Ifen: Mit der "Olympiabahn" blitzschnell zur Bergstation

Neue "Schnellbahn" am Ifen

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Der Nachwuchs der Skiclubs setzte auf „Nachbarschaft“ und startete unter den Augen der beiden Pfarrer Frank Witzel (hintere Reihe von links) und Konrad Netter und Geschäftsführer Augustin Kröll mit der neuen Olympiabahn ins Skigebiet; vorne (von links) Christoph Hinteregger von der Firma Doppelmayr, Hermann und Robert Haller (beide Miteigentümer Skiliftgesellschaft links der Breitach), Michael Lucke (Beiratsvorsitzender), Geschäftsführer Dr. Andreas Gapp, Anton Haller (Miteigentümer), sowie die Bürgermeister Andreas Haid und Laurent Mies.

Kleinwalsertal – Ein langer Anlauf – und dann ging es ganz schnell mit dem nachbarschaftlichen Brückenschlag im Kleinwalsertal. Nach nur achtmonatiger Bauzeit wurde jetzt die neue „Olympiabahn“ am Ifen eröffnet. Nicht nur die Bauzeit ist rekordverdächtig.

Die Seilbahn am Ifen ist in der Tat die schnellste Bergbahn in Vorarlberg und in Deutschland und bringt ihre Passagiere mit einer Geschwindigkeit von sechs Metern in der Sekunde, also 21,6 Stundenkilometern auf den Berg.

„Ein historischer Tag, eine neue Ära beginnt am Ifen!“, sagte der Geschäftsführer der „Skigesellschaft links der Breitach“, Augustin Kröll, zum Auftakt der offiziellen Eröffnung der neuen Olympiabahn im Skigebiet Ifen. Das Ziel, die neugebaute Bahn zum Saisonbeginn in Betrieb nehmen zu können, wurde mit einer Punktlandung erreicht – allein, es fehlte der richtige Schnee. Doch wer die Bahn als Skifahrer testen wollte, kam dennoch auf seine Kosten: Dank der neuen Beschneiungsanlage konnte zum Auftakt und der Jungfernfahrt der Olympia­bahn immerhin eine schmale Piste präpariert werden. „Die fährt ja wie der Teufel...“ lobte einer der ersten „Vorläufer“ die neue schnelle Bahn. Die Bahn ist nicht nur schnell, sondern Dank Sitzheizung und Wetterschutzhaube auch sehr komfortabel. Wer allerdings etwas Beschaulichkeit sucht, dem steht nach wie vor die alte Sesselbahn zur Verfügung, die mit 1,8 Meter pro Sekunde am Bergpanorama vorbeifährt.

Den Erfolg der Punktlandung und des erfolgreichen Abschlusses des ersten Etappenziels am Ifen konnte Kröll kaum fassen: „Jetzt stehen wir da und freuen uns...“ Von April bis Ende November ging es richtig rund am Fuß des Ifen. Das Skigebiet verfügt jetzt neben der modernen 6er-Sesselbahn auch über eine zeitgemäße Beschneiungsanlage inklusive Trinkwasser- und Abwasserleitung. Damit können 13 Kilometer Piste beschneit werden. Der weitestgehend in die Landschaft eingebettete Speicherteich fasst 100 000 Kubikmeter Wasser. In wenigen Jahren werde man denken, der Teich sei schon immer dagewesen.

Fast 17 Millionen Euro hat die „Skigesellschaft links der Breitach“ in die Neuerungen am Ifen investiert. Die neue Gesellschaft ist der Zusammenschluss der ehemaligen Skigebiete der Kleinwalsertaler Bergbahnen, Ifen und Walmendingerhorn, sowie der Heubergarena. Michael Lucke vom Allgäuer Überlandwerk AÜW und Beiratsvorsitzender der Skigesellschaft, erinnerte an die jüngste Vorgeschichte der Modernisierungsoffensive am Ifen. Pläne zur Erneuerung der Anlagen gab es schon im Jahre 2010, und man sei überzeugt gewesen, dass das Konzept die Region deutlich stärke. „Doch die Menschen im Tal haben uns deutlich gesagt, dass wir noch einmal nachdenken sollen“, so Lucke. Das habe man getan und mit einem Geist des nachbarschaftlichen Miteinanders das geschaffen, was heute hier eröffnet werde. Im Jahr 2012 hatten die Walsertaler das Projekt einer sogenannten Panoramabahn ebenso abgelehnt wir einen Ausbau des Alpbords am Ifengipfel.

„Das Ergebnis kann sich sehen lassen“, unterstreicht Lucke. Man habe mit vielen Bällen jongliert, aber nur wenige seien runtergefallen, skizziert er das Bild der vielen Einzelfragen, für die es galt, Lösungen zu finden. „Ich jedenfalls habe keinen Ball gefunden.“ In seiner Bilanz meint Michael Lucke abschließend: „Es sind die Menschen, die die Dinge prägen.“ Ein paar technische Details seien Lucke zufolge durchaus bemerkenswert. So könnte die schnelle Olympiabahn 2 000 Personen pro Stunde nach oben bringen. „In fünf Stunden sind alle Oberstdorfer nach oben transportiert“, rechnet Lucke vor. Und stolze 23 Kilometer Piste entspreche der Strecke von Immenstadt nach Kempten. „Viele Superlative.“

Froh über den „Meilenstein“ am Ifen zeigt sich auch der Bürgermeister des Kleinwalsertales, Andreas Haid. Es sei gelungen, die Menschen im Tal nach der Abstimmung über die Panoramabahn wieder zusammenzuführen. „Das ist heute ein großer Schritt für das Skilift-Unternehmen aber auch für die Talschaft.“ Was den Naturschutz angehe, trage das neue Konzept den Wünschen der Menschen Rechnung: keine Talüberspannung und Freihaltung des Alpbords. Vor allem sei es gelungen, den Neubau ohne Rechtsstreit auf den Weg zu bringen, freut sich Haid über die „Verständigung auf höchster Ebene“. Das könne sich sehen lassen.

Olympiabahn heißt der Skilift übrigens, weil die deutsche Alpin-Nationalmannschaft vor den Olympischen Winterspielen 1936 wegen Schneeknappheit in Garmisch-Partenkirchen nicht trainieren konnte und ins Kleinwalsertal ausgewichen war. Seitdem hatte der Hang seinen Namen weg und der Lift auch.

Die beiden Geistlichen im Kleinwalsertal beschworen bei der kirchlichen Segnung der neuen Olympiabahn den Geist der guten Nachbarschaft links und rechts der Breitach, sprich: zwischen Oberstdorf und dem Kleinwalsertal. Es habe sich alles „gut gefügt“; jetzt sei es daran, das Erreichte so einzusetzen, dass auch kommende Generationen Freude daran haben könnten.

Am Ende ist man am Ifen noch längst nicht. „Wir haben noch viel vor“, so Dr. Andreas Gapp, Geschäftsführer der Skiliftgesellschaft. Schon im kommenden Jahr soll es mit Volldampf weitergehen, wenn die Ifen- und Hahnenköpflebahn modernisiert werden. Die beiden Sesselbahnen sollen durch moderne 10er-Kabinenbahnen ersetzt werden.

Mit der "Olympiabahn" auf den Ifen

Josef Gutsmiedl

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