Ein einzigartiges Inklusionsprojekt

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Die Trommlergruppe der Lebenshilfe mit – von links – Ursula Lax von der Regierung von Schwaben, SWW-Aufsichtsrat Toni Vogler, Indra Baier-Müller (Geschäftsführerin Diakonie), Hartmut Höger (Geschäftsführer Lebenshilfe) und Bezirksrätin Barbara Holzmann. Sitzend in der Mitte Dr. Michael Knauth (Geschäftsführer Verein für Körperbehinderte) und sitzend vorne rechts Martin Kaiser (Geschäftsführer SWW).

Immenstadt – Ein wirkliches Inklusionsprojekt entsteht derzeit in Immenstadt: In der Mittagstraße, auf dem Gelände des ehemaligen Gasthof Krone, sollen in 18 Wohnungen Menschen mit und ohne Handicap zusammen leben. Am Dienstag erfolgte der Spatenstich.

Inklusion ist ein Menschenrecht. In der Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen festgelegt, geht es nicht nur mehr um Integration sondern darum, allen Menschen – ob mit oder ohne Behinderung – die uneingeschränkte Teilnahme am Leben zu ermöglichen. In politischen Reden oft beschworen, mangelt es in vielen Bereichen noch an der praktischen Umsetzung. In Immenstadt wurde nun ein Wohnprojekt auf den Weg gebracht, das diesen Weg beispielhaft beschreitet.

In der Mittagstraße entsteht ein Gemeinschaftsprojekt der Diakonie Kempten/Allgäu, der Lebenshilfe Oberallgäu, des Vereins für Körperbehinderte Allgäu und der SWW Oberallgäu Wohnungsbau GmbH. Hier werden 18 neue Wohnungen unterschiedlicher Größe gebaut, die zum Teil von Menschen genutzt werden, die von den drei sozialen Trägern betreut werden. Es handelt sich um eine bis dahin einzigartige Kooperation für ein soziales Miteinander. Zentrumsnah in der Immenstädter Südstadt gelegen mit kurzen Wegen zu Einkaufsmöglichkeiten, Behörden und öffentlichen Verkehrsmitteln.

Bei der gemeinsamen Nutzung ist auch ein Gemeinschaftsraum geplant, in dem die Bewohner des Hauses – aber auch alle Menschen aus der Nachbarschaft – zusammenkommen, spielen und feiern können.

SWW-Geschäftsführer Martin Kaiser begrüßte die Gäste zum festlichen Spatenstich, darunter zahlreiche Kommunalpolitiker, Vertreter der Sozialverbände und Ursula Lax von der Regierung von Schwaben. Man habe schon länger Anfragen von Sozialverbänden nach Wohnmöglichkeiten, erklärte Kaiser. Seit 2015 wird auf dem Gelände des alten Gasthofs Krone ein Konzept für ein „Quartier“ geplant. Als Faktoren für ein erfolgreiches Quartier nannte er die Bereitschaft des Einzelnen, sich um sich selbst zu kümmern, eine überschaubare Nachbarschaft, die kostenfreie Unterstützung von sozialen Trägern und die professionelle Hilfe von sozialen Dienstleistern. „Wir brauchen überschaubare Einheiten, in denen die Bewohner Verlässlichkeit und Vertrauen in allen Lebenslagen bekommen“, so Kaiser.

„Wir erleben hier etwas ganz Besonderes“, nannte Landrat Toni Klotz das Vorhaben ein „Leuchtturmprojekt“, bei dem Menschen mit Handicap integriert werden. Der geplante Gemeinschaftsraum sei wichtig im Sinne der Inklusion. Er sprach von einem starken Bedarf nach bezahlbarem Wohnraum im Landkreis. Von der großen Politik wünscht er sich mehr Flexibilität bei der Belegung von Wohnungen. „Was lange währt, findet seine Bestimmung“, sieht Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp in dem Projekt „einen wichtigen Baustein im sozialen Leben der Stadt“. Das Haus soll dazu beitragen, dass verschiedene gesellschaftliche Gruppen zusammenfinden und sich gegenseitig wertschätzen.

Die Geschäftsführerin der Diakonie Indra Baier-Müller sprach für die beteiligten Sozialverbände das Grußwort. Man sei dankbar, dass für die von ihnen betreuten Menschen nun zusätzlicher Wohnraum geschaffen wird. Hier zeige sich auch die Abkehr vom Fürsorgeprinzip hin zur Menschenrechtsorientierung für Personengruppen, die ein Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft haben. Ihre Vision: Ein Domizil, wo Menschen einen beschützenden Rahmen finden, sich gegenseitig unterstützen und miteinander in einem nach außen offenen Haus leben. Sie wünschte dem Bauträger viel Erfolg, den Handwerkern ein gutes Gelingen, den Partnern ein gutes Miteinander bei der Umsetzung und den zukünftigen Bewohnern das Gefühl „Da bin i dahoam“.

Die Wohnungen sollen Ende 2019 bezugsfertig sein. Für den Gemeinschaftraum werden noch Förderer gesucht, die den Bau finanziell unterstützen. Musikalisch begleitet wurde die Feier von der Trommlergruppe der Lebenshilfe.

Heinrich Bonert

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