Unbezahlbare "Perlen"

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Was man kennt, kann man schützen, meinen Thomas Frey (von links), Andreas Güthler und Ulf Zimmermann, als sie die Broschüre mit den Tourentipps vorstellten.

Oberallgäu - Mit der neuen Broschüre „Wandern in Schutzgebieten“ wollen der Bund Naturschutz und das Naturschutz-Erlebniszentrum Allgäu NEZ zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen.

Einmal soll auf die Bedeutung von Schutzgebieten in der Region hingewiesen werden. Zum anderen soll ein „maßgeschneidertes Angebot“ Verständnis für die Ziele des Naturschutzes wecken, indem Interessierte die beschriebenen „Lieblingstouren von Allgäuer Naturfreunden“ nachwandern und „Perlen der Natur“ hautnah erleben. Die Broschüre wurde jetzt im AlpSeeHaus, dem Sitz des NEZ, vorgestellt. Erstes Lob für das handliche Heft gab es von einem Fachmann in Sachen Tourismus und Naturnutzung, Ulf Zimmermann, aus der Schweiz, der den „Wert von Schutzgebeiten für Tourismus und Regionalentwicklung“ betrachtete.

Zufall sei es nicht, dass das Allgäu als Tourismusregion so beliebt sei, unterstrichen Thomas Frey und Andeas Güthler vom NEZ in Immenstadt-Bühl. Die „fantastische Ausstattung“ mit Schutzgebieten, eine intakte Kulturlandschaft und eine vielfältige Naturkulisse trügen zur Beliebtheit des Allgäus als Freizeit- und Urlaubsregion bei. „Die Natur ist ein wesentlicher Faktor für den Tourismus, wichtiger als Spaßbäder...“, so Güthler.

Die neue Broschüre solle nicht zuletzt das Bewusstsein stärken für die Schätze der Region. Die Lieblingstouren von 14 Allgäuer BN-Aktiven sind in der 60-seitigen handlichen Broschüre beschrieben. Dabei sind leichte Wanderungen ebenso skizziert wie alpine Bergtouren. Unterstützt wurde das Projekt vom Bayerischen Naturschutzfonds und der Glücksspirale.

„Natur ist Trumpf“, sagte Ulf Zimmermann vom Institut für Landschaft und Freiraum der Hochschule für Technik in Rapperswil/Schweiz. Dieser Schluss dränge sich nicht nur angesichts der erhaltenswerten Artenvielfalt der Natur- und Kulturlandschaft auf, sondern auch beim Blick auf nüchterne Wirtschaftsaspekte.

Eine Studie belege etwa, dass die Nettowertschöpfung von Nationalparks sehr wohl beachtenswerte Dimensionen erreiche. Allein für die schweizerischen Nationalparks ergäben sich rund 20 Millionen Franken pro Jahr. Der Ökotourismus in den USA werde mit 67 Milliarden US-Dollar überschlagen. Für die Schweiz kommen Berechnungen auf die Faustregel, wonach ein investierter Euro bei Projekten des Naturtourismus zwei Franken „einspiele“. Gerade der ländliche Raum profitiere von entsprechenden Projekten.

Allerdings, so gab Ulf Zimmermann zu bedenken, dürfe man die Naturnutzung nicht ans Limit treiben. Über die Grenzen der Nutzung gebe es aktuell in der Schweiz Diskussionen. Den „Wert“ der Ressource Natur könne man ohnehin nicht genau ermessen. „Riesensummen“ kämen jedenfalls zusammen, wollte man etwa Erosions- und Klimaschutzwirkung ganzer Naturräume aufaddieren. Angesichts sehr komplexer Zusammenhänge sei dies „sehr schwer abzuschätzen“, betonte Zimmermann.

Andererseits müsse dieser enorme Wert den Menschen auch vermittelt werden. Das Wissen um die Natur nehme ab und damit auch die Bereitschaft, für deren Schutz einzutreten. Zimmermann: „Es ist eine große Aufgabe, den echten Wert von Natur und Landschaft darzustellen zu vermitteln – weniger den Kindern, sondern mehr noch denen, die die ‘Perlen’ verkaufen sollen, mithin Touristikern und Politikern.“

Als aktuelles Beispiel für ein gelungenes Zusammenwirken von Naturnutzung und Naturschutz nannte Ulf Zimmermann etwa den Lechweg zwischen Arlberg und Füssen. „Es funktioniert, wenn alle mitspielen und in die gleiche Richtung ziehen“, so Zimmermanns Fazit. Die Broschüre „Lieblingstouren von Allgäuer Naturfreunden“ ist kostenlos im AlpSeeHaus in Immenstadt-Bühl erhältlich.

Josef Gutsmiedl

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