Vor Milliardenverlusten

IHK warnt vor längerem "Shutdown" wegen Coronakrise

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Verlassene Straßen, leere Gästebetten in den Tourismusorten: Viele Gastonomen und Hoteliers fürchten mittlerweile um ihre Existenz.

Hotels sind nur noch für Geschäftsreisende geöffnet, Gastronomen verkaufen lediglich außer Haus. Die wirtschaftlichen Folgen des Shutdown haben den bayerisch-schwäbischen Tourismus fest im Griff. „Viele Hoteliers und Gastronomen fürchten angesichts leerer Kassen und weiterlaufender Kosten um ihre Existenz“, stellt IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Marc Lucassen mit Blick auf die Ergebnisse einer deutschlandweiten IHK-Mitgliederumfrage und den Rückmeldungen aus den Hotels und Restaurants fest.

Rund 2 500 Beherbergungs- und 6 000 Gastronomiebetriebe gibt es zwischen der Donau und den Alpen, der Grenze zu Baden- Württemberg und Oberbayern. Damit findet sich rund jeder fünfte Tourismusbetrieb im Freistaat in Bayerisch-Schwaben. Fast 30 000 Menschen finden hier ihr Auskommen. Und rund 1 500 junge Menschen einen Ausbildungsplatz. Dr. Lucassen warnt: „Der Tourismus ist für unser Region systemrelevant. Geht der Tourismus in die Knie, dann ergreift der Abwärtssog auch andere Branchen.“ Umsätze brechen ein Mehr als jeder zweite Hotelier und Gastronom geht nach der Umfrage davon aus, dass sich sein Umsatz aufgrund der Coronakrise im laufenden Jahr mindestens halbieren wird. So sorgt der für die Branche fast vollständige Shutdown nicht nur für Stornierungen bereits getätigter Buchungen, sondern auch für eine große Zurückhaltung im weiteren Jahr. Tritt diese düstere Prognose ein, dann geht dem bayerisch-schwäbischen Tourismus ein Betrag von über zwei Milliarden Euro verloren – davon alleine 1,2 Milliarden Euro in den sieben Allgäuer Landkreisen bzw. kreisfreien Städten.

Mitarbeiter halten

Wegbrechende Umsätze zwingen die Hoteliers und Gastronomen dazu an der Kostenschraube zu drehen. So haben viele Betriebe auch mit Blick auf den Fachkräftemangel der letzten Jahre Kurzarbeitergeld angemeldet. „Kündigungen im Stammpersonal sind für die allermeisten Familienbetriebe die letzte Option“, so Dr. Lucassen weiter. „Doch aufgrund der geringen Gewinnmargen der letzten Jahre ist die Finanzdecke bei vielen sehr dünn.“

Liquiditätshilfen gefragt

Aus diesem Grund ist neben dem Kurzarbeitergeld die Nachfrage nach weiterer Unterstützung ebenfalls sehr hoch. Um ihr Unternehmen zu retten, nutzen diese vor allem die Soforthilfen des Freistaats und nun auch des Bundes. Weil sich diese besonders an kleine Betriebe richten, die im Tourismus prägend sind und weil der Zuschuss später nicht zurückgezahlt werden muss. Dagegen kommt für viele Hotels und Restaurants die angebotenen Kredite der Förderbanken LfA und KfW nicht in Frage. „Oftmals sind die Bedenken zu groß, dass die durch die Betriebsschließung verursachten Einbußen nicht mehr aufgeholt und die dann anstehenden Rückzahlungen nicht mehr bedient werden können“, berichtet Branchenexpertin Ulrike Weber aus den Rückmeldungen, die die IHK Schwaben bei unzähligen Beratungen der letzten Tagen erreicht haben. Auch die über 700 bayerisch-schwäbischen Reisebüros und -veranstalter befinden sich in einer besonders schwierigen Lage. Ihnen bereitet nicht nur der fehlende Umsatz große Schwierigkeiten, ebenso belasten die anstehenden Rückzahlungen stornierter Reisen ganz erheblich ihre Liquidität. Denn das Geld ist im Unternehmen nicht mehr vorhanden. In den meisten Fällen wurden damit bereits die gebuchten Airlines und Hotels bedient.

Dr. Lucassen abschließend: „Die Verlängerung des Shutdowns bis Ende der Osterferien wird die Situation vieler Hotels und Restaurants weiter verschärfen. Die Hilfsinstrumente des Staates sind ein wichtiger Schritt, um die wirtschaftlichen Folgen der Ausgangsbeschränkungen abzumildern. Doch abhängig von der weiteren Entwicklung wird eine intensivere Diskussion um besonders betroffene Branchen notwendig werden. Der Tourismus ist dafür ein Beispiel.“

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