Mit Dolly auf dem Gipfel

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Durch kommen sie immer, die Tragtiere der Bundeswehr. Der Wintereinbruch im Oberallgäu konnte die Mulis jedenfalls nicht aufhalten beim Übungsmarsch zum Naturfreundehaus.

Oberallgäu - Im Rahmen einer Bundeswehrübung kam Besuch aus Oberbayern ins Allgäu. Die Tragtiere der Bundeswehr waren in eine groß angelegte Sanitätsübung in den Allgäuer Alpen eingebunden. Dabei zeigten acht Mulis auch, dass selbst bei widrigsten Witterungsbedingungen und schwierigem Gelände „immer was geht“.

Ein Morgen, an dem man keinen Hund vor die Türe schickt. Es muss schnell gehen, damit die Tiere nach dem Entladen aus dem Transporter nicht nass werden, bevor sie aufgesattelt werden. Es regnet in Strömen und die Soldaten ziehen ihre Feldmützen und Kapuzen der Anoraks über die Ohren als sie zu ihrer „Bergwanderung“ ins Steigbachtal bei Immenstadt aufbrechen. Die Maultiere, die die Soldaten auf dem Weg in den Bergwald führen, zeigen sich gelassen und warten auf das Kommando „Marsch“.

Bewegungsmarsch heißt der Ausflug, der 20 Soldaten und acht Tragtiere zum Kemptener Naturfreundehaus bei Immenstadt führen soll. „Bei der Tragtierkompanie in Bad Reichenhall dreht sich alles um unsere Tiere“, erklärt Steven Pyko, der stellvertretende Tragtier-Zugführer. Pferde – und auch Mulis, die Kreuzung aus Pferdestute und Eselhengst – brauchen jeden Tag Bewegung. Also steht fast täglich ein Marsch auf dem Programm – auch wenn es mit dem eigentlichen Übungseinsatz erst in einigen Tagen losgehen sollte.

Bewegung macht fit. Da geht es den Mulis nicht anders als den Tragtierführern. Nach dem Winter werden die Märsche länger, die Traglasten nach und nach schwerer, damit Soldaten und Tiere ihre Kondition verbessern. „So richtig in Top-Form sind die Tiere im Sommer“, sagt Pyko. „Und die meisten Tragtierführer.“ Rund 80 Kilogramm Last kann ein Muli über längere Strecken und auch in steilem Gelände tragen. Der Packsattel allein wiegt rund 14 Kilo. Kondition ist da kein Fehler. Und Kondition müssen die Tragtierführer mitbringen.

Im Gänsemarsch geht es bergauf. Als „Anton“ ein schwarzes Muli, immer wieder zurückfällt und die Reihe abreißt, befiehlt Pyko Tragtierführerin Andrea Pross mit Anton an die Spitze der Kolonne. Die Soldatin, im Zivilberuf Pferdewirtin, ist bei „den Mulis“ an der richtigen Adresse. „Das passt sehr gut in meine berufliche Laufbahn.“

Anders kam Heiner Freyaldenhoven als Freiwilliger zu den Bundes-Mulis: der junge Mann will zur Polizei und überbrückt die Wartezeit bis zur Einstellung erst einmal bei der Bundeswehr. Dass er dabei bei den Tragtieren – heute bei „Dolly“ – landen würde, hätte er sich nicht träumen lassen. Doch unzufrieden mit dem Job als Tragtierführer sei er nicht. „Da ist man viel draußen...“

Aus dem Regen sind längst dicke Schneeflocken geworden, die auf den Blättern und im Gras liegen bleiben. Auch der Bergweg zum Naturfreundehaus ist schneebedeckt. Immer wieder bilden sich dicke Schnee- und Eisklumpen an den Hufen der Tiere. Die Mulis tragen schon „Sommerreifen“ – in den Wintermonaten werden zwischen Eisen und Huf kleinen Gummischeiben aufgenagelt, damit kein Schnee und Eis am Metall fest frieren kann. Der Oberfeldwebel überlegt einen Moment, ob er den Marsch angesichts der Schneemengen nicht besser abbricht. Aber weit soll's ja nicht mehr sein bis zum Ziel, dem Naturfeundehaus... Dann hat die Tragtierkolonne auf rund sieben Kilometern Wegstrecke gut 700 Höhenmeter geschafft in knapp zwei Stunden. Heute allerdings mit ganz wenig Gepäck; ein Trainingsmarsch.

Erwartet wird die Gruppe aus 20 Soldaten und acht Mulis dort oben nicht – um so größer ist das Hallo, als sie der Hüttenwirt vor dem Haus entdeckt und gleich mal ein paar Fotos schießt von dem nicht alltäglichen Besuch hier oben. „Ihr solltet kommen, wenn die Terasse voller Gäste ist!“ ruft er aus dem Fenster ins Schneetreiben. „Das ist ein ganz normaler Empfang für uns“, meint Oberfeldweben Steven Pyko. „Wir fallen gleich auf mit den Tieren...“ Eine Art Sympathieträger seien die 54 Haflinger und Mulis der Bundeswehr auf jeden Fall. Und wenn die Tragtiere „für Stimmung sorgen“ neben einer Berghütte oder einem Wirthaus, bleiben die Gäste gerne noch ein wenig länger sitzen – und bestellen noch was.

Jetzt erst mal ordentlich einkehren, aufwärmen in der Gaststube. „Sattelgurt lockern. Zügelkreis!“ befieht Pyko. „Dann umziehen!“ Die Soldaten stellen jeweils vier Mulis im Kreis zusammen; ein Tragtierführer nimmt vier Zügelriemen in die Hand und muss aufpassen, dass seine Tiere keinen Unfug abstellen. Ablösung gibt es im Zehn-Minuten-Turnus. Allzu lange dauert die Rast im Schneetreibven heute nicht. Dann heißt es Abmarsch – zurück ins Tal...

Josef Gutsmiedl

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