"Nichts für die ländliche Region"

Bayerns Kultusminister Ludwig Spaenle kam nach Immenstadt um im Dialog mit Lehrern und Elternvertretern aller Grund- und Hauptschulen, Bürgermeistern und Kommunalpolitikern des Landkreises Oberallgäu und Kempten, von seinem neuen Konzept der Mittelschule zu überzeugen. In Immenstadt erntete der Minister allerdings wenig Zustimmung.

Ziel sei es die Stärken der Hauptschule mit seinen Alleinstellungsmerkmalen zu betonen und zukunftsorientiert weiterzuentwickeln. Die nach den Sommerferien an den Start gehenden Mittelschulen, sollen den bisherigen Hauptschulabschluss aufwerten. Drei verschiedene Ausrichtungen – Technik, Wirtschaft und Soziales, ein Angebot zum mittleren Bildungsabschluss und eine Ganztagesbetreuung sollen Qualifikationsmerkmale des Etiketts „Mittelschule“ sein. Schulen mit geringerem Angebotsumfang werden weiterhin die Bezeichnung „Hauptschule“ führen. Um auch kleineren Schulstandorten das Qualitätssiegel „Mittelschule“ zu gewähren, ist ein Verbund zwischen mehreren Schulen und Gemeinden möglich. Die entstehenden Kosten zur Schülerbeförderung sollen zu 60% vom Kultusministerium und zu 40 Prozent von der Kommune getragen werden. Spaenle betonte: „Ziel der Reform ist es, so viele Standorte wie möglich, so lange wie möglich zu erhalten. Dies ist an keine Mindestschülerzahlen gebunden. Somit liegt die Entscheidung, ob Schulstandorte geschlossen oder bestehen bleiben in der Verantwortung der einzelnen Städte und Gemeinden.“ Ausschlaggebend für den neuen Bildungsweg seien neben der demographischen Entwicklung, die stark zurückgehenden Schülerzahlen an den Hauptschulen und vor allem das Wahlverhalten der Eltern für andere Schularten. Die Hauptschule sei für Eltern oft nur eine Option, wenn es zu anderen Schulbildungswegen von den Noten her nicht reiche. Rund 30 Prozent der Schüler verbleiben derzeit in Bayern auf der Hauptschule. „Wenn Eltern ihre Kinder trotz zwei Vierern in den Kernfächern auf weiterführende Schulen schicken, ist das zukünftig die Verantwortung dieser Eltern“, entgegnete er auf die aktuelle Problematik an den weiterführenden Schulen. Zum Image der Hauptschulen äußerte er: „Nicht die Hauptschule hat ein Problem, sonder die Hauptschule löst die Probleme die wir in dieser Schulart haben.“ „Das zukünftige System ist nicht für die Großstadt gemacht, sonder für den ländlichen Raum gedacht. Die weitere Zentralisierung ist nicht das Ziel der bayerischen Bildungspolitik“, betonte Spaenle. Gerade in diesem Punkt wollten ihm die Anwesenden nicht folgen. Oberstaufens Bürgermeister Walter Grath befürchtet eine weitere Zentralisierung von ländlich gelegen Schulen aus wirtschaftlichen Aspekten und einen „weiteren Aderlass“ für Schulstandorte wie Oberstaufen. Bereits jetzt fahren rund 70 Prozent der Schüler aus Oberstaufen nach Immenstadt, um weiterführende Schulen zu besuchen. „Ihr Konzept passt nicht für den ländlichen Raum“, folgerte er. Blaichachs Bürgermeister Otto Steiger sieht die Verantwortung ob Schulstandorte erhalten bleiben, auf kommunale Ebene heruntergebrochen. Josef Dietrich, Schulleiter in Wiggensbach appellierte für eine Grundschule bis zum sechsten Schuljahr und wurde durch den Applaus der Anwesenden bestätigt. Immenstadts Bürgermeister Armin Schaupp forderte: „Beenden Sie das Selektieren nach der vierten Klasse. Haben Sie den Mut, nach einer Phase des gemeinsamen Lernens, begabtengerecht zu fördern!“ Wolfgang Knoll, Rektor der Hauptschule Immenstadt reflektierte: „Immenstadt hat alle Angebote, die das neue Konzept der Mittelschule als Qualifikationsmerkmale vorsieht. Trotz der vielseitigen Angebote ist der Elternwille jedoch die weiterführende Schule. Ich kann in der Mittelschule kein durchgängiges Konzept feststellen.“

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