Modernisierung statt Ausbau

Das Wasserkraftwerk im Faltenbachtobel ist schon in Betrieb. Den Bau eines neuen Kraftwerkes am Eybach bei Oberstdorf lehnt der Deutsche Alpenverein ab. Foto: Josef Gutsmiedl

Der Deutsche Alpenverein (DAV) hat in einer Stellungnahme den Bau eines Kleinwasserkraftwerks am Eybach bei Oberstdorf abgelehnt. Für den DAV, der anerkannten Naturschutzverband ist, gelte bei der Nutzung der Wasserkraft: Effizienzsteigerung bestehender Anlagen statt Neubau.

Der zu erwartende Energieertrag des geplanten Kraftwerks am Eybach steht nach Ansicht des DAV in keinem Verhältnis zu den ökologischen Schäden. Auf einer Länge von 1,2 Kilometern solle dem Gebirgsbach laut DAV das Wasser nahezu vollständig entzogen und in ein Druckrohr abgeleitet werden. Durch den stark schwankenden Abfluss entfalle außerdem der Hauptvorteil, den die Wasserkraft gegenüber anderen regenerativen Energiequellen hat, die Grundlastfähigkeit. Nach der „Bayerischen Strategie zur Wasserkraft“ soll deren Anteil an der Energieversorgung Bayerns von 15 Prozent im Jahr 2010 auf 17 Prozent bis zum Jahr 2021 erhöht werden. Das entspräche einer Steigerung der Jahresleistung um 2000 Gigawattstunden. Die Wasserkraft als Energiequelle ist in Bayern laut DAV jedoch weitgehend erschlossen. Bereits jetzt litten viele Flüsse unter der fehlenden ökologischen Durchgängigkeit durch Querverbauungen und einer stark eingeschränkten Gewässerdynamik. Mit der EU-Wasserrahmenrichtlinie bestehe gleichzeitig die Verpflichtung, bis 2015 einen „guten ökologischen Zustand“ für die natürlichen Oberflächengewässer zu erreichen. Davon sind laut DAV viele Flüsse weit entfernt. Ökologie der Gewässer verbessern Beim Ausbau der Wasserkraft an Fließgewässern ist aus Sicht des DAV vorrangig eine Effizienzsteigerung vorhandener Anlagen anzustreben. Kleinwasserkraftwerke, die nicht zur Versorgung von isolierten Standorten notwendig sind, lehnt der DAV ab. Die Auswirkungen auf Natur und Landschaft seien im Verhältnis zur Energieausbeute unverhältnismäßig groß. Im Zuge von Umbaumaßnahmen müssten gleichzeitig die Fischdurchgängigkeit und die Gewässerstruktur verbessert werden. Neue Kleinwasserkraftwerke können laut DAV zur Erreichung der Ziele der Bayerischen Staatsregierung ohnehin nur einen kleinen Beitrag leisten. Dagegen könnten nach einer Potentialstudie von E.ON und den Bayerischen Elektrizitätswerken vom September 2009 durch Modernisierungen und Nachrüstungen bestehender Kraftwerke der beiden Betreiber allein 700 Giga- wattstunden pro Jahr zusätzlich erzeugt werden. Das entspreche theoretisch der Energieerzeugung von rund 1400 zusätzlichen Kleinwasserkraftwerken in der Größenordnung der geplanten Anlage am Eybach. Trotzdem würden solche Kleinkraftwerke mit einer Leistung von weniger als einem Megawatt derzeit an mehreren Stellen geplant. Energieeinsparung und Effizienzsteigerung Nach wie vor seien jedoch viele Probleme durch Wasserkraftanlagen, beispielsweise der Geschiebetransport oder der unbeschadete Abstieg von Fischen, nicht gelöst. Anstatt neue Kraftwerke zu bauen, fordert der DAV die Modernisierung bestehender Anlagen. Aber schon jetzt sei klar: Durch einen Ausbau der Wasserkraft allein ist das Ziel der Bayerischen Staatsregierung nicht zu erreichen. Es brauche konsequente Einsparungen um den Energieverbrauch in Bayern zu senken.

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