Masterplan Bildung für die "Schulstadt"

Die Stadt Immenstadt stellte ihre Schulen auf den Prüfstand. Fachleute klopften die vier Schulgebäude ab und kamen zu einem ernüchternden Ergebnis: Ein enormer Sanierungsbedarf - bei allen Schulen. Um Immenstadt als Schulort attraktiv zu halten müssten entweder fast 50 Millionen Euro in Sanierungsmaßnahmen gesteckt, oder mit fast ebenso viel Geld Neubauten errichtet werden. Am Mittwoch, 14. Oktober, wird der „Masterplan Bildung“ um 19 Uhr den Bürgerinnen und Bürgern im Hofgartensaal vorgestellt. Und Ende Oktober schon soll der Stadtrat über die Strategie entscheiden. Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp macht nach der Untersuchung durch das Planungsbüro Aldinger Architekten „einen enormen Handlungsbedarf“ aus was die Schulen in der Stadt angeht. Die Bausubstanz stamme aus den 1960-er und 1970-er Jahren und zeigte eklatante Alterungserscheinungen. Zudem seien die Schulgebäude nicht das, was heute unter einer gesunden Lernatmosphäre verstanden werde.

Schaupp: Wir stellen uns dieser Aufgabe. Ein ‘Augen zu und weiter so’ gibt es nicht.“ Erste Schritte wurden mit der Sanierung der Grundschule in Stein bereits eingeleitet. Offenbar ist Immenstadt mit der schonungslosen Analyse auf dem richtigen Weg: Die Regierung von Schwaben hält den Weg für mustergültig. Kern der Untersuchungen durch Aldinger Architekten war neben der Ist-Aufnahme des Bestandes der Kostenvergleich zwischen einer Sanierung und einem kompletten Neubau. Lebensdauer-Kosten Neben den eigentlichen - sofort fälligen - Investitionskosten, wollten Jörg Aldinger und Bürgermeister Schaupp wissen: Was kostet uns die Schullandschaft während der rund 30-jährigen Lebensdauer? Dass Schulen heute anders gebaut werden als vor 30 und 40 Jahren, ist klar. Und daraus ergebe sich auch ein hoher Sanierungsaufwand. Auf 48 Millionen veranschlagt das Planungsbüro die Investitionskosten. Bei einem Neubau der Schulen - in welcher Form auch immer - könnte weitaus besser auf aktuelle Erkenntnisse eingegangen werden und flexiblere Lösungen gefunden werden. Das heißt zum Beispiel, dass manche Gebäude je nach Bedarf heute dem Gymnasium „gehören“, in 15 Jahren vielleicht der Realschule zugeschlagen werden, ohne dass größere bauliche Eingriffe stattfinden. Jörg Aldinger hält es durchaus für wahrscheinlich, dass die Schularten in Zukunft stärker verwachsen sein werden. In mehreren Bauabschnitten für die vier Schulen soll die neue Schullandschaft im laufenden Schulbetrieb in fünf bis acht Jahren entstehen. „Das Geld bestimmt das Tempo“, ergänzt Bürgermeister Schaupp. Rund 46 Millionen Euro würde die Neubaulösung kosten. Die Sanierung wäre also teurer - und doch nur eine Sanierung, so das Fazit der Untersuchung. Und: Mittelbeschaffung und Zuschusshöhe stehen in den Sternen. Das gilt für beide Varianten. Zudem macht der Bürgermeister eine weitere Rechnung auf: Was kostet das, wenn ich die laufenden Kosten auf eine Nutzungsdauer von 30 Jahren einbeziehe? Eine Kalkulation, die bislang kaum wo angestellt würde, wie Armin Schaupp zu bedenken gibt. Im Fall des Schulstandortes Immenstadt kommen zu den Sanierungskosten von 48 Millionen Euro weitere 69 Millionen dazu. Beim Neubau wären es zusätzlich 56 Millionen, die aufzubringen sind. Unterm Strich müsste die Stadt also rund 117 Millionen oder 102 Millionen in drei Jahrzehnten in die Bildungsoffensive stecken. Neubau empfohlen Fazit: Vieles, nicht zuletzt die Gesamtkosten, sprechen für einen Neubau. „Auch die Regierung von Schwaben empfiehlt wegen Förderungen die Neubau-Idee. Wir sind zu wirtschaftlichem Handeln verpflichtet“, sagt Schaupp. Die Sanierung sei nicht nur teurer, sondern letztlich doch nur ein Kompromiss, ergänzt Architekt Aldinger. Bleibt die Finanzierung: Bei zwei bis drei Millionen freien Investitionsmitteln der Stadt werde es ohne Neuverschuldung nicht abgehen, fürchtet Armin Schaupp. Auch wenn es derzeit eine 40-prozentige Förderung gebe, blieben der Stadt rund 30 Millionen Euro. Schaupp: „Wir müssen es tun, sonst sind wir abgehängt!“ Schaupp hofft auf eine Sonderförderung für Bildungsinvestitionen aus Bundesmitteln. Sonst wäre die gesamte Investitionskraft der Kommune gebunden; andere wichtige Projekte lägen auf Eis.

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