Therme Oberstdorf: Marktgemeinderat bringt Masterplan auf den Weg

Planspiel mit der Oberstdorf Therme

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Noch viele offenen Fragen gibt es zur Zukunft der Oberstdorf Therme. Am Standort soll allerdings nicht gerüttelt werden.

Oberstdorf – Wie geht es mit der Oberstdorf Therme weiter? Über das sanierungsbedürftige Bad gibt es seit Jahren Streit um Standort und Kosten. Mit den „Freunden der Oberstdorf Therme“ hatte sich eine Bürgerinitiative gebildet, die für den Erhalt kämpft.

Grundsätzlich besteht inzwischen Einigkeit über die Notwendigkeit eines neuen Bades am derzeitigen Standort. Im Gemeinderat wurde nun der Masterplan für einen Neubau vorgestellt. „Vitalität und Gesundheitsförderung“ verbunden mit einem generationenübergreifenden Badeangebot lautet die Grundausrichtung des Projektes.

„Um einen Mehrwert für Oberstdorf zu erreichen, wolle man mit dem heutigen Beschluss Gas geben“, läutete Bürgermeister Laurent Mies die Sitzung ein. Bei der Planung sei man von den Bedürfnissen der Gäste ausgegangen, so Detlef Jarosch von dem Unternehmen „Projekt M“. Herausgekommen ist ein vierstöckiges Gebäude mit zwei Parkdecks, einem Thermenbereich, einer Wellness- und SPA-Etage und einer großzügigen Lounge-Gastronomie. Höhepunkt soll die Saunalandschaft mit einer großen Terrasse, Infinity Pool (Unendlichkeitsbecken), Panoramablick und großzügigem Ruhebereich im obersten Stockwerk werden. Ein „Dorfbereich mit Gartencharakter“, wie Jarosch darlegte. Trotz nur 15 Prozent mehr Wasserfläche würden „hohe Funktionalitätszuwächse“ erreicht. Mit Alleinstellungsmerkmalen soll sich die neue Therme von der lokalen Konkurrenz abheben.

Aufgrund des engen Grundstücks bietet sich für die Planer eine mehrgeschossige Bauweise an. Im Umfeld würden durch die gestiegene Attraktivität 100 bis 150 Parkplätze benötigt. Mit Abriss des alten Gebäudes und den beiden Parkdecks umfasst das Investitionsvolumen über 30 Millionen Euro. Die Planer sehen nach einer Anlaufphase ein Besucherpotential von 140.000 Gästen im Jahr. Je zur Hälfte Urlauber und Einheimische. Der jährliche Verlust werde bei gestiegenen Betriebskosten und inklusive der Abschreibungen etwa eine Million Euro betragen. Wobei hier mögliche Zuschüsse noch nicht eingerechnet sind.

In der Diskussion wollten sich die Gemeinderäte nicht einfach so unterordnen und stellten kritische Fragen vor allem zur Verkehrssituation, dem Baukörper und zur Finanzierung. Christian Ricken (FW) fragte nach, ob genug Kapazitäten für den Schul- und Vereinssport vorgesehen seien, was mit Ja beantwortet wurde. Sein Fraktionskollege Christian Raps warnte davor, die Therme über die Kurbeiträge zu finanzieren: „Das wäre tödlich für die Vermieter.“ „Was wir jetzt haben, ist noch gar nichts“, forderte Martin Rees (AO/FDP) dringend mehr Klarheit bei der Planung. Fritz Sehrwind (CSU) wollte wissen, wie mit dem Wert des Grundstücks umgegangen werde, falls ein privater Investor einsteige. Von einer „langen Wunschliste“ sprach Siegmund Rohrmoser (Grüne), die zu einem jährlichen Defizit von einer Million führe.

Am Ende stimmten die Gemeinderäte einstimmig dem Beschluss zu, den Masterplan zur Kenntnis zu nehmen und das Projekt einer neuen Therme weiter zu entwickeln. Eine endgültige Entscheidung ist damit noch nicht getroffen. Wenn der Gemeinderat bis zum Sommer konkrete Beschlüsse fasst, könnte 2018 mit dem Bau begonnen und das Bad vor der Skiflug-Weltmeisterschaft 2021 fertig werden. Auf Basis des Masterplanes werden nun die Bauleitplanung und ein europaweites Interessensbekundungsverfahren in Gang gebracht, von dem auch die Fördermöglichkeiten abhängen. Die Gemeinde hat hier schon bei der Regierung von Schwaben vorgefühlt – ohne konkrete Zusagen zu bekommen.

In einer ersten Stellungnahme bewerten die Thermenfreunde das einstimmige Bekenntnis des Gemeinderates, dass die Therme am jetzigen Standort eine unverzichtbare touristische In­frastruktur darstellt, positiv. Sie sehen aber auch noch Widersprüche. So sei eine Steigerung von 60 Prozent bei der Gesamtfläche nicht schlüssig vermittelt worden. 150 Tiefgaragenplätze auf zwei Etagen seien nicht zwingend notwendig, die Gastronomie sei überdimensioniert und für ein so hohes Gebäude sei nur schwerlich Baurecht zu erhalten.

Heinrich Bonert

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