AVA: TBC bleibt ein Problem – Raubtiere werden zum Problem

Kein Platz für Wolf und Bär

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Der Beitrag der Berglandwirtschaft für die Gesellschaft ist unbezahlbar, meinten Alfons Zeller (von links), Staatsminister Helmut Brunner und AVA-Vorsitzender Franz Hage.

Bad Hindelang – Viel Lob gab es bei der jüngsten Mitgliederversammlung des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu AVA für die Arbeit, die die Interessenvertretung der Alp- und Berglandwirtschaft in den zurückliegenden 90 Jahren geleistet hat. Eine engagierte Vorstandschaft und ebensolche Mitglieder hätten viel erreicht in dieser Zeit.

Die Leistungen der Berglandwirtschaft über Generationen stünden heute im Vordergrund. Sie sei es nämlich, die die wertvolle Kulturlandschaft im Alpenraum erhalte. davon profitiere nicht zuletzt der Tourismus. Der große Aufwand müsse auch entsprechend honoriert werden, um die Zukunft der Berglandwirtschaft zu sichern. Als neue Herausforderung klopfen die „großen Beutegreifer“ an die Tür – Wolf und Bär. „Diese Besucher können wir gar nicht brauchen“, stellte der Vorsitzende des AVA, Franz Hage, fest.

Eine aktive Berglandwirtschaft sei für die Alpenregion als Lebens-, Wirtschafts-, Natur- und Kulturraum unverzichtbar. Das hat Landwirtschaftsminister Helmut Brunner am Sonntag beim Festakt zum 90-jährigen Bestehen des Alpwirtschaftlichen Vereins in Bad Hindelang deutlich gemacht. „Nur wenn die Bergbauern ihre Flächen bewirtschaften und genügend Tiere auf der Weide stehen haben, bleibt die einmalige Kulturlandschaft attraktiv für die Siedlung, für die regionale Wirtschaft und für die Touristen“, sagte der Minister. Darüber hinaus seien aktive Bergbauern Garanten für den Erhalt der Artenvielfalt und der Biodiversität. „Von Ihrer Leistung und Ihrer Arbeit profitiert unsere ganze Gesellschaft“, so Brunner. Daher müsse die Gesellschaft diese Leistungen auch entsprechend honorieren. Denn allein über den Produktpreis der vielfältigen Spezialitäten lasse sich der Mehraufwand im Berggebiet nicht finanzieren.

Der Freistaat stehe auch in Zukunft an der Seite seiner Bergbauern, versicherte der Minister. Als Beispiel nannte er das neue Kulturlandschaftsprogramm, das die Bergbetriebe mit einer maßgeschneiderten Förderung unterstütze. Die Anhebung der Weideprämie von 30 auf 50 Euro pro Hektar beispielsweise mache die Weidehaltung für Talbetriebe künftig noch interessanter. Ebenso attraktiv für Bergbauern ist die neue Grünlandprämie für Alp-flächen. Darüber hinaus werden die Almbauern und Älpler über die Ausgleichszulage, das Bergbauernprogramm, die Agrarinvestitionsförderung oder auch das Sonderprogramm Landwirtschaft gezielt unterstützt. „Wir wollen dafür sorgen, dass wie in den vergangenen 40 Jahren auch in Zukunft keine der rund 1400 Almen und Alpen in Bayern aufgegeben werden muss“, sagte Brunner.

Mit langen Rückblicken auf die 90-jährige Vereinsgeschichte hielt sich der Erste Vorsitzende des Alpwirtschaftlichen Vereins im Allgäu nicht auf. Franz Hage kam schnell auf ein drängendes Problem der Älpler und Bergbauern zu sprechen: „Das Allgäu ist grundsätzlich kein Lebensraum für den Wolf!“ Sei aktuell der Biber und vermehrt auch Wildschweine im Voralpenland ein massives Problem, dürfe man es beim Wolf als möglichem Zuwanderer „nicht soweit kommen lassen“, warnte er. Letztlich müssten die Bauern mit den Folgen klarkommen. Hage fordert eine „gescheite Entschädigung“ und appelliert an seine Berufskollegen, jeden Biberschaden sofort zu melden.

Auch die Behauptung, dass man mit einer zu erwartenden Zuwanderung von Wölfen rechnen müsse, lässt Hage nicht gelten und verlangt Regelungen dort, wo der Wolf heute schon (wieder) zuhause sei, um Abwanderungen von vorne herein zu vermeiden. Kein Trost sei für ihn die lapidare Feststellung der Experten und Berater, mit dem Wolf müsse er eben leben. „Der Wolf hat bei uns nichts verloren!“ so Hage. Sein Vorstandskollege vom oberbayerischen Almwirtschaftsverein, Georg Meyer, unterstrich: „Mit dem Wolf kann man nicht leben.“ Das sei kein Kuscheltier, wie es Naturschutzverbände mitunter darstellten. Für renommierte Fachleute der Wildbiologie sei eine dauerhafte Ansiedlung von Wölfen im Alpenraum ohnehin unvorstellbar, berichtete Mayer.

Pragmatische Lösungen

Auch Landwirtschaftsminister Helmut Brunner ging auf die „ungebetenen Gäste“ ein. Der Staatsminister verwies auf den Spielraum der Landratsämter, in Zusammenarbeit mit Jägern den Biberbestand zu regulieren. Brüssel verlange nur einen Bestandsschutz; die Größe eines Bestandes lege die EU nicht fest. „Habt den Mut zu pragmatischen Lösungen“, so Brunner.

Beim Wolf, ergänzte der Vorarlberger Landesrat, Erich Schwärzler, könne man nur hoffen, dass er „woanders hinzieht“. Dieses Raubtier passe nicht in unseren heutigen Lebensraum. „Die Bauern wollen keine Entschädigung für Verluste, sondern alle Tiere gesund heimbringen“, brachte Schwärzler die Sicht der Bergbauern auf den Punkt.

Raubtiere vor der Haustür und die TBC-Thematik noch nicht vom Tisch. Der Oberallgäuer Landrat, Anton Klotz, unterstrich, dass bis zur Älpung sämtliches Alpvieh – rund 25000 Tiere – auf Rindertuberkulose zwingend untersucht sein müsse. „Die TBC ist noch nicht ausgemerzt und nach wie vor ein Problem.“ Vorangetrieben werden soll auch das Wildtier-Monitoring in Zusammen- arbeit mit der Jägerschaft, von dem sich der Landrat Aufschlüsse verspricht, welche Tierart möglicherweise die andere Art ansteckt. Auch eine Rückkehruntersuchung für Alpvieh im Herbst ist geplant. Allerdings vermisse er, Klotz, in der TBC-Thematik die gute Zusammenarbeit mit den Fachleuten beim Umweltministerium. Langfristig sei eine generelle Untersuchung in Dreijahresintervallen anzustreben, wie sie bis in die 1990er Jahre üblich war. Einmal mehr zeige die aktuelle Diskussion über die Raubtier-Zuwanderung, dass die Berglandwirtschaft Gefahr laufe, bei der Debatte das Heft aus der Hand zu geben, findet der Präsident der Arbeitsgemeinschaft für Bergbauernfragen in Bayern, Alfons Zeller. Sprich: viele andere redeten mit, die in der Praxis nichts mit der Sache zu tun hätten. Inzwischen sei die Landwirtschaft offenbar schon eine zu kleine Gruppierung, um diese Tendenz abzuwehren, fürchtet Zeller. Das gelte für das „Kulturgut Alpwirtschaft“ ebenso wie für die Frage der Tierhaltung oder den Umgang mit den wieder in Erscheinung tretenden Raubtieren. „Die Ansichten der Gutmenschen sind ein Problem für uns“, warnt Zeller vor allzu viel Mitsprache von außen bei Dingen der Landwirtschaft.

In seinem Geschäftsbericht skizzierte Geschäftsführer Dr. Michael Honisch das vergangene Vereinsjahr und stellte die vielfältigen Aufgaben und Tätigkeitsfelder des AVA dar. Der Verein zählt rund 1800 Mitglieder.

Der Viehbestoß war im Vorjahr deutlich geringer als in den Jahren zuvor, stellte Honisch fest. Das wechselhafte Wetter habe dem Vieh insgesamt gut getan, während das Alppersonal mitunter Mühe gehabt habe seine Kleidung trocken zu bekommen, so Honisch im Rückblick.

Josef Gutsmiedl

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