Fokus auf die Inklusion

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Immenstädter Schulzentrum auf dem Weg zur Inklusion mit (von links): Dr. Alexandra Pulfer (Inklusionsbeauftragte, Gymnasium), Benjamin Braun (Schulsozialarbeiter), Schulleiter Michael Renner (Gymnasium), Dipl.-SozPäd. Indra Baier-Müller (Diakonie Kempten), Schulleiterin Irma Walter (staatliche Realschule für Knaben) und Karlheinz Theyerl (Inklusionsbeauftragter, Realschule).

Immenstadt – Der schon traditionelle Neujahrsempfang des Immenstädter Schulzentrums war äußerst gut besucht, worüber sich die Schulleiterin der staatlichen Realschule für Knaben, Realschuldirektorin Irma Walter, und der Schulleiter des Gymnasiums, Oberstudiendirektor Michael Renner, sehr freuten.

Heuer hatten sie zu einem Thema eingeladen, welches sie schon lange beschäftigt: „Inklusion – jeder Mensch gehört ganz natürlich dazu!“. Seit Beginn des Schuljahres ist das Gymnasium eine ausgewiesene Inklusionsschule, die Knabenrealschule möchte den Antrag im Kürze einreichen.

Eine Bildungseinrichtung mit Inklusionsprofil stellt sich einer großen sozialen, methodisch-didaktischen und technischen Herausforderung. „Eine Inklusionsschule setzt sich auf der Grundlage eines gemeinsamen Bildungs- und Erziehungskonzeptes eine optimale individuelle Förderung aller Schülerinnen und Schüler zum Ziel“, so Schulleiter Renner. Mit der Inklusion habe das Schulzentrum kein Neuland betreten, denn seit zwei Schuljahren befinde sich schon eine Part­nerklasse der Tom-Mutters-Schule mit acht Schülern mit unterschiedlichem sonderpädagogischem Förderbedarf im Hause. Der Unterricht erfolge in lernzieldifferenter Form in einer Lerngruppe, welche zudem von einem Schulsozialarbeiter und zwei Inklusionsbeauftragten betreut würden. „Auch die Königsegg-Grundschule ist eine Inklusionsschule“, ergänzte Schulleiterin Walter, „somit entwickelt sich Immenstadt zu einer Modellregion für Inklusionsschulen.“

Als Referentin für den Festvortrag konnte Dipl.-SozPäd. Indra Baier-Müller, Geschäftsführerin und Vorstandsvorsitzende der Diakonie Kempten, gewonnen werden. Ihr Ziel war es, die Teilnehmer für die Umsetzung von „Inklusion“ als Menschenrecht zu sensibilisieren. Vor neun Jahren hat Deutschland die UN-Behindertenrechtskonvention ratifiziert und bekennt sich damit zur umfassenden Inklusion von Menschen mit Behinderungen.Doch was bedeutet Inklusion? Es bedeutet, dass alle Menschen gleichberechtigt an der Gesellschaft teilhaben. Sämtliche gesellschaftlichen Bereiche müssen daher auch auf die Teilhabe von Menschen mit Behinderungen zugeschnitten sein oder dafür geöffnet werden. Im September 2011 veröffentlichte die Bundesregierung den Nationalen Aktionsplan zur Umsetzung der UN-Konvention. Hier wurden u.a. die Barrierefreiheit von öffentlichen Gebäuden und Verkehrsmitteln sowie der gemeinsame Besuch Behinderter und nicht Behinderter in Kindergärten und Schulen als konkrete Ziele genannt.

„Uns ist allen gemein, dass wir verschieden sind!“, so Baier-Müller, „deshalb halte ich den Inklusionsprozess für einen der spannendsten gesellschaftlichen Prozesse.“ Bislang sei geprüft worden, ob ein Mensch mit Behinderung in ein bestehendes soziales System passe. Nun gelte es, ein System so zu optimieren, dass eine erfolgreiche Teilhabe aller im Alltag, in Schule und Beruf gelingen kann. Hierzu bedürfe es neuer Ideen und Konzepte sowie vermehrt „inklusiver“ Expertise.

Hans Ehrenfeld

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