Sicherheit fürs Dummelsmoos

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Große Geschiebemengen werden in Zukunft weit oberhalb des Dummelsmoos abgefangen.

Oberstdorf – Ruhig und friedlich liegen die leicht verschneiten Wiesen oberhalb der Dummelsmoos-Siedlung am Ortsrand von Oberstdorf. Zwei Betonbauwerke und ein neuer Bachlauf passen sich in das Gelände ein und zeigen, dass hier in den Schutz vor Hochwasser und Muren investiert wurde.

Schwer vorstellbar, dass in diesem Bereich vor zweieinhalb Jahren eine zerstörerische Schlammlawine ins Tal rollte. Jetzt wurde die neue „Sicherung“ für die Anwesen im Dummelsmoos offiziell vorgestellt.

Am 14. Juni 2015 kam es nach einem wolkenbruchartigen Regen durch zwei Murstöße zu massiven Schäden an mehreren Wohngebäuden. Extreme Niederschläge auf einem sehr begrenzten Areal verursachten in kurzer Zeit ein Anschwellen des Roßbichlbaches. Dieser führte etwa 1000 Kubikmeter Geschiebe, Schlamm und Holz mit sich. Um das Siedlungsgebiet „Am Dummelsmoos“ zukünftig vor Hochwasser- und Murereignissen zu schützen, wurden schon bald nach dem Unglück Pläne aufgelegt. Nun können die Anwohner aufatmen – die Schutzmaßnahmen sind fertig gestellt.

„Die Verbauungen und Geländeeingriffe haben das Ziel, im Ernstfall einen Großteil der Mure aufzuhalten und den Rest an der Siedlung vorbei zu leiten“, erklärte David Kempter, Leiter der Abteilung Neubau beim Wasserwirtschaftsamt. Die Wassermassen eines „hundertjährigen Hochwassers“ können jetzt im bestehenden Bachbett verbleiben. Und eine sehr große Geschiebeführung könne über eine Entlastungsrinne abgeleitet werden.

Die Baukosten betragen 630 000 Euro (170 000 weniger als veranschlagt), die sich der Freistaat Bayern zu 70 Prozent und der Markt Oberstdorf zu 30 Prozent teilen. Zu verdanken seien die Einsparungen auch der Flussmeisterstelle Sonthofen, die das Projekt in Eigenleistung stemmte. Oberstdorf hat über einen Tausch mit den Grundstückseigentümern die Flächen zur Verfügung gestellt.

Da, wo der Roßbichlbach aus dem Wald austritt, wurde ein Geschieberückhaltebecken gebaut, um den ersten Schub bis zu 1000 Kubikmeter Geschiebe aufzuhalten. Ein neues, überlastungsfähig ausgelegtes und mit Leitdamm versehenes Bachgerinne führt zu einem Drosselbauwerk mit Kiesfang. Hier wird die Wassermenge über ein Rohr kontrolliert in das alte Bachbett geleitet. Sollte mehr „Material“ kommen, wird dies in einem neuen Entlastungsbett an der Siedlung vorbei gelenkt. Die Verbauungen sind so massiv gebaut, dass sie nicht brechen können. Die notwendigen Geländeaufschüttungen konnten zum Teil mit dem angeschwemmten Material errichtet werden.

Rein statistisch kommt ein Starkregen mit solch verheerenden Auswirkungen wie im Juni 2105 nur alle 300 Jahre vor. Vom Trend her seien bayernweit solche Extremereignisse allerdings häufiger zu beobachten, bestätigte Karl Schindele, Leiter des Wasserwirtschaftsamtes Kempten. Stichwort Klimawandel. Darum würden solche wesentlichen Schutzprojekte inzwischen mit einem „Klimazuschlag“ von 15 Prozent errichtet.

Heinrich Bonert

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