Neue Technik – neue Masten

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Diese voluminösen und in die Jahre gekommenen Ungetüme bei Rauhenzell gehören bald der Vergangenheit an.

Immenstadt - Zufrieden zeigte sich der Geschäftsführer der Allgäuer Überlandwerke (AÜW), Michael Lucke, als er den erfolgreichen Abschluss des neuen Hochspannungsnetzes im ersten Teilabschnitt der umgebauten Freileitung zwischen Rauhenzell und Zell bei Oberstaufen vorstellte. 

Die Umrüstung auf das neue 110-kV-Hochspannungsnetz im Oberallgäu liegt voll im Plan, stellt da und dort auch besondere Anforderungen bei Bau und Montagearbeiten.

Es war nicht nur eine kaufmännische und technische, sondern auch eine umweltpolitisch sensible konzeptionelle Herausforderung. Fakt war, dass die Stromleitungsnetze inklusive der Strommasten nicht mehr den aktuellen und künftigen Belastungen gewachsen waren. So war zum Beispiel die Technik in die Jahre gekommen. 

Die Strommasten wie in Rauhenzell waren um 1954 errichtet worden. Jetzt mussten diese, wie Josef Burkart, Projektleiter des AÜW, erläuterte, schon aus Altersgründen wie 50 Prozent der anderen in so genanntem Thomas-Stahl ausgeführten Stahlgittermasten aus Sicherheitsgründen ersetzt werden. Größere Störungen an Strommasten durch hohe Eislasten gab es schon im Alpenvorland in Bayern und auch Schwaben. Zudem gebe es heutzutage eine höhere Versorgungssicherheit in den Stromnetzen aufgrund der Ringversorgung, erläutern die Fachleute beim AÜW. Dadurch konnten viele Leitungsnetze entfernt, also ausgedünnt werden. 

So auch in Rauhenzell, wo eine Stromleitung über ein Wohngebiet zur Freude der Anwohner beseitigt werden kann. Das Ringversorgungssystem führte aber auch zu einer Verschlankung der Leitungstrassen. Dort wo früher zur Versorgungssicherheit noch zweisystemige Freileitungen gebaut werden mussten, reicht heute eine Einfachleitung. Um all dies zu meistern, musste ein weitsichtiger und sensibler Netzentwicklungsplan erstellt werden, um einerseits die Wirtschaftlichkeit der Energieversorgung sowie andererseits Naturschutz und Interessen von Grundstückseigentümern und Trägern öffentlicher Belange unter einen Hut zu bringen. 

„Dieser Plan hat ein Finanzvolumen von 28,5 Millionen Euro, welcher bislang eingehalten werden konnte“, erklärte Bernhard Geiger, Leiter der Netzplanung beim AÜW. Es habe wenige Einsprüche gegeben und so hätten die Dienstbarkeitsverträge innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden können. Im Oktober 2012 erfolgte der Planfeststellungsbeschluss und im April 2013 konnte bereits mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Bürger seien beim Thema Sicherstellung der Energieversorgung aufgeschlossen. 

„Die Arbeiten im Abschnitt Rauhenzell - Zell (Oberstaufen) war eine echte Herausforderung“, hob Josef Burkart hervor, „weil die Masten größtenteils in bergigem Gelände errichtet werden mussten.“ So hätten auf einer Länge von rund neun Kilometer 53 Masten gesetzt werden müssen. In Hanglage und in schwierigem Gelände mussten die Fundamente mit bis in eine Tiefe von 20 Meter vorgetriebenen Mikropfähle verankert werden, so etwa im Immenstädter Steigbachtobel. In den Berglagen wurden die Gründungen, die Montage der Masten und der Seilzug mit Helikopterunterstützung durchgeführt. 

„Möchte man eine sichere, zukunftsträchtige und klimafreundliche Stromversorgung für das Allgäu, muss ein Aus- und Umbau unseres 110-kV-Netzes erfolgen. Und zwar so, dass der Zubau künftiger erneuerbaren Energien eine bessere Anbindung an das 110-kV-Hochspannungsnetz erhalten“, so Dr. Michael Fiedeldey, Bereichsleiter Technik vom AÜW. „Es gibt folglich noch viel zu tun, aber wir sind auf einem guten Weg.“

Hans Ehrenfeld

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