Streit über Kraftwerkspläne

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Beitrag zur Energiewende oder Todesstoß für eine einzigartige Landschaft? Naturschützer und Planer sehen den Kraftwerksbau an der Ostrach ganz unterschiedlich.

Bad Hindelang - Die Pläne für ein Wasserkraftwerk an der „Eisenbreche“ im Ostrachtal stoßen beim Bund Naturschutz in Bayern (BN) auf scharfe Kritik. 

Bei allem Verständnis für den Ausbau regenerativer Energien müssten hier ökologische vor ökonomische Interessen gestellt werden. Bei der Planungsgesellschaft Kraftwerk Älpele dagegen spricht man von einem „Einklang bei der Nutzung der Wasserkraft und Erhalt wertvoller Natur“, und einem lokalen Beitrag zur Energiewende. 

„Ein Wasserkraftwerk am Naturdenkmal Eisenbreche würde einen der wenigen intakten Natur- und Landschaftsräume in Bayern zerstören. Hier hat der Naturschutz eindeutig Vorrang vor der Energieerzeugung“, so Prof. Dr. Hubert Weiger, Landesvorsitzender des BN. „An der behördlichen Entscheidung zum Wasserkraftwerk Eisenbreche im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen wird ersichtlich, ob die ökologischen Leitplanken der Energiewende eingehalten werden.“ 

Ganz anders beurteilt man das Projekt bei der Planungsgesellschaft. „Saubere Stromerzeugung im Einklang mit dem Naturschutzgebiet und dem Naturdenkmal Eisenbreche – unser Beitrag zur Energiewende!“ heißt es im aktuellen Internet-Blog unter www.aelpele-eisenbreche.blogspot.de. Dr. Jochen Damm, Geschäftsführer der Planungsgesellschaft Kraftwerk Älpele kontert die BN-Stellungnahme: „Der Bund Naturschutz schürt mit seinen Behauptungen unbegründet die Ängste der Menschen. Es werden Aussagen aus bestehenden Naturschutzgutachten ignoriert. Danach wird der Lebensraum für Tiere und Pflanzen nur im geringen Maße beeinflusst.“ 

Die Einzigartigkeit des Naturdenkmals Eisenbreche werde so gut wie kaum bedroht. Die Planung wurde dahingehend optimiert, die Eingriffe in der Natur möglichst gering zu halten (sehr hohe Restwassermenge, unterirdischer Leitungs- und Kabelverlauf). Auf der anderen Seite seien die geplanten Ausgleichsmaßnahmen in der Natur (neuer Seitenarm in der Ostrach, Entwicklung von Magerwiesen und hochwertigen Mischwäldern) „mehr als dreifach so hoch wie gesetzlich erforderlich“. Somit finde gesamtökologisch keine Abwertung, sondern eine Aufwertung des Naturschutzgebietes statt. „Ganz zu schweigen von der Vermeidung enormer Mengen CO2, die wegen des Kraftwerksbaus nicht in die Umwelt ausgestossen werden“, betont Damm. 

Schon in den 1950er Jahren gab es Pläne für ein Kraftwerk an der Eisenbreche. Damals wurde die Klamm als Naturdenkmal unter Schutz gestellt. Im Jahr 2001 war der Antrag für ein Wasserkraftwerk von der Regierung von Schwaben abgelehnt worden. Jetzt hat die neu gegründete Planungsgesellschaft mit der Marktgemeinde Bad Hindelang, den E-Werken Hindelang eG, der Wald- und Weidegenossenschaft Bad Oberdorf und der Galtalpe Erzberg erneut einen Vorstoß für ein Wasserkraftwerk an dieser Stelle gewagt. Geplant ist eine fünf Meter hohe Staumauer, eine 1,25 Kilometer lange, verrohrte Ausleitung und ein Kraftwerkshaus. 

Betroffen von der Ausleitung seien sowohl die Umlagerungsstrecken im Bereich des Erzberghofs als auch die spektakuläre Wildwasserklamm, die „Eisenbreche“ an sich, befürchtet man beim BN. „Durch den Aufstau der Ostrach vor dem Staudamm und die Ausleitung von mitunter mehr als 50 Prozent des Wassers aus der Ostrach werden geschützte Arten und Biotope stark beeinträchtigt“, so Julia Wehnert, Geschäftsführerin der BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu. 

Zusätzlich sei auch „eine massive landschaftsästhetische Beeinträchtigung einer der letzten Abschnitte intakter Landschaft“ zu erwarten, betont der BN weiter. Technische Bauwerke wie Staudamm und Kraftwerkshaus zeigten hier einerseits ihre Wirkung. Vor allem aber werde der Ostrach und der Eisenbreche das Wasser entzogen. Ein alpiner Wildbach lebe aber von seinem tosenden Wasser. Verschwinde dieses zu großen Teilen in unterirdischen Rohren, sei auch der Natureindruck eines Wildbaches dahin. „Der erwünschte gute Zweck zerstört in diesem Fall wertvollste Allgäuer Naturlandschaft“, kommentiert Karl Stiefenhofer, Vorsitzender des Heimatbundes Allgäu die Planungen. 

Auch dieses Argument lässt Damm nicht gelten. Von der Straße aus seien weder Kraftwerk noch Rohrleitung zu sehen. „Eine Zerstörung von Natur und Landschaft wie sie der BN befürchtet, wird es nicht geben“, so Damm. 

„Wir sind auch keine anonymen Fremdinvestoren“, fährt Damm fort. „Die Gesellschafter treten seit Jahrzehnten und Jahrhunderten als Bewahrer und Schützer des Ostrachtals und seiner Naturschönheiten auf.“ „Wir haben mit dem Bürgerkraftwerk Älpele einen Weg gefunden, die Nutzung der Wasserkraft bei Erhalt der Natur voran zu bringen.“ Immerhin könne das Kraftwerk mit einer Leistung von rund neun Millionen Kilowattstunden Strom - rechnerisch - rund 2700 Haushalte versorgen. „Etwa ein Drittel der Haushalte im Ostrachttal“, sagt Jochen Damm und verweist auf die „ehrlichen Informationen“ des Blogs der Planungsgesellschaft.

Josef Gutsmiedl

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