Anwohner in Oberjoch und Balderschwang sind verärgert über lautstarke Motorradkolonnen

Motorradlärm: Verstärkte Kontrollen sollen Biker bremsen

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Vernünftige, rücksichtsvolle Biker sind im Oberallgäu willkommen. Den Rowdies will man aber auf den Pelz rücken, um die Anwohner vor dem Motorradlärm zu schützen.

Oberallgäu – Was für die einen Spaß bedeutet, kann andere „ganz schön nerven“ – Stichwort: Motorradlärm. Im Oberallgäu gibt es in dieser Hinsicht Brennpunkte, etwa das Oberjoch, den Riedbergpass und Balderschwang oder die Kreisstraße zwischen Waltenhofen und Buchenberg.

Vertreter der Gemeinden und Behörden überlegten jetzt, wie man gegen den Motorradlärm vorgehen könnte. 

Denn Anwohner der beliebten Motorradstrecken wollen die Dauerbelastung während der Sommermonate nicht mehr „schlucken“. Die Verantwortlichen überlegen, ob befristete Sperrungen und Tempolimits angeordnet werden können, um der Lage Herr zu werden.

„Motorradfahren macht auch Spaß. Wir haben nichts gegen Motorradfahrer grundsätzlich“, sagt der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz. Bei allem Verständnis für die Motorradleidenschaft, die „Spielregeln“ gelten auch für Motorradfahrer, deutet Klotz beim runden Tisch zum Thema „Motorradlärm“ in Sonthofen eingangs an. „Es geht nicht nur um die Gefährdung von anderen Verkehrsteilnehmern, sondern auch um massive Belästigungen der Anwohner der beliebten Motorradrouten.“ Allerdings werde es wohl keine schnelle Lösung geben, um „die Rowdies auf zwei Rädern“ zurückzupfeifen, so Klotz.

„Der Kradverkehr hat immens zugenommen“, beschreibt Jürgen Maurus von der Polizeiinspektion Sonthofen die Situation. Die Polizei achte darauf, dass die „Spielregeln“ eingehalten würden, etwa durch Verkehrskontrollen. Rund 120 Anzeigen wegen Missachtung des Überholverbotes kommen Maurus zufolge jedes Jahr allein in Oberjoch zusammen.

Ein ganz besonderes Phänomen kenne die Polizei längst, fährt Maurus fort: Gruppen von Motorradfahrer aus der Region treffen sich im Oberallgäu. Ein Späher meldet seinen Biker-Kollegen, wenn die Passstraße „frei“ ist – also keine Polizeistreife vor Ort auszumachen ist. Dann lassen es die anderen Biker „krachen“ und rasen den Pass hinauf. „Sobald die Polizei auftaucht, wird das Ganze abgeblasen“, berichtet Jürgen Maurus aus der Praxis. Und noch etwas stellte die Polizei fest: es seien in der Regel die Einheimischen, die Gasgeben und Lärm verursachen.

Diskutiert wurden am runden Tisch Möglichkeiten, dem Problem grundsätzlich Herr zu werden. Bauliche Maßnahmen, etwa der Einbau von Fahrbahnteilern oder Rüttelstreifen wie beispielsweise am Kesselberg in Oberbayern seien bei den engen Passstraßen im Oberallgäu nicht ratsam, betont Thomas Hanrieder vom Staatlichen Bauamt Kempten. „Das sind eigentlich gefährliche Einbauten.“ Zudem seien solche Schikanen auch hinderlich beim Winterdienst und erschwerten das Überholen von Radfahrern. Nachdenken könne man aber über Tempolimits.

Bremswirkung

Befristete Fahrverbote speziell für Motorradfahrer kann sich Bad Hindelangs Bürgermeister Adalbert Martin vorstellen. Es brauche „einschneidende Maßnahmen“, um die Lärmbelästigung für die Anwohner zu verringern: „Da wird man krank!“ Von manchen Stellen der Jochpass-Straße aus werde das ganze Ostrachtal beschallt, klagt Martin und fordert „gravierende Maßnahmen“.

Tina Dörffer aus Oberjoch plädiert als Betroffene des Motorradlärms für lokale Geschwindigkeitsbegrenzungen von 50 km/h und womöglich auch punktuelle und zeitliche Sperrungen für Kräder. Die Oberjöchlerin nennt Beispiele, wo entsprechende Maßnahmen bereits erfolgreich umgesetzt wurden, zum Beispiel in Todtmoos im Südschwarzwald.

„Kontrollen und saftige Strafen helfen“, meint Leonhard Koch von der Straßenmeisterei Sont­hofen. Daran „arbeitet“ auch die Verkehrsüberwachung der Stadt Sonthofen, wie Hans Soul berichtet. So soll in den kommenden Monaten eine spezielle Heck-Blitzanlage angeschafft werden, um zu schnelle Motorradfahrer zu packen. Kosten: 75 000 Euro. „Kontrollen, Kontrollen, Kontrollen!“, rät Soul. „Dann erreichen wir mit Sicherheit etwas.“

Ob dabei allerdings so viel erreicht wird wie in der benachbarten Schweiz, wird bezweifelt. In der Schweiz sind Bußgelder bei Verkehrsverstößen richtig teuer. Zunächst soll die Öffentlichkeit auf das Problem Motorradlärm aufmerksam gemacht werden, so Manfred Berktold, am Landratsamt zuständig für Verkehrsangelegenheiten. Er denkt auch an ein grenzübergreifendes Interreg-Projekt mit Tirol, Vorarlberg und Bayern, das geeignet erscheint, alles unter einen Hut zu bringen: weniger Motorradlärm und angepassten Motorradtourismus. Ziel sei es, die Schwarzen Schafe, die Rowdies, auszubremsen, nicht die vernünftigen Biker, war sich die Runde einig.

Josef Gutsmiedl

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