Milch- und Familienpolitik

Unerwartet groß wurde am CSU-Familientag im Familien-Vital-Park Burgberg-Blaichach das Thema Milch angeschnitten. Die Vertreter der Milchwirtschaft ließen es sich nicht nehmen, im Vorfeld der Diskussion zum Thema „Die Zukunft unserer Familie“ den Bundestagsabgeordneten Dr. Gerd Müller auf die aktuelle Situation der Milch- und Bergbauern anzusprechen. So wurde dieses Thema ein weiterer Schwerpunkt in der Diskussionsrunde mit dem Bundestagsabgeordneten, bevor es zum Familienprogramm überging.

Geschickt fand Anton Weiler, Landwirt und Gemeinderat in Oberstdorf, den Übergang. „Landwirtschaft ist auch Familienpolitik“, argumentierte er. Beim derzeitigen Milchabnahmepreis von rund 20 Cent / Liter, könnten die Milchbauern nicht mehr kostendeckend arbeiten. Die Lage auf dem Milchmarkt werde in den nächsten Wochen rund fünf Prozent der Milchbauern zwingen, ihren Betrieb aufzugeben. Rund 20 Prozent stünden in den nächsten Monaten vor dem finanziellen Ruin, prognostizierte er. Fair und kostendeckend wäre ein Milchpreis von 40 Cent pro Liter. „Es geht hier nicht nur um Bauernhöfe die zusperren, sondern auch um Arbeitskräfte, die dann auf den Arbeitsmarkt drücken“, betonte Weiler. Rund 46000 Milchviehbetriebe sind im Allgäu betroffen, weiß Weiler. „Dies entspricht einer Arbeitskapazität von rund 50.000 Menschen, in deren Familien die existenzielle Grundlage wegbricht.“ Dr. Gerd Müller gab den Bergbauern uneingeschränkt Recht: „Es wird hier niemanden geben, der nicht Ihrer Meinung ist.“ Müller gab jedoch zu bedenken: „Wenn Ihr Euch unter den Milchbauern splittet, verliert Ihr an Schlagkraft, die Belange in Berlin vorzutragen.“ Um die Interessen der Region auf EU-Ebene zu vertreten, setzt Müller auf eine Allianz der Alpenländer. „Die Milch aus einer solchen Landschaft, hat einen anderen Preis als Industriemilch“, betont er heimatverbunden. Er forderte auf, „die hochwertige Landschaft in hochwertige Produkte“ umzusetzen und diesen Markt weiter auszubauen. Regionale Marken dieses Konzept bereits erfolgreich verfolgen. Gabriele Krips von der Frauen-Union Oberallgäu moderierte die Diskussionsrunde. „Familie definiere sich nicht über die im Haushalt lebenden Kinder. Kinder bleiben für ihre Eltern von der Geburt an lebenslang Kinder und ein Teil der Familie. Sie bezieht die Generationen mit ein“, sagte die Hindelangerin. Die Teilnehmer des Diskussionsrunde, Renate Deniffel – Bezirksrätin des Bezirks Schwaben für die Region Kempten – nördliches Oberallgäu, Claudia Dress vom Aktionskreis „Familienfreundliches Kempten“, CSU-Ortsvorsitzender Ottmar Käser aus Blaichach und Alfons Hörmann, CSU-Fraktionsvorsitzender im Oberallgäuer Kreistag, unterstrichen: Viel zu wenig würde über die Familien gesprochen, deren Strukturen noch intakt sind. Familie zu leben mache Spaß, vermittle Lebenssinn und Freude. Dr. Gerd Müller betonte: „Die Familie genießt in der CSU wie sonst in keiner anderen Partei einen ganz besonderen Schutz und Wertschätzung.“ Mit Blick auf die sich immer mehr verändernden Familienstrukturen und die damit verbundenen Herausforderungen bemerkte der zweifache Familienvater: „Erziehen und Großwerden ist schwieriger als vor 50 Jahren.“ Dies spiegelt sich auch in den aktuellen Zahlen bestätigt Alfons Hörmann, CSU-Fraktionschef im Oberallgäuer Kreistag: „7,5 Millionen Euro investierte der Landkreis Oberallgäu 2008 in die Jugendhilfe“. Dazu zählen unter anderem Präventivmaßnahmen wie beispielsweise Schulsozialarbeiter. „Sie lösen Probleme, bevor es richtig teuer wird“, betonte Bezirksrätin Renate Deniffel. „Jetzt wo wir Schulpädagogen einsetzen, sehen und erkennen wir erst die Probleme die seit langem vorhanden sind und um die wir uns bislang nicht gekümmert haben.“

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