Oberstdorf muss für die Nordische Ski-WM noch kräftig hinlangen

Millionenspiele in Oberstdorf

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Diverse Optimierungen seiner Sportanlagen muss die Marktgemeinde in den nächsten Jahren abarbeiten, um die Bühne für die Nordische Ski-WM zu vorzubereiten.

Oberstdorf – Mit der „Bedarfsanmeldung“ für die Nordische Ski-WM 2021 hat Oberstdorf einen wichtigen Schritt bei der Finanzierungsfrage getan. Fast 50 Millionen Euro kamen unterm Strich zusammen. Eine Summe, die im Gemeinderat eine hitzige Diskussion auslöste.

„Die Durchführung der Weltmeisterschaft soll für den Ort Oberstdorf langfristig und damit nachhaltig, profitabel sein“, heißt es in einer Presseinformation der Marktgemeinde, die nach der Verabschiedung des „Kostenvoranschlages“ durch den Gemeinderat herausgegeben worden war. Und gerade deshalb hatten nicht wenige Gemeinderäte „Bauchweh“, zumal ein Argument für die WM-Bewerbung gewesen sei, dass die Anlagen bereits stünden und nur Nachbesserungen notwendig seien. Von Nachhaltigkeit für den Ort könne kaum die Rede sein.

Die Katze ist aus dem Sack. Oberstdorf meldet bei den Fördergebern eine Kostenschätzung von knapp 50 Millionen an Bedarf für die Nordische WM 2021 an: 17,8 Millionen für die Sprung­anlagen und 31,6 Millionen für den Langlauf. Die dicksten Brocken in der Erdinger Arena sind die Erneuerung des Aufsprunghangs mit ca. 2,6 Millionen, der Ersatz der Kleinschanzen mit rund 2,2 Millionen, eine neue Aufstiegshilfe für knapp 2 Millionen und eine „Team-Area“ mit 2,5 Millionen. Im Ried schlagen das Langlaufzentrum mit 12,7 Millionen, das Loipennetz mit knapp 5,8 Millionen und die Beschneiung mit 6,45 Millionen am stärksten zu Buche. Allerdings, so wird in einer Information der Martktgemeinde betont, sei dieser Bedarf nicht mit dem Förderantrag gleichzusetzen. Weitere Gespräche mit den Fördergebern sollen erfolgen – erst dann sei klar, welche Maßnahmen konkret umgesetzt oder gegebenenfalls gestrichen werden.

Im März wurde dem Gemeinderat eine von Sportverbänden und Tourismus Oberstdorf erarbeitete „Wunschliste“ von Baumaßnahmen vorgestellt. Ohne dabei allerdings konkrete Zahlen zu nennen (der Kreisbote berichtete). Der Rat beschloss, zunächst sämtliche Punkte des Bauprogramms anzumelden. Die Summen sollte die Verwaltung erarbeiten. An diesem Vorgehen gab es Kritik.

Bürgermeister Laurent Mies kam nun dem Wunsch einiger Gemeinderäte nach und ließ Kämmerer Martin Schmalholz in der jüngsten Sitzung die Zahlen verkünden, die dann an Bund und Land gemeldet wurden. Die inhaltliche Auseinandersetzung soll auf einer Klausur des Gemeinderates am 10. Mai stattfinden.

Bürgermeister Mies betonte mehrfach, dass es sich hier um ein – mit vier Partnern erarbeitetes – Optimum handle, das als Verhandlungsgrundlage mit den Fördergebern dienen soll. Trotzdem entspannte sich eine zum Teil hitzige Diskussion über die Höhe der Summe und das Thema Nachhaltigkeit. „Die Summe hat es in sich“ reagiert Bergith Hornbacher-Burgstaller (Grüne) entsetzt auf die Zahlen. Das Argument für eine Bewerbung sei immer gewesen „wir haben die Anlagen schon und müssen nur nachbessern“. „Ich kann hier nichts an Nachhaltigkeit sehen außer für den Sport“, wollte Seppi Dornach (UOL) die Summe „nicht mit Schlagworten beschönigt“ sehen. Er verwies auf die Pflichtaufgaben der Gemeinde wie Schulen, Straßen und weitere Zukunftsinvestitionen. Worauf ihm Mies vorwarf, mit seiner Wortmeldung der Sache nicht dienlich zu sein und sich profilieren zu wollen. Es würden nur die Beschlüsse des Gemeinderates abgearbeitet.

Anton Weiler (UOL) und Fritz Sehrwind verteidigten die Anmeldung. „Letztendlich zählt, was der Markt Oberstdorf nach Abzug der Zuschüsse zahlen muss“, versuchte Sehrwind die Wogen zu glätten. Nachhaltig bedeute auch, dass die Region touristisch profitiere und die Sportanlagen auf den neuesten Stand gebracht werden. Rudi Götzberger (FW) sprach von einem „falschen Weg“, erst einmal eine Riesensumme anzumelden und dann zu schauen, ob es auch billiger geht: „Jetzt stehen die 50 Millionen im Raum.“ Auch für seinen Fraktionskollegen Christian Raps sind „das Zahlen, die die Bürger hinterfragen werden“. Auf die Nachfrage von Adalbert Schall (CSU), was denn das Ziel der Klausurtagung sei, antwortete Mies, dass hier alle strittigen Punkte noch einmal diskutiert werden können. Dabei soll es auch um die Loipenführung gehen.

Der Markt Oberstdorf verweist darauf, dass die Bedarfsmeldung nicht mit dem Förderantrag gleichzusetzen ist. In den Gesprächen mit den Fördergebern werde geklärt, welche Maßnahmen gefördert und welche gestrichen werden. Die Gemeinde müsse die Kosten nicht alleine stemmen – etwa 70 bis 90 Prozent der sportlichen Investitionen übernehmen in der Regel die Fördergeber Bund und Land. Weitere kommunale Investitionen, die den Tourismus oder Straßen betreffen, würden über andere Förderungen bezuschusst.

Heinrich Bonert

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