"Immer den Menschen sehen"

+
Tillmann Hofer an seinem „Arbeitsplatz“ im Rettungswagen.

Allgäu – Tillmann Hofers Beruf ist es, Leben zu retten. Er hat geholfen, Kinder zur Welt zu bringen und war für zahllose Patienten, deren Leben am seidenen Faden hing, das Zünglein an der Waage zwischen Leben und Tod.

Der 32-jährige Kemptener ist Notfallsanitäter bei der Johanniter-Unfall-Hilfe in Kempten. Was er an seiner verantwortungsvollen Arbeit so liebt und was genau diese alles beinhaltet, schildert er hier.

„Ich mochte es schon immer, mit Menschen zusammen zu arbeiten und habe mich bereits als Jugendlicher für die Lösung medizinischer Fragestellungen und Probleme interessiert“, sagt der sympathische Allgäuer. Auf seine mehrjährige aktive Mitgliedschaft in der Kemptener Johanniter-Jugend, zu der er als 16-Jähriger gestoßen war, folgte zunächst eine Fortbildung zum Rettungssanitäter, die letztlich in der vollwertigen Ausbildung zum Rettungsassistenten mündete. Inzwischen ist Hofer seit elf Jahren als hauptamtlicher Notfallsanitäter und zugleich Praxisanleiter für auszubildende Notfallsanitäter bei der Johanniter-Unfall-Hilfe in Kempten angestellt.

Er schätze besonders die Vielseitigkeit seiner Aufgaben, sagt Tillmann Hofer. „Neben vielfältigen akuten notfallmedizinischen Tätigkeiten geht es beim Rettungsdienst häufig um chronische oder psychische Leiden. Wir werden zudem oft mit den Auswirkungen von sozialer Isolation und Vereinsamung konfrontiert. Ein zentraler Aspekt meiner Arbeit ist daher in vielen Fällen das Gespräch mit dem Patienten. Daher ist es enorm wichtig, jeden einzelnen Patienten als Mensch wahrzunehmen und einen persönlichen Bezug herzustellen – und sei es auch nur für die kurze Zeit des Einsatzes.“

Im Rahmen ihrer dreijährigen Berufsausbildung werden die angehenden Notfallsanitäter auf solche Gesprächssituationen vorbereitet. Die Ausbildung umfasst zudem Anatomie, (Patho-)Physiologie, allgemeine und spezielle Notfallmedizin, Organisation und Einsatztaktik, Teamwork und effektives Handeln in kritischen und stressigen Situationen, Medikamentenapplikation sowie invasive Maßnahmen wie Luftröhrenschnitt, das Legen eines Zugangs oder eines Tubus´.

„Als Praxisanleiter nehme ich unsere Auszubildenden zum Notfallsanitäter auch zu den regulären Rettungsdiensteinsätzen mit. Dabei bekommen sie die Chance, die in der Theorie behandelten Themen in der Praxis zu vertiefen.“ Wer sich für den Beruf interessiert, müsse ohnehin praktisches Verständnis aufweisen, so der Experte. „Denn wir arbeiten ja in der Praxis und nicht in der Theorie.“ Unabdingbar seien zudem körperliche und psychische Belastbarkeit, keine Scheu vor dem zu erwartenden Schichtdienst, Wissensdurst und Verantwortungsbewusstsein. Schließlich geht es tagtäglich um nichts Geringeres als die Rettung von Menschenleben.

Befragt nach der größten Herausforderung bei seiner täglichen Arbeit antwortet Tillmann Hofer mit Bedacht: „In stressigen Situationen ruhig und objektiv zu bleiben.“ Als eines der schönsten Erlebnisse ist ihm die eingangs erwähnte, glücklich verlaufene Geburt im Rettungswagen in Erinnerung. Auch nach einer erfolgreichen Reanimation stelle sich „nach einiger Zeit, wenn man nicht mehr ganz so ausgepowert ist, die Erfüllung ein, gute Arbeit gemacht zu haben“. Bei seinem Tun will Tillmann Hofer sich allerdings nicht als Held verstanden wissen. „Wir sind keine Helden“, betont er. „Wir machen nur unsere Arbeit.“

Zur Information:

Der Ausbildungsberuf Notfallsanitäter wurde erst im Jahr 2014 eingeführt. Er löst bis zum Jahr 2024 sukzessive den bisherigen Rettungsassistenten ab. Ausgebildete Rettungsassistenten können sich durch Aufbaulehrgänge zum Notfallsanitäter qualifizieren. Die Johanniter-Unfall-Hilfe im Regionalverband Allgäu bildet Notfallsanitäter aus. Weitere Informationen erhalten Sie unter www.johanniter.de/allgaeu sowie telefonisch unter 0831/52157-0.

Auch interessant

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Furioses Nikolausturnen des TSV Sonthofen
Furioses Nikolausturnen des TSV Sonthofen
Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember
Tag des Ehrenamtes am 5. Dezember
Schreibwarengeschäft mit Grafitti besprüht
Schreibwarengeschäft mit Grafitti besprüht

Kommentare