Countdown der Ungewissheit

Nordische Ski-WM 2021 im Würgegriff der Corona-Pandemie

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In fünf Monaten will sich Oberstdorf mit der Nordischen Ski-WM 2021 perfekt präsentieren. Aber alles steht und fällt mit der weiteren Pandemie-Entwicklung.

Oberstdorf – Die Spannung steigt: Im kommenden Februar und März findet die Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf statt. Zuschauer, Athleten und nicht zuletzt die Verantwortlichen für die Ausrichtung der WM wissen fünf Monate vor der Eröffnungsfeier angesichts der Pandemie-Beschränkungen nicht, wohin „die Reise“ geht. Findet die WM vor dem Hintergrund eines speziellen Hygienekonzeptes statt? Mit Zuschauern? Wie viele Tickets dürfen die Organisatoren verkaufen? Diese und einige weitere Fragen diskutierten die Grünen Landtagsabgeordneten Thomas Gehring und Max Deisenhofer mit Vertretern der Gemeinde und der Verantwortlichen der „Nordischen“. Hintergrund für den Besuch der Abgeordneten war eine schriftlicher Anfrage der Grünen im Bayerischen Landtag zum Stand der Vorbereitungen – nicht zuletzt wegen der Corona-Pandemie.

Das umfangreiche Bauprogramm für die Sportstätten ist weitgehend abgearbeitet. Diese Bilanz kann jedenfalls Projektleiter Florian Speigl, zuständig für die Umsetzung des 42-Millionen-Paketes. Enthalten sind darin bei der Erdinger Arena die Modernisierung der Schanzen HS 106 und HS 127und des Auslaufs- und Athletenbereichs. Dazu kommen ein Ersatzbau der Kleinschanzen, die Erweiterung der Funktionsgebäude und weitere Maßnahmen. Im Langlaufstadion Ried sind die wichtigsten Punkte die Modernisierung des Streckennetzes sowie der Ausbau und die Erweiterung der bestehenden Funktionsgebäude. Modernisierung und Ausbau der Beschneiungsanlagen sollen für Schneesicherheit sorgen.

Wie die Nordische Ski-WM 2021 ablaufen wird, kann auch Oberstdorfs Bürgermeister Klaus King (von links) den Grünen-Abgeordneten Thomas Gehring und Max Deisenhofer nicht sagen.

„Die Rahmenbedingungen für die Nordische Ski-WM 2021 Oberstdorf sind insbesondere vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie bis zum Zeitpunkt der Austragung abhängig. Hierzu kann derzeit keine verlässliche Prognose getroffen werden“, heißt es in der Stellungnahme des Innenministeriums. Die Vorbereitungen erfolgten wie geplant. Ob das vorliegende Hygienekonzept tauge, sei abhängig von der weiteren Pandemie-Entwicklung und den damit verbundenen Auflagen der Behörden.

Was allerdings den Verantwortlichen und Organisatoren vor Ort „Bauchweh“ bereitet ist die Tatsache, dass bislang niemand sagen kann wie die WM letztlich aussehen wird – und ob sie überhaupt stattfinden kann. „Wann ist der Tag X an dem sich alles entscheidet?“, fragt der Grünen-Abgeordnete Max Deisenhofer im Gespräch nach der Besichtigung der Sportanlagen. Es sei weder definiert was unter einer Großveranstaltung zu verstehen ist, noch wie die Umsetzung in der Praxis erfolgen könne, beklagt er. „Das macht‘s schwierig.“

Ministerpräsident Markus Söder versuche, sich zu profilieren und setze auf Vorsicht beim Umgang mit der Pandemie. Söder verfolge das Prinzip ‚auf Sicht fahren‘ und vermeide langfristige Entscheidungen, ergänzt Thomas Gehring.

Die Grünen hätten das alles mitgetragen, legt Deisenhofer nach. Aber jetzt könne man nicht mehr wie am Anfang der Pandemie hoffen, dass sei alles mit einem Fingerschnippen passé sei. Er, Deisenhofer, denke an eine profunde wissenschaftliche Begleitung von ausgewählten Veranstaltungen; einen Probelauf, um sich an die Praxis von Großveranstaltungen heranzutasten. Dann erst könne man abschätzen, was möglich sei und was nicht.

Der Karten-Vorverkauf für die Wettbewerbe im Langlauf-Station und der Audi Arena jedenfalls laufe bislang gut, betonen sowohl Florian Stern von der Sport- und Veranstaltungs GmbH als auch Moritz Beckers-Schwarz von der FIS Nordische Ski WM 2021 GmbH. Allerdings arbeite man derzeit aufgrund der Ungewissheit „ein Stück weit ins Blaue“. Niemand könne sagen, ob und wie viele Zuschauer unter welchen Bedingungen letztendlich dabei sein werden. Rückendeckung gebe es zwar über eine Ausfallversicherung, betont Becker-Schwarz, doch einfach sei der Spagat zwischen Wirtschaftlichkeit und beschränkenden Verordnungen nicht. „Es geht letztlich auch um eine Pflicht zur Schadensbegrenzung gegenüber dem Versicherer.“ Man wolle möglichst vielen Menschen das Erlebnis der WM ermöglichen, aber es werde immer enger.

„Es wird zunehmend schwieriger und teurer“, meint Florian Stern und lenkt den Blick auf den Aufbau der baulichen Infrastruktur und die Rekrutierung der Helfer-Teams. Ein gewisser Vorlauf sei unabdingbar und müsse vor dem Winter abgeschlossen sein.

Oberstdorfs Bürgermeister Klaus King weiß: Es hänge eine ganze Menge dran an der WM – Helfer, Hotellerie und vieles mehr. Eine WM ohne Zuschauer könne er sich nicht vorstellen. „Oberstdorf ist bekannt für die tolle Stimmung. Das würde komplett fehlen.“

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