Covid-19-Pandemie hält WM-Organisation in Atem – Viele Details bleiben weiter offen

Hoffen auf ein neues Wintermärchen

Dr. Franz Steinle und Klaus KIng
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Dr. Franz Steinle (links), Aufsichtsratsvorsitzender des Welt-Skiverbandes FIS, und Oberstdorfs Bürgermeister Klaus KIng hoffen auf ein „neues Wintermärchen“.

Oberstdorf – Eine WM wie gewohnt wird es bestimmt nicht. Die bevorstehende Nordische Ski-WM 2021 in Oberstdorf steht nicht nur im Zeichen des Wintersports, sondern im Zeichen des Pandemiegeschehens. 100 Tage vor Beginn der WM am 23. Februar 2021 stellten die Verantwortlichen den Stand der Planungen vor und erläuterten, wie die Organisation und der Gastgeber-Ort Oberstdorf mit den Herausforderungen durch das „Corona“-Virus umgehen. Fest steht: Die Nordische Ski-WM 2021 wird in Oberstdorf stattfinden.

„Niemand kann sagen, wie es im Februar 2021 aussieht“, stellt Dr. Franz Steinle, Aufsichtsratsvorsitzender des Welt-Skiverbandes FIS, fest. Mit Lockerungen der Pandemie-Beschränkungen rechne er jedenfalls nicht, eher mit weiteren Verschärfungen. „Aber wir sind realistisch genug, entsprechende Maßnahmen einzuplanen, was den Ablauf der Wettkämpfe, die Zuschauerzahlen und das Hygienekonzept angeht.“ Letzteres sei ein „absolutes Muss“ für den Ablauf der WM.

Ein Konzept, angepasst auf die nordischen Skidisziplinen. Das stufige Hygienekonzept des Deutschen Skiverbandes DSV wird vom Organisationskommitee an die Gegebenheiten vor Ort angepasst. Steinle hofft, „eine relativ sichere Veranstaltung“ anbieten zu können, deren Konzept auch bei den Behörden Zuspruch findet. Im ursprüngliche Budget der WM-Planung sei das Hygienekonzept nicht enthalten gewesen, ergänzt Steinle und verweist auf „massive Zusatzkosten“, wobei er auf staatliche Zuschüsse hoffe.

In drei Monaten ist die Welt-Elite des Nordischen Skisports zu Gast in Oberstdorf.

„Wir sind soweit fertig“, verkündete Oberstdorfs Erster Bürgermeister Klaus King. „In neuem Glanz.“ Die zweijährigen Bauarbeiten an den Schanzen und im Langlaufzentrum Ried, um die Anlagen WM-tauglich zu machen, seien abgeschlossen. Oberstdorf biete eine „zukunftsweisende Infrastruktur“, die „auf die Zukunft und Nachhaltigkeit“ setze. King: „Es ist viel passiert; alles ist sehr sehenswert.“

Unterm Strich seien zu den geplanten 40 Millionen Euro Baukosten im Zusammenhang mit der „Nordischen“ knapp 3 Millionen hinzugekommen wegen einer nicht vorhersehbaren Hangsicherung, wirft King einen Blick auf die Investitionen. Der Bund beteiligt sich mit 10 Millionen Euro, der Freistaat Bayern mit 20 Millionen an den WM-Kosten; Oberstdorf und der Landkreis Oberallgäu bringen jeweils 4 Millionen ein, die Nordischen Skisport GmbH 1,25 Millionen Euro.

Feierstimmung auf Sparflamme?

Bauchweh macht dem Bürgermeister die Frage, wie ein entsprechend gestricktes Rahmenprogramm im Ort stattfinden kann. „Es wird leider nicht wie gewohnt sein. Eher im kleinen Rahmen“, deutet King das Szenario an. Die üblichen Zeremonien mit Siegerehrungen mitten im Ort und hautnahem Kontakt zu den Medaillengewinnern werde es kaum geben können angesichts der Pandemie-Situation, fürchtet der Bürgermeister.

Oberstdorf sei grundsätzlich „geprägt von solchen Großveranstaltungen“, kommt Klaus King auf einen weiteren wichtigen Punkt zu sprechen.„Die Zuschauer lechzen danach, diesen packenden Sport zu sehen.“ Ob das unter Corona-Bedingungen zur bekannten grandiosen Stimmung im Ort und den Sportstätten führen könne, bezweifelt der Bürgermeister.

Dennoch: Eine Verschiebung der WM und auf Normalbedingungen zu warten, komme nicht in Frage, betont FIS-Aufsichtsratsvorsitzender Franz Steinle. Natürlich habe man im Verband diese Option diskutiert, aber schnell verworfen. Da steckten Verträge und Verpflichtungen zum Marketing und TV-Agenturen dahinter, die nicht einfach verschiebbar seien, betont Steinle. Die Wahrscheinlichkeit eines „Worst Case“, wenn es „einschlägt“ halte er für „eher gering“. „Ich hoffe auf eine andere Situation im Februar.“

Auf die „andere Situation“ hoffen auch die Geschäftsführer der Nordischen Ski-WM, Florian Stern und Moritz Beckers-Schwarz. Jetzt sei es an der Zeit, die temporären Bauwerke zu platzieren. In den vergangenen Monaten haben sie viel Zeit darauf verwendet, mit ihrem Team einen maßgeschneiderte Unterbau des Hygienekonzeptes auf die örtlichen Gegebenheiten anzupassen. „Das muss sehr spezialisiert sein und detail-orientiert“, skizziert Stern die Aufgabe. Ein Konzept, das sowohl die Sportlerinnen und Sportler samt Trainer und Betreuer berücksichtige, als auch das weitere Umfeld, wie Medienvertreter, die 1000 ehrenamtlichen Helfer und andere Gruppen rund um die Veranstaltung. Gerade der „Schutz des Ehrenamtes“ spiele ein wichtige Rolle, betont Florian Stern. Alles müsse anders organisiert werden, um jedes Infektionsrisiko weitestgehend zu verringern oder möglichst ganz auszuschließen.

Eine Geister-WM gänzlich ohne Zuschauer wünsche sich keiner, ergänzt Geschäftsführer Moritz Beckers-Schwarz. „Es könnte aber passieren.“ Er sehe eine „gewisse Normalität, aber mit besonderen Abläufen“, etwa bei der Eröffnungs- und Schlussfeier. „Wir erleben eine andere WM, ein anderes Wintermärchen.“ Aktuell gehe man von 2 500 Zuschauern aus beim Skistadion und 2 000 für das Langlauf-Zentrum.

Die rund 17 Millionen Euro für die Durchführung der WM sollen im Wesentlichen aus Einnahmen durch Ticketverkäufe bestritten werden. „Das entfällt aber weitgehend“, räumt Beckers-Schwarz ein. Die Ausfälle werden jedoch durch eine Ausfallversicherung getragen. „Ohne dies ging‘s nicht.“

Der Kartenvorverkauf läuft bereits seit einem Jahr. Da es keine Stehplätze geben wird, biete man Umbuchungen auf die begrenzte Zahl an Sitzplätzen an. „Keine schöne Situation“, bringt Beckers-Schwarz diese Begleiterscheinung auf den Punkt. „Viel bleibt nicht übrig“, meint er mit Blick auf das abgespeckte Angebot. Aus dem skandinavischen Raum, regelmäßig mit großem Besucheraufgebot in Oberstdorf vertreten, seien bereits Reduzierungen bei den Buchungen spürbar. Bestimmt lasse sich dazu aber erst im kommenden Februar etwas sagen, so Beckers-Schwarz. „Es hängt alles von der Pandemie-Situation ab.“

Als eine Art Probelauf für die Weltmeisterschaft betrachten die Organisatoren der Nordischen Ski-WM das bevorstehende Sport-Großereignis in Oberstdorf, das Auftaktspringen der Vierschanzentournee Ende Dezember in Oberstdorf.

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