Sonthofen verabschiedet Bürgermeister Hubert Buhl

Ein klangvolles Adieu

+
Eine gelungene Überraschung: Hubert Buhl lauschte mit seiner Frau Ingrid auf dem Rathausbalkon den Klängen der Stadtkapelle Sonthofen.

Sonthofen - Mit „Pauken und Trompeten“ – im wahrsten Sinne des Wortes – verabschiedeten am Dienstag die Sonthofer Musikkapellen Hubert Buhl nach 19 Jahren und 4 Monaten aus dem Amt des 1. Bürgermeisters. Sie geleiteten Buhl von seiner letzten Stadtratssitzung im Rathaus zur offiziellen Verabschiedung ins Haus Oberallgäu.

„Wahrscheinlich wollten sie sicher gehen, dass ich auch wirklich nicht mehr ins Rathaus zurückkomme“, scherzte Buhl bei seiner Abschiedsrede. Seine Freude über die gelungene Überraschung konnte er jedoch nicht verhehlen. Ebenso wie über das „Abschiedsgeschenk“ der zehn Sonthofer Feuerwehren: das scheidende Stadtoberhaupt fuhr in der Drehleiter hinter dem Haus Oberallgäu in Richtung des Sonthofer Nachthimmels – während ihm die Wehren auf dem Marktanger mit Blaulicht und Sirene ihren Gruß entrichteten. „Das war phänomenal!“ bedankte sich Buhl, „aber ihr wusstet nicht, dass ich Höhenangst habe, oder?“

„Es gibt kein schöneres Amt, als Bürgermeister einer Stadt sein zu dürfen!“ Ein wenig Wehmut schwang schon mit, als Hubert Buhl in seiner letzten Stadtratssitzung auf die 19 Jahre und 4 Monate seiner Amtszeit zurückblickte – auch wenn er betonte, dass er nun froh sei, die Bürde dieses Amtes nicht mehr tragen zu müssen.

Bundesweite Aufmerksamkeit habe ihm eine seiner ersten Amtshandlungen eingebracht, so Buhl: In seinem „jugendlichen Leichtsinn“ habe er darauf hingewirkt, dass die Tretanlage am Gymnasium abgerissen wurde – in einer Bürgerversammlung war er daraufhin von Jugendlichen als „Tretanlagen-Mörder“ beschimpft worden. Mit dem 1996 eingeführten Jugendparlament soll seitdem in Sonthofen dafür Sorge getragen werden, dass auch die Jugend der Stadt eine Stimme hat und die „Großen“ über ihre Probleme und Ideen informieren kann.

Stadtfest, Kulturtage, Theaterfrühling und Maibaumfeier sind nur einige der Veranstaltungen, die während Buhls Amtszeit eingeführt wurden. Und auch die Liste der Auszeichnungen kann sich sehen lassen: Alpenstadt des Jahres 2005, Fairtrade-Stadt, Europäische Energie- und Klimaschutzkommune und der European Energy Award.

Ein „Sparhaushalt“, zwei Einbrüche in den städtischen Finanzen, aber auch eine stabile Haushaltssituation – Buhl hatte in den vergangenen knapp 20 Jahren mit den unterschiedlichsten Haushaltslagen zu kämpfen. Diese konnte die Gemeinde jedoch meistern, genauso wie diverse wirtschaftliche Krisen, beispielsweise die Insolvenz von Ergee und Hager oder der Weggang von Seidensticker. „Ohne den Mut des Stadtrates“ wären die Krisen schlimmer gewesen, so Buhl in Hinblick auf das Beispiel Hager, dessen Insolvenz durch den Einzug des Allgäu Outlet in das Gebäude für die Gemeinde relativ glimpflich ausgegangen war. Doch auch andere Krisen wie die Hochwasser von 1999, 2003 und 2005, die Bundeswehrreform und die Umstrukturierungen in der Oberallgäuer Kliniklandschaft mussten unter Buhls Amtszeit gemeistert werden.

Mit dem Projekt „Zukunft Sonthofen“ wurden unter hoher Bürgerbeteiligung Strategiekonzepte für die Zukunft Sonthofens erdacht und ausgearbeitet – ebenso wie mit dem 2013 abgeschlossenen ISEK.

„Ich bin dankbar für alle, die mich in den letzten 19 Jahren und 4 Monaten begleitet haben“, richtete Buhl später bei seiner Abschiedsrede im Haus Oberallgäu seinen Dank an die Bürger, Vereine, Unternehmen, die Stadtverwaltung und viele mehr. Dankbar auch für die Nachsicht, die man mit ihm geübt habe, auch wenn er manchmal vor der hilflosen Frage stand: „Welche Entscheidung führt wohin?“

Seinen besonderen Dank richtete er jedoch an seine Familie und an seine Frau Ingrid, die ihn stets unterstützt habe und die wichtige Aufgabe übernommen hatte, ihre Kinder zu verantwortungsvollen Menschen zu erziehen – da habe er durch seinen vollen Terminkalender nicht so viel Anteil daran gehabt, so Buhl.

Ehrenbezeichnung "Altbürgermeister"

Hubert Buhl erhält von Harald Voigt die Urkunde, laut der er die Ehrenbezeichnung „Altbürgermeister“ tragen darf.

„In Anerkennung für all das, was Sie zum Wohle der Stadt und der Bürger getan haben“ habe der Stadtrat beschlossen, Hubert Buhl die Ehrenbezeichnung „Altbürgermeister“ zukommen zu lassen, hatte Harald Voigt zuvor in der Stadtratssitzung erläutert. Buhl, der sich stets als „Steuermann“ der Gemeinde gesehen habe, als Bindeglied zwischen Verwaltung und Bürgerschaft, habe es geschafft, das „Sonthofer Boot“ voranzubringen. Und er habe viele der Ziele, die er sich 1995 gesteckt hatte, erreicht: die Fürsorge für sozial Schwächere, eine sinnvolle Stadtentwicklung, die wirtschaftliche Stärkung der Stadt. Buhl habe es geschafft, eine soziale, umweltgerechte und attraktive Stadt zu gestalten – auch für die Zukunft.

Dass Hubert Buhl ein Bürgermeister für alle war, betonte der Standortälteste Hans Christian Hettfleisch in seiner Rede im Haus Oberallgäu. Es sei nicht in allen Standorten üblich, dass der Standortälteste bei so einem Anlass sprechen dürfe – dies allein zeige schon die Verbundenheit der Stadt mit „ihren“ Soldaten. Auch wenn die wenigsten Soldaten am Standort von „hier“ kämen, so fühlten sie sich doch alle wohl in Sonthofen. Dies sei ein Verdienst von Buhl, der sich auch durch ein starkes persönliches Engagement dafür eingesetzt habe, dass der Standort erhalten bleibe.

„Ich kanns einfach nicht fassen, dass du jetzt nicht mehr Bürgermeister bist. Wer soll mir jetzt die Vorlagen für mein Kabarett liefern?“, scherzte Moderator Max Adolf gegen Ende des Abends. Wer solle ihn, den Berghofer, denn künftig als „Sonthofer mit Migrationshintergrund“ bezeichnen? Auch der Kabarettist bedankte sich bei Buhl und dem scheidenden Stadtrat für den „Einsatz für unsere Heimatstadt Sonthofen“. „Es war it alls grad ganz schlecht mit dir!“

Amtseid des neuen Bürgermeisters

"So wahr mir Gott helfe" – Sonthofens neuer Erster Bürgermeister Christian Wilhelm beim Amtseid.

In jedem Abschied steckt ein Neuanfang – so legte in der letzten Sitzung des alten Stadtrates auch schon der neue 1. Bürgermeister Christian Wilhelm seinen Amtseid ab. „Ich schwöre Treue dem Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und der Verfassung des Freistaates Bayern, Gehorsam den Gesetzen und gewissenhafte Erfüllung meiner Amtspflichten, so wahr mir Gott helfe!“ Mit diesen Worten wurde Christian Wilhelm vereidigt. Nach der Vereidigung übergab Altbürgermeister Hubert Buhl seinem Amtsnachfolger die Amtskette. Wie Buhl erzählte, war die ursprünglich vorhandene Amtskette Anfang Mai 1945 beim Brand des damaligen Rathauses zerstört worden. Die neue Amtskette, auf der mit ihren Wappen die Geschichte Sonthofens dokumentiert ist, hatte der damalige Erste Bürgermeister Alois Waltenberger 1963 anlässlich der Stadterhebung erstmals getragen.

Eva Veit

Auch interessant

Meistgelesen

Mächtig was los beim Stadtfest Sonthofen
Mächtig was los beim Stadtfest Sonthofen
Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Reichsbürgerhort im Oberallgäu?
Reichsbürgerhort im Oberallgäu?
Gemeindefest als Lutherfest in Oberstaufen
Gemeindefest als Lutherfest in Oberstaufen

Kommentare