"Die Richtung fehlt noch" - Oberstdorfer Gemeinderat klopft Bauprogramm für WM ab

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In drei Jahren geht die Norische Ski-WM in Oberstdorf über die Bühne. Wie diese „Bühne“ allerdings aussehen wird, ist noch weitgehend offen.

Oberstdorf – Noch gut drei Jahre sind es bis zum Start der Nordischen Ski-WM in Oberstdorf. Dass der Wintersportort Großveranstaltungen großartig stemmen kann, haben die letzten Wochen mit Vierschanzentournee, Tour de Ski und Skiflug-WM gezeigt. Bei der WM-Vorbereitung hakt es aber noch gewaltig.

Bei der jüngsten Gemeinderatssitzung wurde deutlich, dass vor allem im Bereich Langlaufstadion eine Menge Diskussions- und Entscheidungsbedarf ansteht. Obwohl noch keine Zusagen der Fördergeber vorliegen (allein für das Bauprogramm der Sportanlagen sind 39 Millionen Euro Förderbedarf angemeldet – die Verhandlungen laufen), stellte das beauftragte Planungsbüro F64 aus Kempten im Gemeinderat erste Varianten eines städtebaulichen Rahmenplans im Umfeld des Langlaufstadions vor. Nicht alle Vorschläge stießen dabei auf Zustimmung des Gremiums.

Stadiongebäude

Hier scheiden sich die Geister vor allem an der Frage, ob ein kreuzungsfreier Übergang in den Innenraum notwendig ist. Das müsste durch eine Unterführung geschehen oder eine Rampenlösung, bei der die Loipe höher gelegt wird. Darunter könnten Räumlichkeiten gebaut werden und für Sportler, Betreuer und Loipenfahrzeug Durchgänge in die Wechselzone entstehen. Davon hängt im Wesentlichen auch die Anordnung der Funktionsgebäude ab. „Geländemodellierungen“ sind auf jeden Fall notwendig, da der Zielbereich leicht angehoben werden muss.

Sportreferent Peter Titzler (FW) stellte die Notwendigkeit einer Kreuzungsfreiheit in Frage. Vielmehr wolle man mit möglichst wenigen Gebäuden auskommen. Siegmund Rohrmoser (Grüne) nannte die Planungen „ein starkes Stück“. Er forderte, möglichst viele der Gebäude an der nördlichen Seite des Stadions zu platzieren. Florian Speigl, Geschäftsführer der Nordischen Skisport KG, verteidigte die Planungen. Über die Loipe laufen sei „nicht mehr zeitgemäß“, sprach er von „Konfliktbereichen im laufenden Betrieb“. Auch was die Trennung von Tourismus und Trainingsbetrieb betrifft. Am ehesten konnte sich die CSU-Fraktion für die Vorschläge erwärmen. Für sie sei wichtig, dass „die Parallelität von Sport und Tourismus gewährleistet ist“, erklärte Fritz Sehrwind. Unterschiedliche Auffassungen gab es darüber, ob die FIS überhaupt eine kreuzungsfreie Lösung vorschreibt.

Schneiteich/Beschneiung

Um die Vorgabe – Vollbeschneiung des Loipennetzes innerhalb von 70 Stunden – zu erfüllen, braucht es einen bedeutend größeren Schneiteich als den Bestehenden. Drei Möglichkeiten stehen zur Auswahl: Den bestehenden Schneiteich durch einen Zweiten ergänzen, die Erweiterung des Teichs oder ein Neubau südlich des Stadions. Von den Planern wird die letzte Variante bevorzugt, da sie „Bewegungsspielräume für den Wettkampfbetrieb eröffnet“. Man könne den Teich besser in die Landschaft integrieren und schaffe im Stadionbereich Platz für die technische Ausrüstung der Mannschaften. Der Haken dabei: Unter Umständen müssen Zuschüsse für den alten Teich zurückgezahlt werden. Bergith Hornbacher-Burgstaller (Grüne) verwies auf den wertvollen Waldbestand am neuen Standort. Ob man Fläche sparen könne, wenn man den Teich tiefer baut? Das stoße wegen des Grundwassers auf technische Schwierigkeiten, erklärten die Planer. Klar ist, dass das Leitungsnetz von der Kapazität her nicht mehr den Ansprüchen genügt und erneuert werden muss. 31 Schneeerzeuger statt bisher 13 sind für die Beschneiung künftig notwendig.

Loipennetz

Weitgehend unumstritten ist die Loipenführung. 80 Prozent des alten Loipennetzes kann integriert werden. Landschaftseingriffe sind vor allem für die Verbreiterung der Spuren, etwa im Bereich des Burgsta ll-Aufstiegs, notwendig. Mit den Grundstückseigentümern ist man im Gespräch. Wichtig ist dabei, dass die Flächen später wieder landwirtschaftlich genutzt werden können. Start und Ziel werden im Gegensatz zu ersten Planungen nicht verlegt.

Busanbindung

Hier legten die Planer drei Varianten vor. Entweder die Bushaltestelle am Renksteg bleibt und wird mit einem neuen Fußweg an das Stadion angebunden. Dazu könnte die Kreuzung in einen Kreisverkehr umgebaut werden mit Unterführungen für Fußgänger, Langläufer und Spurgeräte. Variante zwei und drei sehen eine neue Haltestelle direkt am Stadion vor, die mit einer Schleife an die Birgsauer Straße angebunden wird. Sie wäre allerdings nur für den normalen Ganzjahresbetrieb geeignet, nicht für Großveranstaltungen. Alle Varianten stießen bei einigen Ratsmitgliedern auf wenig Gegenliebe. Sehrwind verwies auf die Maßgabe, möglichst wenig Fläche zu verbrauchen. Der eigentliche touristische Knotenpunkt befinde am Renksteg, so Rohrmoser.

Noch zu Beginn der Sitzung hatte Bürgermeister Laurent Mies betont, man wolle heute bestimmen, „in welche Richtung wir weiter arbeiten“. Dies war nach dreieinhalb Stunden Vorstellung und Diskussion nicht der Fall. Es sei immer noch nicht klar, was gefördert wird, so Mies. Das werde sich auf den Raumbedarf auswirken. Die angestrebte Kreuzungsfreiheit im Stadion sei mit Gebäuden verbunden, die nicht erwünscht sind, will er Alternativen beraten.

„So kann kein Arbeitsprozess entstehen. Wir werden scheitern, wenn wir so weiter machen“, kritisierte Dornach, dass den Gemeinderäten wiederholt die Unterlagen zu spät zugehen. Toni Weiler (UOL) forderte, den Arbeitskreis Umwelt und Nachhaltigkeit stärker in die Planungen einzubinden. Man müsse auch endlich darüber reden, welche finanziellen Möglichkeiten die Gemeinde überhaupt hat, so Helmut Schratt (FW).

Heinrich Bonert

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