Mehr als Kochen und Putzen

„Hahn im Korb“ der Hauswirtschafterinnen: Flankiert von Sieglinde Klarmann von der Regierung von Schwaben (links) und Ingrid Klarmann (rechts) sowie angehenden Hauswirtschafterinnen konnte Schulleiter Dieter Friede (vorne 2. von links) eine erfreuliche Bilanz der 40-jährigen Schulgeschichte ziehen. Foto: Josef Gutsmiedl

Auf vier „bewegte Jahrzehnte“ kann die Staatliche Berufsfachschule für Hauswirtschaft in Immenstadt zurückblicken. Eine Zeit, die von grundlegendem Wandel und ständiger Veränderung geprägt war. Die Bilanz, die jetzt anlässlich einer Feierstunde im Berufsschulzentrum Immenstadt gezogen wurde, zeigt: Die Hauswirtschaft, angepasst an die jeweiligen gesellschaftlichen Bedingungen, ist wichtiger denn je.

„Die Berufsfachschule für Hauswirtschaft hat Durchhaltevermögen gezeigt“, brachte die Stellvertretende Landrätin, Gertud Knoll, vier Jahrzehnte „Geschichte“ dieser Schule auf den Punkt. 40 Jahre, die für fundierte Ausbildung stünden; 40 Jahre in denen junge Menschen alltagstauglich gemacht wurden; 40 Jahre in denen die Schule gesellschaftlichen Änderungen positiv gegenüber gestanden sei. Auch wenn sich die Methoden geändert hätten, so Knoll weiter, die Basis mit Ökonomie, Ökologie und sozialer Verantwortung sei in diesen 40 Jahren unverändert gebleiben. „Hauswirtschaft ist die Basis der Wirtschaft und der Gesellschaft“, sagte Gertud Knoll. Wie man aktuell sehe, habe eine Vernachlässigung dieses Bereiches nachteilige Auswirkungen: „Viele junge Menschen sind mit der Haushaltsführung überfordert.“ Umso mehr müsse man alles daran setzen, diese Form der Ausbildung zu erhalten, appellierte die Stellvertretende Landrätin. „Hauswirt- schaft schafft Lebensqualität!“ Eine Zeit ohne diese Berufsfachschule und ihr „segensrei- ches Wirken“ kann sich Schulleiter Dieter Friede jedenfalls nicht vorstellen: „Ihre Vergangenenheit ist eine beeindruckende Kette von Erfolgen - und ihre Zukunft heißt Zuversicht.“ Aus einem fast familiären Umfeld entwickelte sich die Berufsfachschule für Hauswirt- schaft in vier Jahrzehnten zu einem festen Bestandteil der Bildungswelt im Oberallgäu, so Friede. In dieser Zeit verließen mehr als 1000 Schülerinnen die Schule als „Staatlich geprüfte Hauswirtschafterin“. Veränderungen prägten die Geschichte der Schule in Immenstadt - und die nächste „Anpassung“ steht schon ins Haus: Ab kommendem Herbst wird aus der Hauswirtschafts-schule die „Berufsfachschule für Ernährung und Versorgung“. Damit, so erläuterte Sieglinde Klarmann von der Regierung von Schwaben, trage man den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen Rechnung. „Die demografische Entwicklung mit einem steigenden Anteil älterer Menschen bei gleich- zeitiger Auflösung traditioneller Familienstrukturen stellt die Gesellschaft vor große Herausforderungen.“ So sei es wichtig, hauswirtschaftliche Versor- gungs- und Betreuungsleistungen von hoher Qualität anbie- ten zu können, unterstreicht Sieglinde Klarmann. Einen Rückblick auf 40 Jahre erfolgreiche Schularbeit und ein bewegtes Schulleben warf Ingrid Klarmann, Mitarbeiterin der Schulleitung. Ein Rückblick, der mehr als Worte ausdrückte: Hauswirtschaft ist in ihrem Wandel ein Spiegelbild der Gesellschaft - und mehr als Kochen und Putzen. „Langweilig wird’s nicht“, meinte sie mit Blick auf ihre eigene Erfahrung aus 30 Jahren Schulbetrieb. Viele Projektarbeiten erweiterten den Lehrplan und Stoff, oft in Zusammenarbeit mit der Berufsschule oder anderen Einrichtungen und Partnerschulen. Das Bild vom „Hässlichen Entlein“ nahm Ursula Schukraft von der Diakonie Wüttemberg in ihrer Festrede zum Ausgangspunkt für ihren Streifzug durch die Bedeutung der Hauswirtschaft heute und in Zukunft. Auch Schukraft be- klagte den Verlust hauswirt- schaflicher Fähigkeiten und Kennnisse. Hauswirtschaft werde heute oft als Lifestyle-Management betrachtet, das sich Kultobjekten wie dem teuren Kaffee-Automaten oder der Zitronenpresse für 300 Euro widmete, beobachtet Schukraft. Andererseits zeige sich eine neue Entwicklung, die die Haus- wirtschaft aus dem schlechten Image bringen könne: Fach- kräfte der Hauswirtschaft seien gefragt in Betreuungseinrichtungen. Und im Privathaushalt sieht Schukraft ein Comeback der einstigen „Perle“. Wenn die Ausbildung in der Hauswirtschaft ständig angepasst werde, entrümpelt und modernisiert, so Ursula Schukraft optimistisch, könnte daraus ein „schöner Schwan“ werden.

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