Einigung nach fünf Wochen Streik

IG Metall und Voith vereinbaren Sozialtarifvertrag für Beschäftigte in Sonthofen

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Am 23. April verließen die Streikenden das Werk ist Sonthofen. Jetzt – fünf Wochen später – nahmen sie ihre Arbeit wieder auf. Der Arbeitskampf endete mit einer Einigung auf einen Sozialtarifvertrag.

Sonthofen – Seit fast fünf Wochen streikte die Belegschaft von Voith in Sonthofen. Am vergangenen Dienstag einigten sich die Arbeitnehmervertreter und Voith auf einen Sozialtarifvertrag mit Abfindungen, Regelungen für Azubis und Qualifizierungsmaßnahmen.

Die IG Metall Bayern und der Maschinenbauer Voith haben sich nach langen Verhandlungen auf Eckpunkte für einen Sozialtarifvertrag für die IG Metall-Mitglieder im Werk Sonthofen geeinigt. Demnach erhalten die Beschäftigten zusätzliche Abfindungsleistungen und alle Auszubildenden können ihre Ausbildung am Standort Sonthofen bis zum erfolgreichen Abschluss fortführen. Knapp 170 Beschäftigte bekommen in einem neuen, tarifgebundenen „Büro Allgäu“ für drei Jahre eine Beschäftigungssicherung.

Johann Horn, Bezirksleiter der IG Metall Bayern und Verhandlungsführer, sagt: „Die Beschäftigten haben sich diesen Sozialtarifvertrag hart erkämpft und erstreikt. Sie erhalten nun angemessene Abfindungen für den Verlust ihrer Arbeitsplätze. Ihre Solidarität zahlt sich jetzt für sie aus.“

Die Betriebsratsvorsitzende Birgit Dolde kommentiert: „Uns schmerzt ungemein, dass wir unser Werk und unsere Arbeitsplätze nicht retten konnten. Wir haben aber einen guten Sozialtarifvertrag errungen, der gewährleistet, dass niemand in existenzielle Nöte gerät.“

Carlos Gil, 2. Bevollmächtigter der IG Metall Allgäu und Streikleiter, sagt: „Ich bin tief beeindruckt und ziehe meinen Hut, wie die Mannschaft bei Voith über all die Monate und bis zuletzt zusammengehalten hat. Ich bedanke mich bei allen, die sich an unserem Arbeitskampf beteiligt und ihn unterstützt haben.“

Konkret regelt der Sozialtarifvertrag zusätzlich zum bereits vom Gesamtbetriebsrat mit Voith ausgehandelten Sozialplan eine drei Monate längere Transfergesellschaft (bis zu 18 Monate) mit Qualifizierungsmaßnahmen unter Fortzahlung eines Unterhaltsgeldes. Verlassen Beschäftigte die Transfergesellschaft vorzeitig, fließt das so eingesparte Geld in einen weiteren Fortbildungsfonds. Außerdem wird ein Härtefonds eingerichtet, aus dem IG Metall-Mitglieder zusätzliche Abfindungen erhalten, insbesondere ältere Beschäftigte, Eltern, Alleinerziehende und Lebenspartner, die beide bei Voith arbeiten.

Sollten die Beschäftigten im neuen Büro Allgäu trotz der Beschäftigungssicherung innerhalb von drei Jahren betriebsbedingt gekündigt werden, gilt für sie auch der Sozialtarifvertrag. Dieser legt zudem fest, dass gegen Beschäftigte aufgrund ihrer Beteiligung am Streik keine arbeitsrechtlichen Maßnahmen ergriffen werden.

Am Dienstagabend hatten sich die IG Metall-Mitglieder bei Voith in Sonthofen bei einer Urabstimmung mit 87,1 Prozent Zustimmung für den Sozialtarifvertrag und für eine Beendigung des Streiks ausgesprochen. Am Mittwochmorgen nahm die Belegschaft die Arbeit bereits wieder auf.

Schon im Herbst 2019 hatte Voith seine Schließungspläne für das Werk in Sonthofen bekannt gemacht. Das Werk produziert Spezialgetriebe, erreichte in 2019 seine Umsatzziele und schrieb schwarze Zahlen. Dennoch wird die Produktion im Laufe des Jahres an andere Standorte verlagert, um Kosten zu sparen, wie die Unternehmensleitung betont. Seitdem hatten IG Metall und Beschäftigte für den Erhalt des Werkes gekämpft und dabei viel Unterstützung aus der gesamten Region und darüber hinaus bekommen. Der Streik für einen Sozialtarifvertrag hatte am 23. April begonnen und dauerte fast fünf Wochen.

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