf einen „Schub aus der WM“.

Besonderes Augenmerk gilt dem Langlaufzentrum Ried. Hier wird es keine Neuerschließungen im Naturschutzgebiet geben. Neue Sportanlagen sollen Aspekte von Sport, Tourismus und Landschaftschutz unter einen Hut bringen. Leitlinie 7 schließlich bringt zum Ausdruck, dass „die Grundzüge der Nachhaltigkeitsstrategie verbindlicher Bestandteil der Planungs- und Umsetzungsmaßnahmen sein werden. „Eine große Chance zu zeigen, dass die Umsetzung der Umweltstandards möglich ist“, fasst Ralf Roth das Konzept zusammen. „Alle müssen es wollen und an einem Strang ziehen.“

Einhellig war der Applaus im Kreistag denoch nicht. Ulli Leiner (Grüne) monierte, dass Oberstdorf und der Landkreis als Veranstalter keinerlei Handhabe bei den Vermarktungsrechten habe. So werde es wohl kein Allgäuer Bier geben bei der WM in Oberstdorf. Und beim Verkehr müsse die Region „was Nachhaltiges schaffen“. Leiner: „Das ist von entscheidender Bedeutung für den ökologischen Fußabdruck der WM!“ Jede Investition in die WM müsse auf Dauer erwirtschaftet werden, betonte Leiner weiter. „Auch nach der WM.“ Das vorgestellte Konzept müsse in seiner Verbindlichkeit gesichert werden. Auch sein Fraktionskollege Thomas Frey forderte ein Monitoring der Umsetzung. Beide vermissten zudem, dass kein Naturschutzverband in dem Ausschuss vertreten sei.

Optimistisch, dass die Leitlinien in die richtige Richtung führen, zeigte sich Manfred Baldauf (CSU). In gewisser Weise seien die Investitionen in die WM-Infrastruktur auch Investitionen in die Zukunft. „Auch der Sport entwickelt sich. Was in 20 und 30 Jahren ist, wird man sehen.“

„Sehr, sehr ernst“ nehme man das Verkehrskonzept, betonte Landrat Anton Klotz. Demnächst stünden bereits Gespräch mit der Bayerischen Eisenbahn-Gesellschaft an, um frühzeitig konkrete Vorstellungen zu formulieren.

Josef Gutsmiedl

Auch interessant

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
420 Jobs in Gefahr: Beschäftigte von Voith Turbo Systems Sonthofen demonstrieren gegen Werksschließung
420 Jobs in Gefahr: Beschäftigte von Voith Turbo Systems Sonthofen demonstrieren gegen Werksschließung
Einbruch in Firma in Sigishofen
Einbruch in Firma in Sigishofen
Einbrecher im Sonthofer Jugendhaus
Einbrecher im Sonthofer Jugendhaus

Kommentare