Hygiene ist der Schlüssel

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Dr. Alfred Glocker erläuterte die Zwischenbilanz des MRE-Netzwerkes.

Oberallgäu - Multiresistente Erreger (MRE) – mithin krankmachende Keime – sind ein ernst zu nehmendes infektiologisches Problem. Vor allem Kliniken und Pflegeeinrichtungen machen diese Keime zunehmend zu schaffen, wobei das allerdings nichts mit der Sauberkeit in einem Krankenhaus oder Altenheim zu tun hat.

Nach gut drei Jahren berichteten die Vertreter des 2010 gegründeten „MRE-Netzwerkes Oberallgäu“ über die Arbeit und Erfolge. 

„Auch in Deutschland nehmen Antibiotikaresistenzen zu“, schickte Dr. med. Alfred Gocker seinem Bericht voraus. Seit der Entdeckung des Penicillins Ende der 1920er Jahre sind Antibiotika ein Segen für die Medizin bei der Bekämpfung bakterieller Infektionskrankheiten. Inzwischen scheinen Antibiotoka jedoch immer öfter an ihre Grenzen zu stoßen, da sie mit der Zunahme von Resistenzen häufig nicht mehr verlässlich wirken. Glocker: „Durch die Verbreitung der ‘multiresistenten Erreger’ kommt es vermehrt zum Auftreten von Infektionen, die nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr antibiotisch behandelt werden können.“ 

Die wirksame Bekämpfung antibiotikaresistenter Erreger erfordere neben dem kontrollierten Antibiotikaeinsatz ein konsequent durchgeführtes Hygienemanagement. An der Sauberkeit in den Kliniken gebe es allerdings in dieser Hinsicht nichts zu bemängeln, stellen die Fachleute des Netzwerkes einhellig fest. Vielmehr ließen sich die speziellen multiresistenten Erreger im Alltag gar nicht ganz vermeiden. Dr. Glocker zufolge ist weltweit ein Drittel aller Menschen mit dem „Staphylococcus aureus“ besiedelt. An sich nicht schlimm, doch verursache das Bakterium unter bestimmten Bedingungen Infektionen etwa bei geschwächten oder erkrankten Personen. Der Erreger ist meist gut mit Antibiotika behandelbar, wird aber wegen der vermehrt auftretenden Resistenzen als „multiresistenter Staphylococcus aureus“ MRSA zum Problem. 

Die Weiterverbreitung der Keime muss daher möglichst unterbunden werden. Glocker: „Die Verbreitung der Erreger führt vermehrt zu Infektionen, die nur noch eingeschränkt oder gar nicht mehr mit Antibiotika behandelt werden können.“ Und genau das mache den Kliniken zu schaffen. Im Bereich des Klinkverbundes Oberallgäu-Kempten wurden im vergangenen Jahr rund 120 Fälle verzeichnet – bei rund 31000 Patienten. Damit liege man knapp unter dem bundesweiten Durchschnitt. Das „MRE-Netzwerk Oberallgäu / Kempten“ wurde auf Initiative des Gesundheitsamts Oberallgäu im März 2010 als Kommunikationsplattform auf Ebene des Landkreises Oberallgäu und der Stadt Kempten ins Leben gerufen. An dieser Arbeitsgemeinschaft, einer der aktivsten in Bayern, nehmen Vertreter aus allen wesentlichen Bereichen des Gesundheitswesens teil, die mit dieser Problematik bei ihrer täglichen Arbeit konfrontiert sind. Das Gesundheitsamt Oberallgäu handelt dabei auch im gesetzlichen Auftrag. Laut der Bayerischen Medizinhygiene- verordnung „...etablieren die Gesundheitsämter in ihrem Zuständigkeitsbereich regionale Netzwerke zum einrichtungsübergreifenden Management multiresistenter Erreger“. Ein nachhaltiger Erfolg dieser Maßnahmen setzt die Kooperation und Vernetzung aller an der Patientenversorgung beteiligten Institutionen voraus. Ziel der Netzwerkbildung ist der Informationsaustausch, die Erarbeitung regionaler Standards und die Umsetzung bestehender Empfehlungen zu multiresistenten Erregern unter Moderation des örtlich zuständigen Gesundheitsamts. 

Durch ein Bündel von Maßnahmen in Kliniken und Pflegeheimen will das MRE-Netzwerk Oberallgäu/Kempten die Gefährdung durch solche Erreger eindämmen. Landrat und Kliniken Aufsichtsratsvorsitzender Gebhard Kaiser betont: „Die Hygiene und die umsichtige Anwendung von Antibiotika haben einen sehr hohen Stellenwert in den Häusern des Klinikverbundes.“ Moderne Hygienestandards müssen Kaiser zufolge „immer in den Köpfen sein“. 

Im Herbst vergangenen Jahres wurden die örtlichen Hygienekommissionen zusammen- geführt zu einer verbundweiten Kommission und ergänzt durch einen externen beratenden Krankenhaushygieniker. Verschiedene Veröffentlichungen und Handlungsanweisungen sichern die durchgängige Umsetzung der Standards im fachlichen Alltag. 

„Entscheidend ist der fachliche Austausch untereinander, um etwas zu bewegen und voran zu bringen“, lobt Landrat Kaiser die Arbeit des MRE-Netzwerkes, und spornt an zu weiterem Engagement: „Die Weiterentwicklung der Hygiene wird nie beendet sein.“

Josef Gutsmiedl

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