Weltmeisterliches Training

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Das Team Germany umfasst rund 100 Personen. Darunter sind die 39 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die in 34 Skills-Disziplinen antreten.

Sowohl bei Michael Martin in Burgberg im Allgäu als auch 150 Kilometer weiter nördlich in Dinkelscherben bei Florian Langenmair herrschen beste Bedingungen.

Professionelle Handmaschinen, erstklassiges Werkzeug, ausgesuchte Materialien und ein gut sortierter Arbeitsbereich bieten alle Voraussetzungen, damit Florian Meigel und Johannes Bänsch mit Hochdruck an ihrer besten Performance für die Berufsweltmeisterschaften vom 22. bis 27. August im russischen Kasan feilen können – den „WorldSkills 2019“. Zur WM gemeldet sind über 1 350 junge Fachkräfte aus über 60 Ländern in insgesamt 56 Disziplinen.

Das Spezialtraining erstreckt sich über mehrere Monate und verlangt von den beiden jungen Gesellen höchste Konzentration. Mit viel Herzblut und großer Leidenschaft für den Beruf sowie dem Talent handwerkliche Ausnahmekönner ausgestattet, müssen sie zahlreiche komplexe Arbeitsschritte trainieren, die spezifischen Abläufe verinnerlichen sowie präziser und schneller werden, um sich für diese praktische wie mentale Prüfung zu wappnen.

Auch wenn die deutschen Teilnehmer des Tischler- und Schreinerhandwerks während ihrer dreijährigen Ausbildung ein solides fachliches Fundament gelegt haben, finden viele der traditionellen handwerklichen Techniken, die bei den WorldSkills gefragt sind, im betrieblichen Alltag kaum noch Anwendung. In der Vorbereitung geht damit vor allem darum, diese Fertigkeiten gesondert zu trainieren und zu vertiefen.

Ohne Engagement geht nichts

In anderen Ländern, in denen es das duale Ausbildungssystem nicht gibt, das viele der anspruchsvollen fachlichen Grundlagen garantiert, greifen die Nationalteams dagegen auf radikalere Strategien zurück. Dort werden die Teilnehmenden in staatlich geförderten „Kaderschmieden“ und parallel zur zentralisierten Ausbildung teils über Jahre vorbereitet. „Rein aus Wettbewerbssicht ist diese Form der Vorbereitung sogar von Vorteil“, findet Bundestrainer Michael Martin. „Denn auf diese Weise können Prüfungsarbeiten aus vergangenen Wettbewerben schon früh trainiert und immer wieder neu gebaut werden“ – und das bringe ein großes Plus an Routine mit sich. In Deutschland, wo die fachliche Qualifikation innerhalb der dreijährigen betrieblichen Ausbildung erfolgt, sowohl Teilnehmer als auch Bundestrainer voll berufstätig sind und die Kosten zu einem überwiegenden Teil von Verbänden und deren Partnern also privatwirtschaftlich getragen werden, finden sich andere Wege, um dennoch im Spitzenfeld der internationalen Konkurrenz mitzumischen.

„Ohne die absolute Einsatzbereitschaft aller Beteiligten könnten wir das nötige Wettkampfniveau niemals erreichen, mit dem bei etwas Glück am Ende alles möglich ist“, bestätigt Bundestrainer Florian Langenmair. Gemeint ist das Engagement, das auf vielen Ebenen stattfindet: So verpassen die Bundestrainer mit ausgewiesenem Know-how und der richtigen Mischung aus Mentor und Lehrmeister den jungen Talenten den nötigen Feinschliff. Partner wie beispielsweise Festool und Kleiberit sorgen – zusätzlich zum Sponsoring – dafür, dass das Tischler-Schreiner-Nationalteam individuell betreut wird und auf Produkte zurückgreifen kann, die in geschulten Händen zum bestmöglichen Wettbewerbsergebnis beitragen. Und schließlich engagieren sich die Betriebe, in denen Florian Meigel und Johannes Bänsch ihre Ausbildung absolviert haben und jetzt als Gesellen angestellt sind.

Daher werden nicht nur in den Trainingswochen in Burgberg und Dinkelscherben Sonderschichten geschoben. Auch in der Hundhammer Holzverarbeitungs-GmbH in Penzberg und bei Inuma in Leipzig arbeiten Florian und Johannes an der Fortsetzung ihres Traumstarts in die noch junge berufliche Karriere. 

Schreiner voller Leidenschaft

Wer sind die zwei jungen Schreinergesellen, die im August bei den WorldSkills in Kasan für das deutsche Tischler- und Schreinerhandwerk um die Medaillen kämpfen?

Florian Meigel (Deutscher Meister 2017, Bayern, 20 Jahre): Was sofort auffällt – Florian Meigel ist extrem sportlich, da verwundert es kaum, dass Berg- und Wintersport ebenso wie Fallschirmspringen zu seinen Hobbys zählen.

Wenn er etwas macht, dann richtig. „Man muss auch mal über die Schmerzgrenzen hinausgehen können“, beschreibt er seine eigene Haltung. Dass er außerdem sehr ehrgeizig ist, überrascht wenig. Da reicht ein Blick auf seine zwar noch junge, aber durchaus beeindruckende Vita. 2017 hat er mit Bestnoten den Gesellenbrief erhalten. Noch im gleichen Jahr siegte er bei den Deutschen Meisterschaften im Tischler- und Schreinerhandwerk und gewann wenige Monate später mit einer eindrucksvollen wie perfekten Furnierarbeit den Sonderpreis „Oberfläche“ beim Bundesgestaltungswettbewerb „Die Gute Form 2018“.

Aktuell liegt sein Fokus natürlich auf den Weltmeisterschaften. Hier wird der Teamplayer, der vor allem das Miteinander im Betriebsalltag schätzt, in der Kategorie „Bauschreiner“ antreten und auf sich allein gestellt über 22 Stunden – verteilt auf vier Wettkampftage – eine aufwendige Massivholzarbeit mit zahlreichen komplexen Verbindungen fertigen. Und nach den Weltmeisterschaften, so sein Plan, soll es gleich zur Meisterschule gehen. Keine Frage, mit Florian Meigel hat das bayerische Schreinerhandwerk eine vielversprechende Persönlichkeit hinzugewonnen.

Johannes Bänsch kommt aus Sachsen. Der 20-Jährige wurde im vergangenen November Deutscher Meister im Tischler- und Schreinerhandwerk. Mit ihm, so schien es, jubelte eine ganze Region.

Inzwischen hat er ein neues Projekt im Visier: Ende August will er sich in Kasan in der Kategorie „Möbelschreiner“ beweisen. Dafür opfert er gerade jede freie Minute und Leidenschaften wie Kickboxen oder die Gartenarbeit müssen erst einmal hintanstehen. Die Vorbereitungen auf die WorldSkills kommen einem Ganzkörpertraining gleich.

Übrigens: Der Weltmeister im Schreinerhandwerk 2005 kam aus Burgberg im Oberallgäu: Michael Martin hat bei den „Worldskills 2005“ in Helsinki (Finnland) die Goldmedaille in der Kategorie der Bauschreiner – einem von 40 Berufen, die dort ihre Besten ermittelten – gewonnen.

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