"Milchsommer" in den Bergen

Eine durchwegs positive Bilanz des zu Ende gehenden Alpsommers zog Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner wenige Tage vor dem ersten Viehscheid im Oberallgäu. Auf der Sennalpe „Derb“ bei Gunzesried sprach Brunner von einem „guten Alpsommer“. Auf den 688 Alpen im Allgäu wurden heuer rund 34000 Rinder geälpt, darunter 3000 Milchkühe. In den vergangenen 100 Tagen stellten die Älplerinnen und Älpler der 51 Sennbergen rund 100 Tonnen Sennalpkäse her. Bayern werde an der Förderung der Berglandwirtschaft und damit der Alpwirtschaft festhalten, unterstrich der Minister.

Zufrieden mit dem Alpsommer zeigte sich neben Staatsminister Helmut Brunner auch Herbert Möslang, der Älpler der Sennalpe Derb bei Gunzesried: „Ich bin sehr zufrieden - ein guter Sommer.“ Möslang milkt täglich 15 Pensionskühe und verarbeitet die Milch zu Sennalpkäse. In der Tat bescherten ausreichend Niederschläge und zugleich sommerliche Temperaturen die Idealen Voraussetzungen für einen guten Futteraufwuchs auf den Alpweiden. „Das Alpvieh befindet sich allgemein in sehr guter Verfassung“, bescheinigte Minister Brunner. Und das gute Futterangebot brachte dann auch einen guten Milchertrag. Brunner brachte es mit dem Begriff „Milchsommer“ auf den Punkt. Ein weiteres Plus kennzeichnet den Alpsommer 2009: Mit rund 34000 Stück Alpvieh wurde gegenüber dem Vorjahr deutlich mehr Vieh in die „Sommerfrische“ geschickt , wo es noch 30000 waren. Staatsminister Brunner führt das vor allem auf die neue „Weideprämie“ zurück. Nicht wenige Züchter schätzten aber zudem die nachweislich positiven Wirkung der Älpung auf Gesundheit, Fruchtbarkeit und Langlebigkeit des Viehs. Dass sich der Trend aber schnell umkehren könnte, betonen sowohl der Minister als auch Johann Steurer von der Allgäuer Herdebuchgesellschaft, dem Braunviehzuchterband. Sollte der Milchviehbestand nicht zuletzt wegen des niedrigen Milchpreises weiter zurück gehen, würden auch die Beschlagszahlen schnell abnehmen. Von einer etwaigen Überweidung könne keine Rede sein, ergänzt Peter Danks, der Geschäftsführer des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu AVA. Die Lichtweidefläche von knapp 21000 Hektar im Allgäu vertrage auch 36000 Tiere ohne Schaden zu nehmen. Trittschäden seien in der Regel witterungsbedingt und bislang kein Problem im Allgäu. Während des „Milchsommers 2009“ produzierten die Älplerinnen und Älpler der 51 Allgäuer Sennalpen rund 100 Tonnen Bergkäse. „Ausgezeichnete Qualität“, bescheinigte Minister Brunner dem Senner der Alpe „Derb“, Herbert Möslang, und seinen Kollegen nach einer Kostprobe. Staatsminister Helmut Brunner verwies auf die staatlichen Unterstützungen für die Alm- und Alpwirtschaft in Bayern. Immerhin habe in den vergangenen 40 Jahren keine der knapp 1400 Almen und Alpen aufgegeben. „Den regionalen Gegebenheiten der Berglandwirtschaft muss Rechnung getragen werden“, sagt Brunner. „Die Bergbauern haben das verdient.“ Immerhin sei die Berglandwirtschaft auch heute „oftmals eine Schinderei“ und ohne Handarbeit nicht möglich. Die Alpwirtschaft und Berglandwirtschaft sei darüber hinaus eine wesentliche Grundlage für den Tourismus, da sie die typische Kulturlandschaft erhalte, gibt Brunner zu bedenken. Um eine Bewirtschaftung weiter zu sichern sei auch eine angemessene Erschließung durch Alpwege unerlässlich, betont Brunner weiter. Im Allgäu, so fügt er an, sei man da offenbar weiter als in Oberbayern. Bayern werde an der Förderung der Berglandwirtschaft und damit der Alpwirtschaft festhalten , so Brunner bei seinem Besuch auf der Alpe „Derb“. Während andere Bundesländer diese Förderung abgeschafft hätten, werde sie im Freistaat verbessert. So soll etwa die Ausgleichszulage, die den erschwerten Bedingungen Rechnung trage, auf 215 Euro je Hektar erhöht werden. Mit den Varianten des Kulturlandschaftsprogrammes seien Förderungen und Investitionen im Berg- und Grünland möglich. „Unsere Agrarpolitik ist wesentlich mehr als die Politik für eine Branche“, meinte Staatsminister Helmut Brunner.

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