30 Meter für mehr Energie

Auf Wasserkraft - heute ein wesentliches Segment der regenerativen Energien - setzt man in Bad Hindelang schon lange. Die Hammerschmieden wurden einst mit Wasserkraft betrieben und seit 1925 erzeugt das Elektrizitätswerk Hindelang im Kraftwerk „Auele“ im Hintersteiner Tal elektrische Energie. Jetzt wurde nachgelegt: Die Partner Wald- und Weidegenossenschaft Bad Oberdorf und das E-Werk ergänzten die Energieerzeugung mit der neuen Wasserkraftanlage Taufersbach.

Die Idee, den Höhenunterschied vom bestehenden Kraftwerk „Auele“ bis zur Ostrach zusätzlich zu nutzen entstand im Jahr 2007. Immerhin beträgt die Höhendifferenz knapp 33 Meter - ein Gefälle, das durchaus interessant ist für Energieerzeugung. Die Wald- und Weidegenossenschaft Bad Oberdorf und das E-Werk Hindelang gründeten eine gemeinsame Gesellschaft, die NaturEnergie Ostrachtal GmbH, um das Projekt auf den Weg zu bringen. Im vergangenen Jahr erfolgte dann unterhalb des „Auele“ der Bau der neuen Wasserkraftanlage. Im November ging die Anlage in Betrieb. Knapp 800000 Euro investierten die beiden Partner unter dem Dach der NaturEnergie Ostrachtal jeweils zur Hälfte. „Bei der Planung der Anlage wurden die Belange der Wasserwirtschaft, sowie des Natur und Landschaftsschutzes in vorbildlicher Weise berücksichtigt“, sagt Hans Prestel, Technischer Leiter des E-Werkes Hindelang. „Wie auch schon beim Ausbau des Auele im Jahr 1958.“ Der Clou: Für den Betrieb der neuen Anlage wird das bereits im „Auele“ genutzte Wasser des Taufersbach ein zweites Mal genutzt, um eine weitere Turbine anzutreiben. Dadurch konnte jeglicher weitere bauliche Eingriff in den natürlichen Bachlauf vermieden werden. Die 260 Meter lange Druckleitung zwischen Auele und der neuen Anlage verläuft unterirdisch; vom Kraftwerk selbst ist nur ein kleines Gebäude zu sehen; die Masse des Baus steckt quasi in der Erde. Die Zufahrt zur Anlage wird wieder begrünt - auf Mulchmaterial durch natürlichen Anflug. So werde verhindert, dass standortfremde Pflanzen Fuß fassen. In wenigen Jahren werde man von den Bauarbeiten nichts mehr sehen können, betont Prestel. Auch bei der Auslegung der Wasserkraftanlage gingen E-Werk und Weidegenossenschaft einen besonderen Weg. „Wir legten Wert auf einfache, solide Technik“, beschreibt Wilhelm Hengge, Geschäftsführer des Gesellschafters Elektrizitätswerk Hindelang, das Konzept. Allerdings gebe es nur sehr wenige Hersteller solcher „maßgeschneiderter“ Turbinen. Generell habe man so weit irgend möglich mit regionalen Unternehmen zusammen gearbeitet. „Nicht zuletzt, um später kompetente Ansprechpartner und guten Service vor Ort zu haben“, ergänzt Hengge. Mithin auch eine Kostenfrage „für die kleinen Energieerzeuger“, meint er. Statt eines HighTech-Getriebes setzt man auf die bewährte Kraftübertragung mittels Riemenantrieb. „Natürlich mit modernen Riemen“, berichtet Wilhelm Hengge weiter. So konnte auch das Problem der Generatorkühlung schnell gelöst werden: Die Energieerzeugung findet nämlich gut zehn Meter über dem Standort der Turbine statt. „So konnten wir die Abwärme des Stromerzeugers fast vergessen...“, sagt Hans Prestel. Andernfalls wäre ein eigenes Kühlaggregat notwendig gewesen, „das wieder Energie frisst“, so Prestel. Der Einlauf zur Turbine liegt auf dem selben Niveau wie der Pegel der Ostrach, in die der Taufersbach mündet. Der Höhenunterschied wurde somit optimal ausgenutzt. Klein aber solide - und effektiv: Rund 350 000 Kilowatt elektrischer Energie erzeugt die neue Anlage an der Ostrach - rund eine Zehntel der Leistung des Kraftwerks Auele. „Das entspricht einem Stromverbrauch von 100 Vier-Personen-Haushalten pro Jahr“, rechnet Wilhelm Hengge vor. Und: Das Wasser des Taufersbach aus dem Schrecksee könne praktisch ganzjährig genutzt werden, während Sonne und Wind nicht ganz so verlässlich zur Verfügung stünden. Respekt vor den Erbauern des Kraftwerks Auele in den schwierigen Zeiten der 1920er Jahre zollt NOG-Geschäftsführer Reinhard Wechs. Dass die Ingenieure nicht schon damals die Anlage weiter unterhalb an der Einmündung des Taufersbaches in die Ostrach bauten, kann er sich nur dadurch erklären, dass das Kraftwerk möglichst nahe am Weg liegen sollte. Diesen Nachteile habe die NaturEnergie Ostrachtal jetzt wett gemacht.

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