Brennpunkt Mountainbike: Klare Regeln fehlen noch

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Die „Genussangebote“ (hier der Illerradweg) sind nicht das große Problem. Im Allgäu sorgen die sportlichen „Trails“ für Zündstoff.

Oberallgäu – Das „Spannungsfeld“ Mountainbike-Sport beschäftigte vor Kurzem auch den Kreisauschuss für Entwicklung, Wirtschaft und Tourismus. Die Allgäu GmbH informierte über den Stand des Interreg-Projektes „Mountainbike Netzwerk Allgäu Tirol“.

Dabei zeigte sich: Entscheidend ist die Haftungsfrage, wenn es zu Unfällen, Personen- oder Sachschäden auf ausgewiesenen „Trails“ kommt. Alle Beteiligten warten auf eine klare Regelung duch die Landespolitik, die von der Allgäu GmbH im vergangenen Herbst eingefordert wurde.

„Beide Seiten haben großes Interesse an einer praktikablen Lösung“, berichtete Rolf Eberhardt, Geschäftsführer des Naturpark Nagelfluhkette. Man bemühe sich schon seit langem um eine Lösung bei dem „komplexen Thema“. Es sei inzwischen eine Frage des Willens, des Miteinanders, so Eberhardt. Zielführend sei wohl die Ausweisung eigender MTB-Strecken, die punktuell eine Trennung von Wanderern und Bike-Sportlern bewirke. Das bringe da und dort aber den Bau neuer Wege mit sich, also Kosten.

Auch das Interreg-Projekt „Mountainbike Netzwerk Allgäu Tirol“ soll Lösungen erarbeiten, die den Tourismus um die Komponente Mountainbike ergänzen und dennoch keine neuen Konfliktfelder eröffnen. Seit zwei Jahren sucht die Allgäu Gmbh im Rahmen des Projektes lokale Vorstöße und Angebote unter ein gemeinsames Dach zu bringen. „Es geht nicht darum, eine neue Zielgruppe auszugrenzen“, betonte Bernhard Joachim von der Allgäu GmbH. Es gehe vielmehr um neue Wege des Miteinanders.

Gerade das beschworene Miteinander ist offenbar noch nicht ausgepägt. In der Vergangenenheit kam es immer wieder zu Streitigkeit: Wanderer beklagten den zunehmenden MTB-Betrieb auf „ihren“ Wegen. Die Alpwirtschaft wollte über Viehweiden preschende Mountainbiker genauso wenig hinnehmen wie zerstörte Weidezäune und offene Gatter oder zerpflügte Alp- wege. Nicht zuletzt geht es um Rechtssicherheit und Haftungsfragen. Dies skizzierte die Allgäu GmbH in einem Schreiben an die betroffenen Staatsministerien die Problematik und forderte Unterstützung und für klare Regelung zu schaffen.

Das Interreg-Projekt unter der Regie der Allgäu GmbH will ein attraktives Angebot schaffen, ohne die Belange der Betroffenen zu missachten, deutete Projektleiter Stefan Storf die Zielrichtungan an. In erster Linie sollen bestehende Wege vernetzt und verbessert werden als „Genussangebot“. Als „Zuckerl“ sieht Storf dann die eigentlichen Trails, die das sportlich-orientierte Klientel anziehen sollen.

Aktuell werden flächendeckend mögliche Strecken erfasst und im Anschluss bewertet. Dann gelte es, die Fragen der Haftung und Verkehrsicherungspflicht zu lösen. „Wir kommen weiter, wenn auch in kleinen Schritten“, fasste es Bernhard Joachim zusammen. Auch er appellierte an die Politik, endlich „Leitplanken“ zu setzen, um eine Lenkung vor Ort anzustoßen. Landrat Anton Klotz: „Es sind dringend landespolitische Anweisungen notwendig.“ Man suche eine Lösung im Konsens und sei zur Kommunikation bereit.

Auch Kreisrat Alfons Zeller mahnt die Bringschuld der Politik an. Auf die Mountainbiker könne der Tourismus im Allgäu nicht verzichten. Es brauche Vorgaben, wie Mountainbiker und andere Erholungssuchende zu trennen seien. Man dürfe hier nicht berechnen, welcher Gast mehr Geld liegen lasse. Und: „Die Haftungsfrage muss den Grundbesitzer zu 100 Prozent ausschließen.“

gts

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