Zu klein, zu eng, ungünstig gelegen: Die Bergwacht Sonthofen braucht ein neues Depot

Neue Einsatzzentrale für die Bergwacht Sonthofen: es mangelt noch an Geld

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So soll die neue Einsatzzentrale der Bergwacht Sonthofen am Hubschrauber-Landeplatz der Klinik Sonthofen aussehen.

Sonthofen – Die Bergwacht Sonthofen braucht eine neue Einsatzzentrale – die derzeitige in der Karl-Hirnbein-Straße ist schlicht zu klein, ungünstig gelegen und hat unpraktikable Räumlichkeiten. Was den Helfern jetzt noch fehlt ist Geld.

Sonthofen – Ein Unfall beim Wandern oder beim Skifahren, verunglückte Kletterer, Mountainbiker, Gleitschirmflieger oder Canyoning-Sportler – das Einsatzspektrum der Bergwacht Sonthofen ist in den letzten Jahren immer weiter gewachsen.

„Kaum jemand hat eine Vorstellung davon, was wir alles leisten!“, sagt Bereitschaftsleiter Bernd Zehetleitner. In einem Gebiet vom Grünten über die Sonnenköpfe, die Hörnergruppe bis nach Balderschwang und das Gunzesrieder Tal hilft die Sonthofer Bergwacht Menschen, die in Not geraten sind, gestürzt sind oder sich schlicht nicht mehr herunter trauen. Auch bei Forstunfällen in bergigem Gebiet oder der Suche nach vermissten Personen werden sie zu Hilfe gerufen.

Für die Vermisstensuche hat die Bergwacht Sonthofen gar eine Spezialistengruppe. Mit ihrem Spezialfahrzeug, das mit modernster Ortungstechnik und Flugdrohnen ausgestattet ist, haben sie Einsätze in ganz Südschwaben. Zusätzlich zu den „normalen“ Bergwachtaufgaben kümmern sich die Sonthofer Bergretter um verun- glückte Canyoning-Sportler im gesamten Allgäu, da sie auch hierfür Spezialisten haben. Insgesamt wird die Bergwacht Sonthofen zu etwa 500 alpinen Rettungseinsätzen im Jahr gerufen; sie ist eine der drei meistgeforderten Bergwachten in Deutschland, erzählt Zehetleitner – neben Oberstdorf und Garmisch-Partenkirchen. Die 40 aktiven Sonthofer Bergwachtler bringen pro Jahr etwa einen ganzen Monat nur für die Bergwacht auf – Bereitschaftsdienste, Einsätze, Übungen,... Und das im Ehrenamt, neben ihrer Arbeit. „Für andere Hobbies bleibt da kaum Zeit“, so Zehetleitner weiter.

Eine neue Einsatzzentrale

Seit 30 Jahren hat die Bergwacht Sonthofen ihr Depot im Rotkreuz-Haus in der Karl-Hirnbeinstraße. Doch inzwischen ist es dort einfach zu eng geworden: für fünf Fahrzeuge und zwei Anhänger gibt es nur eine Doppelgarage – was besonders im Winter schlecht ist, wenn vor einem Einsatz noch die Fahrzeuge von Schnee und Eis befreit werden müssen. Zudem müssen sämtliche Ausrüstungsgegenstände erst umständlich über eine Wendel- treppe nach unten gebracht werden, von den fehlenden Lagermöglichkeiten und gemeinsamen Umkleideräumen für Männer und Frauen ganz zu schweigen. Auch die Lage in der Innenstadt ist ungünstig: Zum einen liegt der Hubschrauberlandeplatz, auf den die Bergwacht oft angewiesen ist, beim Krankenhaus, zum anderen ist es schlicht gefährlich, wenn die Bergwachtler bei einem Einsatz – wo es schnell gehen muss – durch den Verkehr der Innenstadt müssen.

Das Grundstück für die neue Einsatzzentrale der Bergwacht Sonthofen ist bereits gefunden: Die Stadt Sonthofen stellt ihr am Krankenhaus neben dem Hubschrauberparkplatz Grund zur Verfügung. Auch Pläne für die Zentrale gibt es schon. Jetzt geht es „nur“ noch darum, das Projekt zu finanzieren. Rund 800.000 Euro soll der Neubau kosten – und das ohne jeglichen Schnick-Schnack, wie Zehetleitner betont: „Das Gebäude erfüllt den Status der Zweckmäßigkeit und Wirtschaftlichkeit. Nicht mehr, aber auch nicht weniger!“

Das Problem:  Die Finanzierung

Die Bergwacht muss die Finanzierung ihrer neuen Einsatzzentrale selbst sicherstellen. Ihr stehen keine staatlichen Zuschüsse zu. Bis Anfang Juli muss sie dem Rotkreuz-Landesausschuss ein Finanzierungskonzept vorlegen, wenn sie im September mit dem Neubau beginnen will. Die Zeit drängt also. Durch Eigenkapital und Eigenleistung der Mitglieder ist schon ein Teil der Finanzierung gesichert. Jetzt hofft Zehetleitner auf Zuschüsse der Gemeinden, deren Gebiet die Bergwacht Sonthofen betreut. Schließlich, so Zehetleitner, sorgt die Bergwacht für die professionelle und schnelle Rettung verunglückter Einheimischer und Gäste. Umliegende Gemeinden haben bereits Unterstützung zugesagt – Burgberg und Blaichach je 30.000 Euro, Rettenberg 20.000 Euro. Aus den Hörnerdörfern hofft die Bergwacht auf insgesamt 100.000 Euro.

Am Dienstag entscheidet der Finanzausschuss in Sonthofen über einen Zuschuss für das neue Bergwachtdepot. Die Bergwacht hat einen Zuschuss von 300.000 Euro beantragt, im Haushalt der Stadt Sonthofen, „Alpenstadt des Jahres 2005“, sind 200.00 Euro eingeplant, aber noch nicht beschlossen. Die Bergwacht hofft natürlich auf mehr, vor allem wenn man die Zuschüsse der Gemeinden Immenstadt und Bad Hindelang für ihre jeweiligen Bergwachten betrachtet.

Den Rest der Finanzierung hoffen die Bergretter über Spenden einheimischer Unternehmen – insbesondere touristischer Betriebe – und der Bevölkerung sichern zu können. Weitere Infos auf der Homepage der Bergwacht Sonthofen, www.bergwacht-sonthofen.de.

Wer die Bergwacht unterstützen, kann auf folgende Konten spenden:

Sparkasse Allgäu, Konto-Nr. 333 500, BLZ 733 500 00

Raiffeisenbank KE-OA, Konto-Nr. 960500, BLZ 733 699 20.

Eva Veit

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