Vom Alpstieg zur Lebensader

Nach 20 Jahren: Schlussstrich für die Dauerbaustelle Riedbergpass

Riedbergpass Oldtimer-Parade
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Oldtimer-Parade am Riedbergpass
  • VonJosef Gutsmiedl
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Obermaiselstein/Balderschwang – Der letzte Bauabschnitt am Riedbergpass ist fertig. Ein Jahr zu spät, aber noch rechtzeitig zur Jubiläumsfeier.

Mit einem Jahr Verspätung, doch irgendwie auch passend zum Jubiläum „60 Jahre Riedbergpass“ wurde jetzt die Verkehrsfreigabe für die letzten Bauabschnitte gefeiert. Damit sind die rund 20 Jahre dauernden umfangreichen Sanierungs- und Ausbauarbeiten im Zuge der fast 16 Kilometer langen Passüberquerung zwischen Obermaiselstein und Balderschwang „Geschichte“.

In diesen beiden Jahrzehnten wurden rund 80 Millionen Euro für die Kreisstraße aufgewendet, die „Lebensader“ für das Dorf Balderschwang und eine seit langem wichtige Verbindungsstraße zwischen dem Oberallgäu und dem österreichischen Vorarlberg.

30.000 Kilometer Beton

Die Bauarbeiten in den Jahren 2018 bis 2020 betrafen vor allem ein gut 300 Meter langes Teilstück oberhalb des sogenannten Hennenbrunnens, wo die Straße auf die Steigung von 12,2 Prozent gebracht wurde und enge Kurven weiter entschärft wurden. Aufwändigen Felssicherungen waren auch hier notwendig.

Schließlich wurden auf der „Zielgeraden“ des Ausbaus entlang der Schönberger Ach weitere Teilabschnitte fertiggestellt. Walter Dieing von der „oberall bau“, die den Großteil aller Arbeiten des Ausbaus und der Sanierung ausgeführt hatte, stellte mit einigen Zahlen die Dimension der Großbaustelle dar: 20 000 Meter Bohrpfähle aller Stärken wurden zur Sicherung der Trasse im schwierigen Gelände versenkt; 150 000 Kubikmeter Erdbewegungen ausgeführt, 50 000 Kubikmeter Frostschutzkies eingebaut, 30 000 Kubikmeter Beton verbaut.

Verhandlungsgeschick und Beharrlichkeit

Der langjährige „Bauherr“, der ehemalige Oberallgäuer Landrat Gebhard Kaiser, konnte den Schlussakkord nicht mitfeiern und ließ sich entschuldigen mit der Versicherung, dass es ihm „ungeheuer stinke“, beim Abschluss der zwei Jahrzehnte währenden Dauerbaustelle nicht dabei sein zu können.

Stellvertretend erinnerte der Chef der Kreistiefbau-Verwaltung, Christoph Wipper, an die bayernweit einzigartige staatliche Förderung der Bauarbeiten in Höhe von 90 Prozent, die maßgeblich dem Verhandlungsgeschick und der Beharrlichkeit Kaisers zuzuschreiben sei. Auch das ist erst einmal Pass-Geschichte.

Riedbergpass seit 1961

Eine 60-jährige Geschichte, wie Landrätin Indra Baier-Müller, an die Anfänge der Passstraße erinnerte. 104 Grundeigentümer hatten sich Mitte der 1950er Jahre zusammengeschlossen, um die neue Verbindung der Ortschaften Balderschwang und Obermaiselstein zu schaffen. Vier Millionen Mark kostete der Bau damals. Und zehn Jahre lang war die Benutzung mautpflichtig: Eine Mark pro Auto zuzüglich eine Mark pro Insasse. Anfang April 1971 beseitigten die Balderschwanger diesen Zustand, und der Landkreis übernahm den Straßenunterhalt, der sich nicht nur wegen des Winterdienstes als sehr aufwändig erweisen sollte.

Der gut 35 Kilometer lange Weg durch das österreichische Vorarlberg vom Oberallgäu in das kleine Balderschwang war mit der Fertigstellung der Straße im Herbst 1961 Geschichte. Ein Umweg allerdings, der im Zuge der jahrelangen Bauarbeiten an der Straße wegen Vollsperrungen immer wieder notwendig wurde. „Die Straßenverbindung ist für die Balderschwanger und alle anderen Oberallgäuer nicht mehr wegzudenken“, brachte die Landrätin die Bedeutung der Kreisstraße OA 9 auf den Punkt. #

Nur mit Hilfe des Freistaats möglich

„In den Zeiten der Sanierung wurde dies bei Sperrungen immer wieder sehr deutlich.“ Ohne die starke finanzielle Unterstützung durch den Freistaat Bayern und den Bezirk Schwaben wäre ein Projekt dieser Größenordnung nicht zu stemmen gewesen, betonte Indra Baier-Müller. „Das war nicht selbstverständlich.“ Auch die Landrätin bedankte sich ausdrücklich beim ehemaligen Landrat Gebhard Kaiser, dem er seinerzeit gelungen sei, den besonderen Fördersatz auszuhandeln.

Ausstellung im Haus des Gastes

Dem „Pionier“ der Passstraße, dem früheren Bürgermeister von Obermaiselstein, Alois Dauser, sei es seinerzeit ergangen wie den meisten Vorreitern: zuerst belächelt ob der Idee, dann bestaunt wegen des Wagemutes und Erfolges, meinte Obermaiselsteins Bürgermeister Frank Fischer bei der offiziellen Verkehrsfreigabe am Vorabend des Jubiläums „60 Jahre Riedbergpass“.

Das Jubiläum beleuchtete in einer Ausstellung im Haus des Gastes und in einer Filmdokumentationen – arrangiert von Pass-Kenner Alexander Milz – die Vorgeschichte der Straßenverbindung zwischen den beiden Dörfern Balderschwang und Obermaiselstein. Damit alle den Pass „unter die Lupe nehmen konnten“, war er am vergangenen Samstag für mehrere Stunden für den Autoverkehr gesperrt. An mehreren Punkten entlang der Straße gab es Informationen und Hintergrundgeschichten rund um den Straßenbau und die Natur am Pass.

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