Gemeinsamer Neujahrsempfang der Stadt Sonthofen und der Bundeswehr

Sonthofen und die Bundeswehr: eine fruchtbare "Ehe"

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Sonthofens 1. Bürgermeister Christian Wilhelm

Sonthofen – Traditionell laden die Stadt Sonthofen und die Bundeswehr zum gemeinsamen Neujahrsempfang. Schließlich, so 1. Bürgermeister Christian Wilhelm, ist „die Stadt mit der Bundeswehr verheiratet“.

Doch drehte sich in den Reden des Bürgermeisters und des Standortältesten Oberst Klaus Werner Schiff nicht alles um regionale Themen, auch Weltpolitisches stand an, fand doch der Neujahrsempfang zur selben Uhrzeit statt wie die Amtseinführung des US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump.

„Mein Wunsch vom Neujahrsempfang 2016, dass die Welt friedlicher und die Zeiten etwas ruhiger werden mögen, ist ja nun wirklich komplett daneben gegangen“, sagte der Standortälteste Klaus Werner Schiff zu Beginn seiner Ansprache. In Folge der „teilweise schlimmen Vorkommnisse“ werde die Bundeswehr, wie auch andere Sicherheitsorgane, „personell verstärkt, materiell den Erfordernissen weiter und mit Hochdruck angepasst und durch eine Vielzahl von Maßnahmen als attraktiver Arbeitgeber platziert.“ Weiter erinnerte Schiff an die Soldaten und zivilen Mitarbeiter der Bundeswehr auch aus Sonthofen, die sich derzeit in Auslandseinsätzen in Mali, im Irak und im Kosovo befinden. Schiff wünschte ihnen, ebenso wie Bürgermeister Christian Wilhelm, „viel Glück im Einsatz und eine gesunde Rückkehr“.

Dialog statt Abschottung

Wilhelm nahm die Amtseinführung Donald Trumps zum Anlass, über die weltpolitischen Veränderungen der letzten Jahre nachzudenken. Standen die Zeichen vor einigen Jahren noch auf gemeinsamem Dialog, stünden heute wieder vermehrt nationale Interessen im Vordergrund – beispielsweise mit dem „Brexit“ und der Wahl Trumps, der mit seinem Ruf „Make America great again“ die Menschen polarisiere. Heute, so Wilhelm, gebe es mehr Unruhen, Ungerechtigkeiten und Kriege, jahrelange Bündnisse seien auch auf Grund falscher Informationen nichts mehr wert. Hass und Wut gegen alles Fremde seien durch Vorurteile gewachsen. „Wir reden weniger, jeder schaut nur noch nach sich selbst“, so Wilhelms Fazit. Sein Wunsch: „Mehr Mut, miteinander statt übereinander zu sprechen!“ Wichtig sei dies gerade auch zwischen den Menschen verschiedener Kulturen. „Der Eintritt in den Dialog ist bereits das Ende des Fundamentalismus“, schließlich führten Fundamentalisten keinen Dialog, sondern ließen Taten sprechen. Im gemeinsamen Gespräch lasse sich auch vieles leichter klären, „falsche Fakten“ widerlegen. Wilhelm versprach, „in der Stadtpolitik in Sonthofen auch weiterhin“ viel miteinander zu reden.

"Eingebettet" in die Stadt

Wie eng Bundeswehr und Stadt miteinander verknüpft sind, zeigte Oberst Schiff im weiteren Verlauf seiner Rede auf. Nicht nur mit der Gemeinde, auch in vielen anderen Bereichen finde eine enge Zusammenarbeit statt. Der Umbau der Generaloberst-Beck-Kaserne sei in vollem Gange, so dass „hoffentlich“ ab 2018 der phasenweise Umzug der Bundeswehrliegenschaften aus der Grüntenkaserne, der Jägerkaserne und des Dienstleistungszentrums der Bundeswehr im Tannach auf die Burg erfolgen könne. Schiff betonte, dass die umfangreichen Baumaßnahmen auf der Burg für die „hochkomplexen und zeitgemäßen Ausbildungs- und Führungseinrichtungen“ der Bundeswehr am Standort „unerlässlich“ seien. Andernfalls müssten die Kasernen in der Stadt „mit enormem Aufwand und entsprechenden Beeinträchtigungen“ für die Bürgerschaft saniert werden, „schlimmstenfalls“ drohe die Verlegung des Standorts an einen anderen Ort.

Weiter betonte Schiff die enge Zusammenarbeit des Zentrums Brandschutz der Bundeswehr mit der ABC-Schule und den örtlichen Feuerwehren. Dank der Sonthofer Feuerwehr ging ein kleiner Brand auf dem Gelände der Burg im Dezember 2016 glimpflich aus. „Bauverzögerungen durch Brandschäden wünschen wir uns dort alle nicht“, bedankte sich der Standortälteste bei der Feuerwehr.

Mit anderen Rettungsorganisationen wie THW, DLRG, Bergwacht, aber auch der Polizei stehe die Bundeswehr in engem Kontakt und Austausch. Das Sanitätsversorgungszentrum Sonthofen arbeite mit den Rettungsdiensten, Krankenhäusern und örtlichen Ärzten zusammen. Die Außenstelle der Sportschule der Bundeswehr in der Grüntenkaserne, die heuer ihr 60-jähriges Jubiläum feiern kann, kooperiere ebenso wie die Sportfördergruppe mit zivilen Vereinen und Verbänden, so Schiff weiter. Technische und handwerkliche Arbeiten in den Bundeswehrliegenschaften würden zudem oftmals an örtliche Handwerker vergeben. Das Bundeswehrdienstleistungszentrum, das hierfür verantwortlich ist, beschäftige zudem alleine in Sont­hofen 89 zivile Angestellte.

Große Herausforderungen

„Optimismus, Gelassenheit, Lebensfreude und viel Humor“ wünschte Sonthofens 1. Bürgermeister Christian Wilhelm den Anwesenden für das Jahr 2017. Neben dem „stets guten Kontakt und Austausch“ zwischen Bundeswehr und Stadt hob Wilhelm in seiner Begrüßung auch die vielen ehrenamtlich tätigen Menschen hervor, „die unserer Stadt ein Gesicht geben“. Im Zentrum seiner Rede standen die Herausforderungen, denen sich die Stadt Sonthofen in diesem Jahr stellen will.

Eine der größten Herausforderungen der nächsten Jahre ist die Umwandlung der Bundeswehrflächen. Die Bundeswehrareale im Tannach, in der Grünten- und Jägerkaserne werden mit dem Umzug auf die Burg frei. Derzeit befindet sich die Stadt in Verhandlungen mit der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) über den Kaufpreis für die Liegenschaften. Damit einher gehen die Erschließungsplanung, Untersuchungen des Bodens in Hinblick auf Altlasten und die Erarbeitung der Rückbaukosten.

Auch die Pläne der Stadt Sont­hofen, sich für die Landesgartenschau 2028 auf dem Gelände der Grüntenkaserne zu bewerben, hängen eng mit der anstehenden Konversion zusammen. Für den Stadtrat stellt eine Gartenschau den „finanziellen und operativen Motor der Konversion“ dar: „Eh-da-Kosten“ wie der Rückbau der Bundeswehrgebäude würden aufgefangen, außerdem sei eine Vermarktung der Flächen im Nachhinein leichter.

Mit dem Projekt „Radstadt Sonthofen“ will sich die Kreisstadt gerade im Bereich Tourismus neu positionieren. Sont­hofen als Alpenstadt, Luftkurort und europäische Klimaschutzgemeinde stehe bereits für Nachhaltigkeit, „und gerade das Rad ist absolut nachhaltig“, so Wilhelm. Sinkende Übernachtungszahlen und die Tatsache, dass in Sont­hofen nach wissenschaftlichen Berechnungen künftig immer weniger Schnee fallen wird machen ein Umdenken nötig. Bereits heute beträgt laut Wilhelm der Radfahreranteil am Gesamtverkehrsaufkommen 18 Prozent, außerdem werde der Markt für Radfahrer immer größer – E-Bike, Fun-Bike, etc. Alles Gründe, das Projekt „Radstadt“ ernsthaft voranzutreiben, so Wilhelm.

eva

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