Weniger Milch ist mehr wert

Milchviehhalter-Verband fordert Ende der "milchpolitischen Geisterfahrt"

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Kein Geld verpulvern für Überschüsse von morgen. Die BDM-Demonstration bei Kempten rückte die „Geisterfahrt“ bei der Milchpolitik in den Mittelpunkt.

Oberallgäu – Allgäuer Milchviehhalter in Begleitung von Berufskollegen aus anderen Bundesländern protestierten vergangene Woche bei Kempten gegen die Entscheidung der EU-Kommission und der Bundesregierung in Zeiten der Corona-Krise die Überproduktion bei Milchpulver, Butter und Käse einzulagern. Diese ­Maßnahme, die auf Druck der milchverarbeitenden Industrie bewirkt wurde, soll mit EU-Mitteln in Höhe von 80 Millionen Euro bezuschusst ­werden. Stattdessen fordern die im Bundesverband der Milchviehhalter (BDM), organisierten Milchbauern ­eine zeitlich befristete, verbindliche EU-weite Reduzierung der Milcherzeugung.

„Das finanzielle Risiko haben allein wir Milchbauern zu tragen“, sagt ein anwesender Landwirt, der ein Schild mit der Aufschrift in den Himmel reckt, auf dem steht: „DBV (Deutscher Bauernverband e.V.), MIV (Milchindustrie-Verband e.V.), DBV und Politik verhindern eine Marktbereinigung und verlagern die Folgen auf die Bauern.“

Bundesweiter Protest

Die Protestaktion auf einer Viehweide bei Kempten bildet den Abschluss einer ganzen Reihe von ähnlichen Aktionen. Den Startschuss zum Protest gegen die EU-Verordnung zur privaten Einlagerung von Milchüberschüssen bei den Milchviehhaltern gab eine Auftaktveranstaltung in Berlin, die einen Tag vor einer Agrarministerkonferenz und zeitgleich mit dem europaweiten Aktionstag des European Milk Board EMB stattfand. Als Ausdruck ihres Protestes stapelten angereiste Milchviehhalter zwischen Bundestag und Kanzleramt eine über zwei Meter hohe Milchpyramide, die aus 300 Säcken Milchpulver bestand. Schon dort, Anfang Mai, forderten die Akteure statt einer Lagerhaltung eine zeitlich befristete, verbindliche EU-weite Reduzierung der Milchüberschüsse. Nur so ließen sich laut BDM massive Wertschöpfungsverluste der Milchviehhalter verhindern.

„Geisterfahrt“

Auf der Protestkundgebung wurde ebenfalls ­eine zwei Meter hohe Pyramide aus Milchpulversäcken gestapelt und sinnbildlich Geld und Milchpulver in den blauen Himmel „geblasen“. Manfred Gilch, Landesvorsitzdender des BDM Bayern, fordert von der Politik, dass „ein anderer Markt- rahmen“ gesetzt wird. „Es muss seitens der politisch Verantwortlichen der Weg in eine Mengenbegrenzung geben. Derzeit erleben wir aber nur eine milchpolitische Geisterfahrt, die darauf hofft, dass es irgendwann besser wird.“ Mit der bundesweiten Aktion wollte der BDM mit seinen Milchviehhaltern versinnbildlichen, dass lediglich „unser Geld, unsere Überschüsse, unsere Betriebe und unsere Zukunft verpulvert wird“, so Gilch.

Markt statt Plan

Der Bundesvorsitzende des BDM, Stefan Mann, äußerte die gleichen Forderungen: „Der eigentliche Skandal ist das gesamteuropäische ­Politikversagen. Offensichtlich wird an keiner Einheit in ­Europa gearbeitet, obwohl die meisten der europäischen Betriebe, die wie wir im EMB organisiert sind, die selbe Forderung haben.“ Stattdessen, so der Vorwurf des Vorsitzenden, werde den Vorschlägen der Milchindustrie und des Bauernverbandes gefolgt. Die aber hätten bei der letzten Krise dafür gesorgt, dass nicht ihr Geld „verbraten“ wurde, sondern die Wertschöpfung der Milchviehhalter. „Dieser Verlust lässt sich auf drei Milliarden Euro Wertschöpfungsverlust beziffern“, so Mann. „Wir aber sind bereit uns dem Markt zu stellen und Angebot und Nachfrage in Einklang zu bringen“, sagte Mann, bevor einige Milchviehhalter begannen, Milchpulver und „Euronoten“ in den blauen Himmel zu blasen.

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