Spannende Lokalgeschichte

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Am ehemaligen Mesner- und Schulhaus in der Marktstraße präsentierte Ulrich Berktold (rechts) mit Wolfgang Keßler (von links) vom Heimatdienst, Zweite Bürgermeisterin Editha Kuisle, Kurdirektor Max Hillmeier, Manuela Kreier von der Tourist-Info und Gemeinderätin Inge Novak „seine“ Broschüre über die historischen Gebäude.

Bad Hindelang - Einen „begreifbaren Einblick“ in die bewegte und faszinierende Ortsgeschichte Bad Hindelangs ermöglicht die neue Broschüre „Historischer Rundgang durchs Ostrachtal“. Das handliche Heft im Westentaschenformat soll Einheimischen und Gästen die Geschichte des Ortes näher bringen und führt auf mehreren Rundwegen zu den zahreichen historischen Gebäuden und Schauplätzen.

„Lokalgeschichte ist eigentlich immer spannend“, berichtet der Autor der neuen Broschüre, Ulrich Berktold und bekennt: „Es kann geradezu zu einer Sucht werden...“ So beklagt er sich nicht über den großen Zeitaufwand für Recherchen, Quellenstudien und Ausarbeitung. Auch in den großen Archiven in Augsburg und München hat der Zweite Vorsitzende des Heimatdienstes Hindelang gestöbert. „Es ist ja mein Hobby.“ Ein Hobby, das schon seinen Vater begeisterte. Nur die Nachbarn hätten von seiner Arbeit etwas bemerkt, wenn das Licht im Zimmer wieder einmal lange nach Mitternacht noch gebrannt habe.

Irgendwann gerate vieles in Vergessenheit, so Berktold, „wenn man nicht dahinter her ist“. Und er hat offenbar viele Sachen entdeckt, die selbst Einheimische nicht wissen. Andererseits habe er festgestellt, dass die wechselvolle Geschichte des Ortes und des Tales viele Menschen interessiere - Einheimische und Gäste gleichermaßen.

Das kann Tourismusdirektor Max Hillmeier nur bestäigen. Die Menschen, vor allem regelmäßige Gäste im Tal, wollten oftmals etwas über die Geschichte des Ortes erfahren. Daher wolle man das neue Heft „Historischer Rundgang“ auch möglichst großzügig an die Adressaten bringen und verzichte auf eine Schutzgebühr. Die Kosten für die 68 Seiten starke Broschüre trägt die Marktgemeinde. Das Werk sei übrigens ein Herzenswunsch von Bürgermeister Adalbert Martin gewesen, erinnerten Kulturreferentin des Gemeinderates, Inge Novak, und die Zweite Bürgermeisterin, Editha Kuisle.

„Geschichte in Geschichten verpackt“, fasst Hillmeier das Werk zusammen an dem Berktold und seine Helfer – etwa beim Heimatdienst – rund sechs Jahre arbeiteten. 47 historische Gebäude in Bad Hindelang und seinen Ortsteilen hat Ulrich Berktold zu sieben Rundgängen gruppiert. „Wer mag, kannn auch den kompletten Marathon machen“, meint Max Hillmeier, der begeistert ist vom historischen Wanderfüherer im Taschenformat. Die einzelnen kleinen Rundgänge sind weniger zeitaufwändig: Ortsgeschichte in Etappen.

Wer weiß schon, dass Hindelang im 16. Jahrhundert Heimat einer bedeutenden Pferdezucht der Fugger war, denen unter anderem der „Stutenhof“ in Hindelang und weite Besitzungen im Retterschwanger Tal gehörten.

Bekannter sei schon die Rolle des Ostrachtals als wichtige Bergbauregion und Waffenschmiede, erläutert Autor Berktold. Zur Zeit der Bauernkriege (1520 bis 1524) lieferten Hindelanger Schmiede an die 20.000 Landsknechtspieße... Dazu das Holz der Schäfte für solche Waffen.

Alle in der Broschüre beschriebenen Objekte wurden mit neuen Erläuterungstafeln versehen. Zum Teil waren die Gebäude schon mit den alten Gedenktafeln aus Marmorplatten gekennzeichnet, die in den 1930er und 1940er Jahren angebracht wurden. Mit knappen Worten die Dinge zu beschreiben, sei für die Broschüre und mehr noch für die kurzen Texte der Gedenktafeln der schwierigste Teil der Arbeit gewesen, erinnert sich Ulrich Berktold. Bei den Bewohnern der historischen Gebäude habe er jedoch ausnahmslos Zuspruch erfahren für das Projekt und seine Arbeit.

Josef Gutsmiedl

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