Geld sammeln für Komfort

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Die alten Großraumkabinen der Nebelhornbahn sollen bald „Schnee von gestern“ sein. Schon im kommenden Jahr fällt der Startschuss für den Neubau der Seilbahn.

Wer ein Stück Heimat, genauer gesagt: Anteile an einer Bergbahn im Oberallgäu, erwerben will, hat dazu demnächst die Gelegenheit dazu. Im Zuge einer Kapitalerhöhung gibt die Nebelhornbahn AG bis zu 338 000 neue Aktion aus, die bis Mitte Oktober vorrangig an bestehende Aktionäre verkauft werden.

Doch auch Neueinsteiger können mit etwas Glück Aktien über ihre Bank erwerben. Das Grundkapital der Aktiengesellschaft soll damit erhöht werden; entsprechend fallen die Anteile der Großaktionäre – die Marktgemeinde Oberstdorf, die Kleinwalsertaler Berg- bahnen AG und die Lechwerke AG – unter die 25-Prozentmarke.

Genau um diese Marke geht es, was die staatliche Förderung des Neubaus abgeht. Neben den drei Hauptaktionären haben etwa 1300 private Anleger Aktien der seit 1928 an der Münchner Börse notierten Nebenhornbahn AG. Die „aktiven“ Aktionäre bekommen über ein Bezugsrecht Aktion im Verhältnis 3:1 angeboten zum Ausgabepreis von 28,50 Euro. „Drei alte Aktien berechtigen also zum Bezug von einer neuen Aktie“, erklärt Vorstand Peter Schöttl das Prinzip. Neueinsteiger können allerdings nur zum Zug kommen, wenn Altaktionäre nicht „kaufen“ und somit freie Aktien zur Verteilung vorhanden sind. Aber die Chancen stünden nicht schlecht, auf diese Weise Anteile an einem „Stück Heimat“ zu erwerben, so Schöttl weiter. Die Erfahrung zeige, dass rund Dreiviertel der Aktionäre mitmachten.

Rund 9,5 Millionen Euro will die AG auf diese Weise „einsammeln“. Weiter rund 9,5 Millionen erwarte die Gesellschaft als Fördermittel des Landes aus der Seilbahnförderung. Um in den Genuss dieser speziellen Förderung zu kommen muss der Anteil der Großaktionäre unter die besagten 25 Prozent fallen. Die drei großen Eigner halten derzeit jeweils knapp über 25 Prozent der Anteile.

Letztlich soll diese Kapitalerhöhung auch Geld in die Kasse der AG spülen, die im kommenden Jahr mit dem schon länger geplanten Neubau der kompletten Bahn beginnen wird. Rund 40 Millionen Euro werde das Projekt der Erneuerung der Bergbahn zwischen Talstation und der Station Höfatsblick kosten, erläutert Peter Schöttl. Damit soll vor allem die Beförderungskapazität deutlich verbessert werden. „Die aktuelle Förderkapazität der Hauptbahn mit rund 600 Personen pro Stunden führt zu Wartezeiten an der Talstation von oft über einer Stunden an gut besuchten Tagen im Sommer und im Winter.“ Auch der Komfort mit der stehenden Beförderung in den oft dichtgepackten Großkabinen mit 60 Personen sei nicht mehr zeitgemäß. Ziel des Neubaus ist es diese Situation zu verbessern. Dazu soll die Nebelhornbahn von der Tal- über die Mittelstation Seealpe bis zur Bergstation Höfatsblick erneuert werden.

Der Zeitplan steht längst und wurde zuletzt noch leicht verändert. Schon im Oktober soll der Bauantrag gestellt werden und im kommenden Jahr geht es mit den Bauarbeiten los wenn die Fundamente und die neue Mittelstation gebaut werden. Im Jahr 2020 werden den Planungen zufolge die Bergstation und die Bauwerke auf der Trasse gebaut. Die neue Nebelhornbahn wird insgesamt auf der bestehenden Trasse errichtet, nur leicht südwärts verschoben. „Dadurch ergeben sich kaum Eingriffe in die Natur und Landschaft“, sagt Schöttl. Das erkläre sicher auch das Fehlen von Bedenken und Einsprüchen vor Ort, ergänzt der Vorstandsvorsitzende. Die Wintersaison 2020/2021 fällt am Nebelhorn allerdings flach. Zunächst war vorgesehen den eigentlichen Bahnbau im Sommer über die Bühne zu bringen. Doch inzwischen seien Planer und Baufirmen zur Überzeugung gelangt, dass diese Arbeiten durchaus „wintertauglich“ seien. Die Spezialunternehmen hätten für eine Talbaustelle wie die Talstation in Oberstdorf eher Kapazitäten frei als im Sommer. Zudem könnten die umliegenden Bergbahnen und Skigebiete den Nebelhornausfall gut auffangen, ist Schöttl überzeugt. Auch sei eine mögliche Bauverzögerung im Frühsommer leichter zu verkraften als kurz vor dem einträglichen Weihnachtsgeschäft zur Saisoneröffnung.

Von der neuen Bahn versprechen sich die Verantwortlichen einen verbesserten Beförderungskomfort und einen Abbau der Wartezeiten. Dann, so deutet Schöttl weiter an, sei auch die Talabfahrt wieder interessant, die bisher wegen der Wartezeiten meist gemieden worden sei. Negative Auswirkungen im Ort durch die Qualitätssteigerung seien nicht zu erwarten. Die „Generalprobe“ im vergangenen Geschäftsjahr habe gezeigt, dass der Verkehrsfluss auf den vorhandenen Straße gut zu bewältigen sei.

Josef Gutsmiedl

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