Mehr Eigenbeteiligung

Theresa Schopper, Landesvorsitzende der Grünen, sieht „strukturelle Probleme“ bei der medizinischen Versorgung in ländlichen Gebieten. F oto: Heinrich Bonert

Aktuell ist die medizinische Versorgung im Oberallgäu noch gut. Die Zukunft hingegen schaut - nach Ansicht der Fachleute - nicht so rosig aus. Hier drohen Finanzierungsprobleme und Fachkräftemangel und es braucht neue Konzepte um auf die Veränderungen im Gesundheitswesen und die gesellschaftliche Entwicklung vorbereitet zu sein. So das allgemeine Fazit der Diskussionsveranstaltung „Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum. Heute – und morgen?“, zu der die Oberallgäuer Grünen auch Vertreter der Ärzteschaft und der Krankenkassen eingeladen hatten.

Mehr Effizienz, weniger Bürokratie, stärkere Regionalisierung und eine bessere Verzahnung von Hausärzten, Fachärzten und stationären Einrichtungen wie Krankenhäusern und Pflegheimen, seien notwendig um die medizinische Versorgung in den ländlichen Gebieten zu sichern. Theresa Schopper, Landesvorsitzende der Grünen und gesundheitspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion, sieht in „dem hochwertigen und guten System“ für die Zukunft „strukturelle Probleme“. Spätestens in einigen Jahren, wenn die ersten Praxen keine Nachfolger mehr finden. Eine Lösung aus Sicht der Grünen ist eine Stärkung der hausärztlichen Versorgung und Modelle, die vorhandenen Mittel regional besser zu verteilen, so Schopper: Ärzte und Pflegepersonal müssten „direkt an den Patienten und nicht ihre Kompetenzen in der Bürokratie vergeuden“. Die Grünen-Vorsitzende sprach sich auch klar gegen eine „Entsolidarisierung“ in der Krankenversicherung aus und möchte „keine Frontstellung zwischen Kassen und Ärzten“. Den präventiven Bereich gelte es stärker auszubauen. „Jeder Patient findet seinen Arzt“, sieht Chefarzt Dr. Andreas Baumgarten die Versorgung der Patienten auf hohem Niveau sichergestellt. Ausdrücklich lobte er die Anstrengungen des Landkreises bei der Umstrukturierung der Oberallgäuer Krankenhäuser. Unter Mithilfe aller Beteiligten sei hier durch Schaffung von Schwerpunkten eine qualitative Verbesserung erreicht worden. Effizienz will er dahingehend verstanden wissen, dass das Geld für die medizinischen Leistungen wirklich beim Patienten ankommt. Günther Erdtl, Direktor der AOK Kempten, sieht derzeit „keine Unterversorgung sondern ein Verteilungsproblem“. Um einer drohenden Unterversorgung in ländlichen Gebieten zu begegnen, müsse die Politik zuverlässige Rahmenbedingungen schaffen. „In Zukunft wird es nicht ohne die Eigenbeteiligung der Bürger gehen“, sieht Bernhard Mohr, Vorstand der Bosch BKK in Stuttgart, „eine Riesenherausforderung, die Leute zu diesem Engagement zu bewegen“. Wobei hier der ländliche Raum sicher im Vorteil sei. Notwendig seien zusätzliche Gelder für regionale Strukturen und vernetzte Versorgungsmodelle. Dr. Boris Ott, 1. Vorsitzender des Hausärztevereins Oberallgäu, sprach die Überalterung innerhalb seines Berufstandes an. Die jungen Medizinstudenten – in der Mehrheit Studentinnen – hätten eine andere Lebensplanung. Um diese für den Beruf zu motivieren, brauche es mehr Freiräume in den Regionen und weniger Bürokratie. „Was wir brauchen sind klare Regeln, die auch Bestand haben, damit wir in Ruhe unsere Arbeit machen können“, so Ott. Welche Tücken, Erwartungen und unterschiedliche Interessen in dem Thema Gesundheitssystem stecken, wurde in der lebhaften Diskussion deutlich. Obwohl immer mehr Geld in das System fließe, verschlechtere sich die Situation für die Versicherten, monierten Patientenvertreter. Nichts sei schwerer durchzusetzen als Veränderungen in der Gesundheitspolitik, räumte die Grünen-Politikerin Probleme ein, auf die künftigen Herausforderungen zu reagieren.

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