Umstrittenes Kraftwerk an der Eisenbreche darf doch nicht gebaut werden

Kraftwerk Älpele: Gericht hebt Genehmigung auf

Das Verwaltungsgericht Augsburg hat in einer Entscheidung den Genehmigungsbescheid des Landratsamtes Oberallgäu für das Wasserkraftwerk Älpele aufgehoben. Gegen das Projekt hatten Naturschutzverbände geklagt, die durch den Kraftwerksbau massive Verschlechterungen des Lebensraumes befürchteten.

Mit dem geplanten Kraftwerk, so die Planungsgesellschaft, hätte „regenerativer Strom“ für rund 2700 Haushalte erzeugt werden können.

Vergangenen Dienstag wurden vor dem Verwaltungsgericht Augsburg die Klagen des Landesbundes für Vogelschutz LBV und des Bund Naturschutz BN gegen die Genehmigung eines Wasserkraftwerks am Naturdenkmal Eisenbreche im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen in der Gemeinde Bad Hindelang verhandelt. Das Gericht sieht durch den Bau des Wasserkraftwerks erhebliche Beeinträchtigung verschiedener wertvoller Lebensräume und Arten. Das betrifft bedrohten Lebensraum alpine Wildflüsse, aber auch Fischarten wie Mühlkoppe oder Bachforelle. Das Vorhaben würde zu einer deutlichen Verschlechterung des gesamten Ökosystems im Bereich Eisenbreche führen.

„Wir begrüßen die Entscheidung des Gerichts, dass Wasserkraft nicht automatisch Vorrang gegenüber Natur- und Landschaftsschutz genießt“, so Dr. Norbert Schäffer, Vorsitzender des LBV in einer ersten Stellungnahme. „Die Ostrach bleibt somit als eine der letzten naturnahen Alpenwildflusslandschaften und damit Lebensraum für viele geschützte Tier- und Pflanzenarten erhalten.“ „Wir freuen uns, dass das einzigartige Naturjuwel Eisenbreche im Naturschutzgebiet Allgäuer Hochalpen auch für kommende Generationen als unberührte spektakuläre Wildflussklamm erhalten bleibt“, kommentiert der BN-Landesgeschäftsführer Peter Rottner den Erfolg vor dem Verwaltungsgericht Augsburg. „Wir hoffen, dass mit diesem Urteil auch ein Zeichen gegen weitere geplante Wasserkraftwerke in Naturschutzgebieten gegeben wurde.“

Geplant war eine fünf Meter hohe Staumauer mit Stausee, eine etwa 1,25 Kilometer lange, verrohrte Ausleitung und ein Kraftwerkshaus. Betroffen von der Ausleitung sind sowohl die Wildflusslandschaften oberhalb der Eisenbreche als auch die spektakuläre Wildwasserklamm, die „Eisenbreche“ an sich. Durch diese vom Wasser über Jahrtausende ausgewaschene und heute tief in die Allgäuer Berglandschaft eingeschnittene Klamm stürzt das Wasser der Ostrach in Richtung des Bad Hindelanger Ortsteiles Hinterstein. Mit dem Wasserkraftwerk wären dem Naturdenkmal zeitweise 70 bis 80 Prozent seines Wassers entzogen worden. Auf der anderen Seite wäre wegen der stark schwankenden Wasserstände das Kraftwerk voraussichtlich an 165 Tagen im Jahr nicht in Betrieb. „Dafür einen der letzten natürlichen Wildflussabschnitte des Allgäus zu opfern ist unverantwortlich“, so Christine Speer, Vorsitzende der BN-Kreisgruppe Kempten-Oberallgäu.

LBV und BN hoffen, dass die Belange des Natur- und Artenschutzes bei den Baugenehmigungsverfahren im Landkreis Oberallgäu, wie etwa am Riedberger Horn, in Zukunft umfassend gewürdigt werden. Auch die Oberallgäuer Grünen begrüßen die Gerichtsentscheidung zur Eisenbreche. Der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz habe wissentlich alle Bedenken aus dem Umweltministerium, von Naturschützern und Grünen in den Wind geschlagen und sogar bestehende Naturschutzgesetze außen vorgelassen, betonen die Allgäuer Landtagsabgeordneten Thomas Gehring und Ulli Leiner. „Dafür hat er jetzt die Quittung bekommen“, erklärte Ulli Leiner.

Thomas Gehring hatte den Landrat vor der Weiterführung seines Vorhabens gewarnt: „Es macht doch keinen Sinn mit dem Kopf ausgerechnet dort durch die Wand zu wollen, wo diese am dicksten ist, statt nach einer Türe zu suchen.“ Wasserkraftwerke seien wertvolle Energieerzeuger im Allgäu. Aber auch hier gelte es den Naturschutz zu beachten. Die Grünen Landtagsabgeordneten Thomas Gehring und Ulli Leiner lehnten dieses Vorhaben von Beginn an ausdrücklich ab, weil das Wasserkraftwerk im Naturschutzgebiet der Allgäuer Hochalpen liegt und unter mehrfachem besonderen Schutz steht. „Vielleicht ist es für den CSU-Landrat nun der hilfreiche Schuss vor den Bug, um in den Bestrebungen zum Eingriff in die geschützte Natur am Riedberger Horn gerade noch rechtzeitig die Reißleine zu ziehen“, so Thomas Gehring.

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