Nachholbedarf auf der Wiese

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JOSEF GUTSMIEDL, Hinterstein – Dass sich Landwirtschaft und Naturschutz optimal ergänzen können, zeigte vor kurzem eine Aktion auf einer Magerrasen-Weide im Hintersteiner Tal. Auf einer extensiv genutzten Alpweide ziehen Bergbauern der Wald- und Weidegenossenschaft Hinterstein und Naturschützer an einem Strang, um wertvolle Kulturlandschaft und die seltene, typische Vegetation zu erhalten. Ein Beitrag zum Erhalt der Artenvielfalt und zugleich eine Maßnahme zur Offenhaltung der Landschaft. Ein richtiger Arbeitseinsatz war es, den die Mitglieder der Wald- und Weidegenossenschaft Hinterstein an einem Samstag im Frühherbst lieferten: rund 30 Jugendliche, Frauen und Männer packten zu, kappten Büsche, fällten kleine Bäume oder „fütterten“ den Häcksler mit Zweigen und Ästen. Ziel der mehrstündigen „Fronarbeit“ auf den Buckelwiesen bei Hinterstein war es, eine mehrere Hektar große Alpwiese von Wildwuchs zu befreien, der sich in wenigen Jahren eingefunden hatte. Dabei waren es nicht einmal in erster Linie die aktiven Bauern der Genossenschaft, die sich bei der Entbuschungsaktion ins Zeug legten. Von den knapp 50 Mitgliedern der Wald- und Weidegenossenschaft seien gerade mal sieben „richtige Landwirte“, wie Vorstand Peter Schratz erklärte. Wenn die Genossenschaft zweimal jährlich zu einem Gemeinschaftstag einlädt, sind alle mit Eifer dabei, nicht zuletzt die Jungen. Ganz freiwillig ist der Dienst allerdings nicht: In den Statuten der Genossenschaft ist der Einsatz verpflichtend vorgeschrieben – oder ein entsprechender Gegenwert in Geld wird einbehalten. Letztendlich soll der gemeinsame Einsatz auf den Buckelwiesen das „nachholen“, was früher die Landwirte im Tal quasi nebenher leisteten. Heute, so berichtet Bad Hindelangs Bürgermeister Adalbert Martin über die Hintergründe, könnten die verbleibenden sieben landwirtschaftlichen Betriebe mit gerade mal 70 Stück Vieh im Tal diese Arbeit nicht mehr leisten. „Die nachhaltige Freihaltung der hochwertigen Kulturlandschaft ist vor allem in tieferen Lagen ein Problem geworden“, so Martin zu diesem Aspekt des Strukturwandels im Bergland. Der Viehbesatz sei rückläufig, wie Peter Schratz ergänzt. Die Magerrasen-Buckelwiesen würden als Vor- und Nachweide für das Alpvieh genutzt, doch längst nicht so intensiv, dass eine Verbuschung verhindert werde. Schließlich bliebe den Bauern nicht die Zeit, um diese Erscheinung dauerhaft zu verhindern. Um so wichtiger seien hier die Projekte und das gute Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft. Verbuschung und fortschreitende Verwaldung bedrohen langfristig die Artenvielfalt und veränderten das Landschaftsbild. Und dieser Entwicklung gelte es entgegen zu wirken, auch um die Landschaft für den Tourismus in der Region attraktiv zu erhalten, stellt Bürgermeister Martin weiter fest. Diese wertvollen Lebensräume soll das Miteinander von Landwirtschaft und Naturschutz besser sichern, meint auch der Oberallgäuer Landrat, Gebhard Kaiser. „Alp- und Forstwirtschaft, Landwirtschaft und Tourismus gehören hier zusammen“, betonte er bei einem Besuch des Arbeitstrupps. Mit dem früheren Erschwerausgleich und heutigen Vertragsnaturschutz fördere der Freistaat Bayern die Bewirtschaftung extensiv genutzter Flächen. „So wurde ein einmaliges Miteinander von Naturschutz und Landwirtschaft erreicht“, sagte Kaiser. Im Landkreis nähmen fast 1000 Landwirte die Förderung über den Vertragsnaturschutz in Anspruch. Die Maßnahmen im Hintersteiner Tal sind eingebunden in das so genannte BayernNetz Natur. Das Projekt soll landesweit einen Biotop-Verbund verwirklichen. In Schwaben sind mittlerweile 46 Projekte mit von der Partie, Bayern weit laufen derzeit 347 Projekte, wie Christine Simlacher, vom betreuenden Planungsbüro für angewandten Naturschutz in München erklärt. Freiwilligkeit und Zusammenarbeit seien die beiden Grundprinzipien von BayernNetz Natur. Simlacher: „Jeder kann, keiner muss.“ In Bad Hindelang „schon viel passiert“, lobt sie die Zusammenarbeit und verweist auf die Adlerfarn-Projekte und Bekämpfung der Verbuschung von Bergweiden bei Vorderhindelang.

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