Fachärztemangel in der Region: Brandbrief des Landrates an die KVB

Es "brennt" an allen Ecken

+
Symbolfoto

Mit einem Brandbrief hat sich Landrat Anton Klotz an die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns KVB gewandt. Hintergrund ist die nicht ausreichende fachärztliche, vor allem kinderärztliche, Versorgung im Oberallgäu.

„Oberallgäuer und Kemptener Kinderarztpraxen weigern sich zunehmend, Kinder als Patienten neu aufzunehmen und zu behandeln. Diese Praxen sind durch das hohe Patientenaufkommen erheblich überlastet und versuchen dabei lediglich, sich durch ein entsprechendes Abweisen zu retten“, heißt es in den einleitenden Worten des Briefes. Im südlichen Oberallgäu nehmen Kinderärzte demnach nur noch Neugeborene neu auf, neu zugezogene Kinder werden als Patienten abgelehnt. Auch im Bereich Kempten ist das inzwischen gängige Praxis. 

Auch für Eltern, deren Kinder bereits Patienten bei den niedergelassenen Kinderärzten sind, sei die Situation nicht immer einfach: neben langen Wartezeiten müssten Termine für Vorsorgeuntersuchungen schon weit im Voraus vereinbart werden. „Eine am Gesundheitsamt tätige und sogar privat versicherte Ärztin musste bereits jetzt, anderthalb Jahre vor der eigentlichen U9-Untersuchung ihres Kindes, in einer Kinderarztpraxis einen Termin dafür vereinbaren“, schreibt Landrat Klotz weiter. 

Auswirkungen hat dies auch auf das Gesundheitsamt: Kinder, die nicht an der U9-Untersuchung teilgenommen haben (um den 5. Geburtstag), müssen für die vorgeschriebene Schul­eingangsuntersuchung stattdessen an einer schulärztlichen Untersuchung teilnehmen. „Der Bayerische Öffentliche Gesundheitsdienst ist zwar gehalten, im Rahmen der Schuleingangsuntersuchungen die Kinder zu untersuchen, die die entsprechende U9-Untersuchung nicht nachweisen können. Daraus kann aber keinesfalls abgeleitet werden, dass der Öffentliche Gesundheitsdienst nun hauptsächlich die U9-Untersuchung und auch die anderen U- und J-Untersuchungen durchführt. Dies ist alleinige Aufgabe und Pflicht der niedergelassenen Kinder- und Allgemeinärzte. Entsprechend sind diese bzw. die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns verpflichtet, diese auch zu gewährleisten“, heißt es in dem Brief weiter. Auch stünden im Gesundheitsamt bestimmte Gerätschaften, die bei auffälligen Befunden zur weiteren Abklärung nötig wären, nicht zur Verfügung – EKG, Ultraschallgeräte, Labor,... 

Klotz betont weiter, dass nicht nur die Versorgung mit Kinderärzten im Landkreis, sondern auch mit anderen Fachärzten nicht ausreichend gesichert sei. So fehle es an Lungenfachärzten, Neurologen und Psychiatern. „Ich sehe insgesamt eine Diskrepanz zwischen der bestehenden Erfüllung der Plansolle durch die ‚Kassenärztliche Vereinigung Bayerns‘ mit gleichzeitig bestehenden Niederlassungsbeschränkungen einerseits und der tatsächlich bestehenden Überlastung von niedergelassenen Kinderärzten und anderen Fachärzten mit Abweisung von Patienten andererseits“, so das Fazit des Landrats. Abschließend bittet er die KVB um „rasche und wirksame Abhilfe“ zur Sicherstellung der Versorgung mit den angesprochenen Fachärzten im Oberallgäu.

eva

Auch interessant

Meistgelesen

Babyglück im Allgäu
Babyglück im Allgäu
Bahnstreik auch im Oberallgäu - Schüler und Pendler müssen warten
Bahnstreik auch im Oberallgäu - Schüler und Pendler müssen warten
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Keine Stille Nacht allein unterm Baum
Kreisbote-Aktion "Spenden & Helfen": 5 200 Euro für Kinderschutzbund Sonthofen
Kreisbote-Aktion "Spenden & Helfen": 5 200 Euro für Kinderschutzbund Sonthofen

Kommentare