"Musica sacra an St. Michael"

Mitglieder des St. Michael-Chores anno dazumal. Foto: St. Michael-Chor

Beim St. Michael-Chor Sonthofen war man bescheiden. Obwohl die Vereinigung der Sänger und Sängerinnen seit nunmehr nachweislich 290 Jahren besteht, hat man noch nie ein Jubiläum gefeiert. Das hat sich jetzt aus einem guten Grund geändert.

Die Nachforschungen im Pfarrarchiv zur Erlangung der höchsten Auszeichnungen für Chöre, der Palestrina Medaille vom Allgemeinen Cäcilienverband Deutschland, sowie der Zelterplakette vom Deutschen Chorverband, brachten zum Vorschein, dass die Anfänge des St. Michael-Chores zurück gehen bis in das Jahr 1722. Die Arbeit der Kirchenmusiker und des Kirchenchores in den vergangenen 290 Jahren kann nun in einer interessanten Sonderausstellung im Heimathaus mit alten Dokumenten, Bildern, Noten und Instrumenten besichtigt werden. Damals lebte die Sonthofer Bevölkerung von Flachsanbau und dem daraus sich entwickelnden Gewerbe, ferner aus dem Ertrag der Hüttenwerke und Nagelschmieden. Beide Wirtschaftbereiche dienten als Grundlage für die Entfaltung von Kultur und Künsten, nicht zuletzt der Musik. Anfang des 18. Jahrhunderts gab es wohl keinen Stand, den man so gering schätzte wie den Lehrerstand. Keiner hatte infolgedessen auch mit solchen Nahrungssorgen zu kämpfen wie gerade dieser. So wurde in den meisten Pfarreien der Schuldienst mit dem Mesnerdienst verbunden, der mehr eintrug als das Schulhalten. In Sonthofen dagegen war der Schulmeisterdienst mit dem des Organisten auf dem Kirchenchor verbunden. Er musste daher singen können, oft allein im Wechselgesang mit dem Pfarrer am Altar oder als Chorleiter. Besonderen Wert legte man darauf, dass er im Orgelschlagen ausgebildet war. Man konnte also in Sonthofen nur einen musikalischen Schulmeister haben. Die Bewerber um die Schulstelle heben denn auch in ihren Gesuchen stets ihre Befähigung auf dem Gebiete der Musik hervor. Mehrere Jahrzehnte lang betreute die Musiker-Dynastie Martinides die Schul- und Kirchenmusik in Sonthofen. Wahrscheinlich aus Spanien stammend und in den schwäbischen Raum zugewandert, waren sie als profilierte Schullehrer und Chorregenten in Sonthofen heimisch geworden. Mit den Martinides beginnt ab 1712 bis 1805 die Auflistung der Schulmeister und Organisten auf der Altarrückwand der Kapelle im Ortsteil Margarethen. Anfang des 19. Jahrhunderts bekam der Chorgesang durch das Erwachen nationaler Gefühle neue Impulse, zunächst gefördert von Preußen her durch die Gründung von Liedertafeln und ähnlichen Gesangvereinen. Die Idee ging aus von Johann Friedrich Zelter. Dabei wünschte man das gesellschaftliche Niveau zu heben durch die Integration von Frauen („Liedertafel und Damen-Gesangverein“). Die nächste Stufe war die Gründung von Oratorienvereinen, um die Aufführung großer geistlicher Kompositionen auch außerhalb der Kirchen zu ermöglichen. Die sakrale Musik in St. Michael in den vergangenen 100 Jahren prägten vor allem die Kirchenmusiker Leonard Kappelmayer, Otto Gogl, Richard Waldmüller und Heinrich Liebherr. Gerade aus dieser Epoche sind viele ansprechende Dokumente und Bilder vorhanden. Auch die zum Jubiläum erstellte, fast 150 Seiten umfassende, Festschrift zeigt den historischen Werdegang des Chores mit all seinen positiven und negativen Ereignissen. Das Heimathaus Sonthofen zeigt anläßlich des 290-jährigen Jubiläums vom 3. Juli bis 30. September die Sonderausstellung „290 Jahre St. Michael-Chor Sonthofen - Misica sacra an St. Michael einst und jetzt.“ Öffnungszeiten: Dienstag bis Donnerstag, Samstag und Sonntag von 15 bis 18 Uhr.

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